# taz.de -- Afrika-Cup: Das Lachen des Salah
       
       > Beim FC Liverpool wurde Mo Salah zuletzt kaum noch eingesetzt. Doch für
       > die ägyptische Auswahl spielt er beim Afrika-Cup das Turnier seines
       > Lebens.
       
 (IMG) Bild: Die befreiende Wirkung von Fußball: Mo Salah jubelt über einen Treffer gegen die Elfenbeinküste
       
       Als [1][Mo Salah] am vergangenen Samstag ein Tor schoss, sprudelte die
       Freude nur so heraus aus dem 1,75 Meter großen Ägypter. Der Stürmer sprang
       seinen herbeieilenden Kollegen des ägyptischen Nationalteams in die Arme.
       Es war eine Freude, sein befreites Lachen zu sehen.
       
       Der 33 Jahre alte Stürmer des [2][FC Liverpool] hatte im Viertelfinalspiel
       des Afrika-Cups kurz nach der Halbzeit zum scheinbar vorentscheidenden 3:1
       gegen die Elfenbeinküste getroffen. Eine gute halbe Stunde später war es
       geschafft: Der Titelverteidiger war mit 3:2 besiegt. Und Mo Salah stand mit
       Ägypten im Halbfinale des Wettbewerbs, wo es am Mittwoch gegen [3][Senegal]
       geht.
       
       Salah und sein Lachen. Man kennt es aus der Vergangenheit vor allem im
       Trikot des FC Liverpool. Zu seinen besseren Zeiten im Norden Englands, als
       [4][Jürgen Klopp] noch Trainer bei den Reds war und Salah mit Kollegen wie
       Sadio Mané und Roberto Firmino im Angriff die Gegner schwindelig spielte.
       Das ist nun beinahe zehn Jahre her. Salahs Lächeln im Vereinstrikot ist
       zuletzt selten geworden. Der Tiefpunkt: Im November wurde der Ägypter nicht
       mehr aufgestellt, landete in Liverpool auf der Ersatzbank.
       
       Da kam ihm der [5][Afrika-Cup] wohl gerade recht. Das Kontinentalturnier,
       das afrikanischen Spielern regelrecht heilig ist. Ägypten hat das Turnier
       schon sieben Mal gewonnen. Allein: An Salah ist der Titel bislang jedes Mal
       vorbeigegangen. Als er 2011 für Ägypten debütierte, waren die großen Zeiten
       des Nationalteams gerade vorbei. In der Heimat war es im [6][Arabischen
       Frühling] zur politischen Krise gekommen, die auch die „Pharaonen“, wie das
       Nationalteam genannt wird, in ein Leistungstal führte.
       
       ## Die Krise des ägyptischen Fußballs
       
       In Folge der politischen Proteste und einer Stadionkatastrophe 2012 in
       [7][Port Said] wurde die ägyptische Liga ausgesetzt. Die Nationalmannschaft
       konnte sich für die Cups 2012, 2013 und 2015 nicht qualifizieren. Erst 2017
       in Gabun waren Salah & Co dabei und schafften es tatsächlich ins Endspiel.
       Dort aber setzte es eine 1:2-Niederlage gegen Kamerun. Noch näher dran war
       das Team 2022, als man im Finale gegen Senegal nach einem 0:0 nach
       Verlängerung ins Elfmeterschießen ging. Mané verwandelte zum entscheidenden
       4:2 für Senegal. Salah als letzter vorgesehener ägyptischer Schütze durfte
       schon gar nicht mehr antreten.
       
       Auf Senegal trifft das Team nun auch bei dem Turnier in Marokko. Es wird
       ein enges Match zweier gleichwertiger Teams erwartet. Für Salah ist es die
       Chance, sich für einen weiteren persönlichen Tiefpunkt zu revanchieren. In
       der WM-Qualifikation 2022, wenige Monate nach der Final-Niederlage vom
       Afrika-Cup, traf Ägypten erneut auf Senegal. Wieder ging es nach zwei
       Spielen, die jeweils 1:0 ausgegangen waren, ins Elfmeterschießen. Diesmal
       trat Salah als erster an – und verschoss. Wieder verlor Ägypten.
       
       Es sind diese Erlebnisse, die bislang von Salah im Nationalteam hängen
       geblieben sind. Er wirkte im Pharaonen-Trikot nie wirklich glücklich.
       Flitzte er für den FC Liverpool leichtfüßig und trickreich über den Rasen,
       hing ihm in den Matches mit Ägypten gefühlt schweres Blei an den Füßen. Die
       Erwartungen der Fans, der Politiker, einer ganzen Nation – sie schienen ihn
       zu erdrücken.
       
       ## Afrika-Cup als unerwartete Wende
       
       Und ausgerechnet jetzt, da sich Salahs Karriere dem Ende zuneigt, bietet
       sich plötzlich die riesige Chance, den ersehnten Afrika-Cup doch noch zu
       gewinnen. Nach der Krise in Liverpool fuhr Salah regelrecht trotzig zum
       Nationalteam – in Marokko wollte er es offenbar all seinen Kritikern noch
       einmal zeigen. Ägypten, das mit einem scheinbar überalterten Team
       allenfalls zu den Geheimfavoriten gehörte, spielte sich solide durch die
       Vorrunde, legte mit dem Eintritt in die K.-o.-Phase aber deutlich zu.
       
       Im Achtelfinale wurde Außenseiter Benin deutlich mit 3:1 bezwungen, im
       Viertelfinale gegen Titelverteidiger [8][Elfenbeinküste] trat das Team auch
       nicht gerade als Favorit an. Doch Ägypten trat mutig, explosiv und mit
       einer erstaunlichen Intensität an. Am Ende von 90 packenden Minuten stand
       ein verdienter 3:2-Sieg für Kapitän Salah & Co. Der Titelverteidiger war
       ausgeschieden und Salah hatte die beste Partie jemals im Nationaltrikot
       gezeigt.
       
       Wie entfesselt war er über die gesamte Spielzeit hinweg den Rasen von
       Agadir rauf und runter gerannt. Hatte die Ivorer mit offensiven Dribblings
       genervt und sich bei gegnerischem Ballbesitz als erster Abwehrspieler in
       jedes Zweikampfduell geworfen. So etwas hatte man von ihm zuvor eigentlich
       noch nie gesehen.
       
       Salahs Freude nach dem Coup war ebenso ansteckend wie ehrlich. Es geht nun
       im Halbfinale des Turniers wieder einmal gegen Sadio Mané und [9][Senegal].
       Wie schon so oft. Es wird wieder eng zugehen auf dem Platz. Und vielleicht
       kommt es wieder zur Verlängerung. Wieder zum Elfmeterschießen gar. Es ist
       die große Chance für Salah, sich zu revanchieren. Und vielleicht
       anschließend endlich den Afrika-Cup zu gewinnen.
       
       12 Jan 2026
       
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