# taz.de -- Afrika-Cup in Marokko: Lumumba-Doppelgänger Michel Kuka posiert als lebende Statue
       
       > Er sieht genauso aus wie der Nationalheld der Demokratischen Republik
       > Kongo und ist bei jedem Fußballspiel seines Landes der Hingucker.
       
 (IMG) Bild: So steht er bei jedem Spiel: der Lumumba-Fan Michel Kuka
       
       Immer wenn im laufenden [1][Afrika-Cup] – dem Pendant zur
       Fußball-Europameisterschaft – die Demokratische Republik Kongo spielt,
       sticht im kongolesischen Fanblock ein Mann hervor: Michel Kuka. Gekleidet
       in einem Anzug in kongolesischen Nationalfarben, [2][steht er das ganze
       Spiel über regungslos] auf einem Holzschemel und reckt den rechten Arm in
       den Himmel. Damit erinnert er an Patrice Lumumba, Kongos großen
       Freiheitshelden. Die Pose ist typisch für ihn, auch sein offizielles
       Denkmal in Kongos Hauptstadt Kinshasa zeigt ihn in dieser Körperhaltung.
       
       Doch damit nicht genug, Michael Kuka sieht Lumumba auch zum Verwechseln
       ähnlich: dasselbe schmale Gesicht, dieselben Furchen, dieselbe Frisur und
       Brille.
       
       [3][Patrice Lumumba] steht für den Todesmut der antikolonialen
       Freiheitskämpfer Afrikas. Aufgewachsen in Belgisch-Kongo mit rigidem
       Apartheidsystem, das Millionen Kongolesen das Leben kostete, gründete
       Lumumba die erste Unabhängigkeitsbewegung. Als Belgien die Kolonie völlig
       unvorbereitet am 30. Juni 1960 in die Unabhängigkeit entließ, wurde Lumumba
       Premierminister.
       
       Er bot dem belgischen König die Stirn und hielt während der
       Unabhängigkeitsfeier eine historische Rede, in der er auf Kongos „Kampf mit
       Tränen, Feuer und Blut“ gegen Versklavung und Massenmord hinwies. Das Land
       versank im Bürgerkrieg, und am 17. Januar 1961 wurde Lumumba unter
       belgischem Kommando hingerichtet, dann verscharrt, wieder ausgegraben, in
       Säure aufgelöst, damit nichts zurückbleibt – außer einem Goldzahn, den ein
       Belgier mitnahm und der [4][erst vor Kurzem restituiert] wurde.
       
       Lumumba ist bis heute Kongos Nationalheld – der einzige, mit dem sich alle
       120 Millionen Einwohner identifizieren können, der 17. Januar bleibt neben
       dem 30. Juni Kongos wichtigster Feiertag.
       
       ## Denkmal oder Zaubermeister?
       
       [5][Michel Kuka Mboladinga] bezeichnet sich selbst als „Lumumba Vea“, als
       Lumumbas Denkmal. Seit 2013, sagt er, verkörpert er den Nationalhelden, dem
       er verblüffend ähnlich sieht, was er aber auch kultiviert. Der 53-Jährige
       gehört zum offiziellen Fanclub der [6][kongolesischen Nationalmannschaft]
       als „Artist“.
       
       Auch aktuell, beim Turnier in Marokko, salutiert er stets regungslos und
       stumm auf der Tribüne für die „Leoparden“, wie das kongolesische Team auch
       genannt wird. Dadurch wird Kuka nun auch weltweit wahrgenommen – mit jedem
       Spiel ein bisschen mehr, seit dem Sieg gegen Botswana am 30. Dezember geht
       er in den afrikanischen Medien viral. „Ich bin selber überrascht“, sagt er
       [7][in einem Interview]. „Was ich mache, freut alle Kongolesen. Ich gebe
       auch den Spielern Kraft, wenn sie mich sehen. Damit sie gewinnen.“
       
       „Es wird viel über ihn erzählt“, sagte der kongolesische Sportjournalist
       Guy Elongo [8][der staatlichen Nachrichtenagentur ACP]. „Viele denken, dass
       Lumumba Vea sich während des Spiels in eine Statue verwandelt. Andere
       nennen ihn gar einen Zaubermeister, der alle Glücksbringer des Landes
       besitzt.“
       
       Bisher läuft es gut. Die DR Kongo hat als Gruppenzweiter die Vorrunde des
       Afrika-Cups überstanden, mit Siegen gegen Benin und Botswana und einem
       Unentschieden gegen Gruppensieger Senegal. Am 6. Januar folgt das sicher
       nicht einfache Achtelfinale gegen Algerien, und es warten eventuell noch
       härtere Gegner: Nigeria, Kamerun und Gastgeber Marokko. Wenn die
       Lumumba-Magie weiterwirkt, kommt das große Finale am 18. Januar. Einen Tag
       nach dem Lumumba-Todestag könnte die DR Kongo ihren ersten internationalen
       Titel seit über 50 Jahren holen. Dann würde wohl auch Michel Kuka endgültig
       zum Helden.
       
       1 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika-Cup_2025
 (DIR) [2] https://nnalubaalesports.com/michel-kuka-mboladinga-the-silent-salute-that-gave-dr-congo-a-second-voice-at-afcon/
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Patrice_Lumumba
 (DIR) [4] /Lumumbas-Goldzahn/!5859516
 (DIR) [5] https://x.com/skymarsha/status/2006394958266204321
 (DIR) [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fballnationalmannschaft_der_Demokratischen_Republik_Kongo
 (DIR) [7] https://x.com/skymarsha/status/2006394958266204321
 (DIR) [8] https://acp.cd/culture/can-2025-les-valeurs-de-lumumba-immortalise-par-un-animateur-des-leopards/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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