# taz.de -- Repression in Iran: Hoffnung entsteht aus Haltung
       
       > Ein toter Menschenrechtsanwalt, eine Trauerfeier, die zum Protest wird:
       > Iranische Dissidenten zeigen, dass Mut stärker ist als der Terror des
       > Regimes.
       
 (IMG) Bild: Narges Mohammadi in ihrer Wohnung in Tehran am 23. Januar 2025
       
       Im Dezember wurde der iranische Menschenrechtsanwalt Khosrow Alikordi in
       seinem Büro tot aufgefunden. Die Umstände waren zu dubios, um an Zufälle zu
       glauben. In Iran wusste man sofort, [1][was das bedeutet]: Das Regime muss
       dahinter stecken. Und trotzdem – oder gerade deshalb – fuhren viele
       Menschen zu seiner Trauerzeremonie nach Mashhad. Wie so oft in Iran wurde
       aus Trauer Protest.
       
       Unter denen, die kamen, waren einige der bekanntesten Gesichter der
       iranischen Freiheitsbewegung: [2][Friedensnobelpreisträgerin Narges
       Mohammadi], die Journalistin Alieh Motalebzadeh, die Aktivistin Sepideh
       Qolian und viele andere. Mohammadi stand auf der Bühne und hielt eine
       Brandrede. Und das, obwohl sie sich nur im medizinischen Hafturlaub befand
       und jederzeit wieder festgenommen werden konnte. Alle wussten, wie hoch das
       Risiko war.
       
       Die Sicherheitskräfte kamen in Zivil. Sie unterwanderten die Zeremonie,
       schlugen zu und zerrten Menschen weg. Eine später geleakte Audionachricht
       lässt erahnen, wie brutal die Festnahmen waren. Narges Mohammadi musste in
       eine Notaufnahme, Alieh Motalebzadeh erhielt erst drei Tage später
       medizinische Versorgung. Zwei Wochen danach sitzen sie noch immer in
       Isolationshaft. Auch Angehörige des getöteten Anwalts wurden festgenommen,
       darunter sein Bruder Javad Alikordi.
       
       Man muss sich das klarmachen: Diese Menschen hätten nicht kommen müssen.
       Sie hätten fernbleiben können. Sie hätten sich schützen, ihre Freiheit
       bewahren, das Risiko umgehen können. Niemand hätte es ihnen vorgeworfen.
       Aber sie entschieden sich anders: Sie entschieden sich, hinzugehen.
       [3][Öffentlich und sichtbar zu sein]. Trotz allem.
       
       ## Die brutale Realität
       
       Das ist keine Heldensaga, sondern eine nüchterne, brutale Realität.
       Hoffnung entsteht aus Haltung. Aus der Entscheidung, dem Terror des Regimes
       nicht auch noch den eigenen Mut zu überlassen. Diese Menschen zeigen, dass
       Freiheit nicht erst dort beginnt, wo man sicher ist, sondern dort, wo man
       sich weigert, zu kapitulieren.
       
       Aus Prinzip Hoffnung zu haben bedeutet zu sehen, dass selbst ein
       gewaltvolles Regime, eines nicht kontrollieren kann: die Entscheidung von
       Menschen, sich nicht wegzuducken. Und manchmal reicht genau das, um die
       Zukunft offenzuhalten.
       
       28 Dec 2025
       
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 (DIR) Daniela Sepehri
       
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