# taz.de -- 15-jährige Rapperin Zah1de: Von Tiktok in die Uber Eats Music Hall
       
       > Nur 7 Songs und schon ein Bambi: Zah1de ist wohl Deutschlands größte
       > Newcomerin. Ihr Hype reicht bis nach Dubai, doch an ihrem Management
       > wächst die Kritik.
       
 (IMG) Bild: Zahide Kayaci und ihr Manager Serdar Bogatekin bei den Youtube Music Awards 2025
       
       „Yallah, komm schmeiß mir ’n Bambi“ hat sie gerappt, und zack – wurde ihr
       Mitte November das goldene Rehkitz verliehen. Zahide Kayaci ist vielen noch
       unbekannt, dabei ist sie die wichtigste Newcomerin des Internets in
       Deutschland Mit dem Preis ist sie „Shootingstar des Jahres“ und damit die
       jüngste Solo-Preisträgerin der Bambi-Geschichte – mit gerade einmal sieben
       veröffentlichten Songs.
       
       Was über Zahide Kayaci, Künstlerinnenname „Zah1de“, bekannt ist: Sie ist
       „14 Jahre, lange Haare, miese Zahlen, todesfame“. Das singt die Kreuzberger
       Rapperin über sich. Und sie hat recht: 8,5 Millionen Follower und 585
       Millionen Likes hat die inzwischen 15-Jährige auf Tiktok. Sie ist damit
       eine der meistgefolgten Tiktoker*innen in Deutschland.
       
       Ihre [1][Show in der Uber Eats Music Hall] im Januar 2026 war innerhalb von
       Minuten ausverkauft, zu Fantreffen [2][im Influencer:innen-Hotspot Dubai]
       kommen Hunderte junge Menschen. Um sie gibt es einen regelrechten Hype:
       Ihre Fans haben den Zahedismus ausgerufen, eine neue „Religion“ für ihre
       Göttin. „Zahide ist am Kreuz für uns gestorben“, schreiben sie in den
       sozialen Medien, „Zamen“ oder „Allzahideullah“.
       
       Wie es dazu kam: „Ich wollt’ nur n bisschen tanzen und dann wurde ich zum
       Star“, singt Zah1de in „Ballert auf Lautlos“. Kayaci ist Teil der
       Tanzschule Lunatix in Berlin, die durch Tiktok bekannt wurde. Zunächst
       erlangte die Kreuzbergerin Reichweite durch Tanzvideos und Lipsynch-Videos.
       Dadurch wurde das Musiklabel Universal Music auf sie aufmerksam. Wie genau,
       darauf antwortete das Label auf taz-Anfrage nicht. Ende 2024 unterschrieb
       sie dort einen Vertrag. Seitdem veröffentlichte sie Songs, die zuverlässig
       Streams in mehrstelliger Millionenhöhe erreichen – auf Spotify hat sie 1,8
       Millionen monatliche Hörer*innen.
       
       ## Weltweit bekannt
       
       „Es hat angefangen wie bei vielen anderen Creatorn: Sie waren eine Gruppe
       von Leuten in der Tanzschule, die Trends nachgemacht und erfunden haben“,
       erklärt Dimi Adams Kayacis Erfolgsgeschichte der taz. Er ist Content
       Creator und analysiert auf Tiktok popkulturelle Phänomene. „Plötzlich ist
       der Erfolg eingeschlagen wie eine Bombe, ohne dass sie es geplant haben.
       Alle auf der Welt haben das nachgetanzt.“
       
       Der Grund: Die jugendlichen User:innen auf Tiktok konnten sich mit den
       Lunatix-Tänzer:innen identifizieren und haben in ihnen eine Gruppe gesehen,
       die sie auch gerne hätten, so Adams. Zu der Gruppe gehörten jugendliche
       Tänzerinnen, minder- und volljährig, wie Chiara Calisto und Samro Sauvage.
       
       Auch diese wurden über Nacht bekannt. Calisto hat heute rund 5,6 Millionen
       Follower auf Tiktok, Sauvage 3,8 Millionen. Das Erfolgsrezept: Die Videos
       der Lunatix-Tänzer:innen sind perfekt auf den Social-Media-Algorithmus
       ausgelegt: Sie sind meist nur wenige Sekunden lang und greifen virale Songs
       und Tanzschritte auf.
       
       Dinge aus der Social-Media-Welt aufzugreifen und sie für die eigenen
       Inhalte zu nutzen, ist ein wichtiger Teil von Kayacis bisherigem Erfolg in
       der Musikbranche. In ihrem allerersten Song etwa, „Tiktok Sportlich“,
       beschäftigte sie sich mit dem Streit mit anderen Lunatix-Tänzer*innen –
       dazu später mehr. Für das Lied bekam Kayaci viel Hate von Nutzer:innen
       und aus der Musikbranche. Ein Kommentar, der häufig fiel: „Der Song ballert
       nur auf lautlos“ – man kann ihn nur ohne Ton ertragen. Kayaci nahm die
       Hate-Welle ironisch auf. Sie veröffentlichte ihren zweiten Song „Ballert
       auf Lautlos“ und zeigt ihren Hatern, dass sie sich nicht zu ernst nimmt
       (flext aber auch gleichzeitig): „Ja ja, ist okay, es ballert nur auf
       lautlos / Ich mach’ trotzdem sechsstellig, sag mir, wer von euch macht auch
       so?“ Der Song ging viral.
       
       ## Rede!
       
       Und so läuft es bei vielen ihrer Songs: Ihre vierte Single „Zahide did it
       better“ knüpft an einen internationalen Tiktok-Trend an, bei dem
       Nutzer*innen Tiktok-Videos mit „Zahide won this trend“ kommentierten.
       Ihre aktuellste Veröffentlichung „Rede!“ mit Benno wiederum greift einen
       Favoriten für das Jugendwort des Jahres 2025 auf. Bei den Bambi-Awards wird
       sie gefragt, wie ihr die Songtexte einfallen. „Es ist einfach so, wie ich
       rede“, sagt sie. Authentizität, gepaart mit guter Laune, verkauft sich gut.
       
       „Sie verwandelt echte Situationen, Mutmaßungen, Diskussionen, Kritiken und
       Hate-Wellen in Songtexte und liefert somit Storytelling aus ihrer aktuellen
       Lebenslage. Das gibt Fans das Gefühl, mitreden zu können“, erklärt Adams.
       Eingängige Lines kombiniert mit catchy Beats würden für einen hohen
       Wiedererkennungswert und schließlich dafür sorgen, dass ihre Songs viral
       gehen.
       
       Für die Strategie kommt noch gut platzierte Werbung dazu. Sie rappt über
       Levis Jeans, Prada und Ferraris. Die Nennung von Marken als Flex sind
       gerade im Rap gängig. Aber Kayaci und ihr Management gehen einen Schritt
       weiter: „What you know 'bout me? Lipgloss, Extra-Kaugummi“, rappt sie etwa
       in ihrem Song „Kotti d’Azur“. Mit Extra Kaugummi hat die Rapperin eine
       Kooperation, in einigen Videos ist sie das Werbegesicht der Marke. Der Song
       und die Markennennung sind eine offene Promo-Aktion.
       
       Auch mit einem eigenen Produkt springt die Tanzschule Lunatix auf einen
       viralen Trend auf: Im Sommer machten die Desserts des Pariser Patissiers
       Cedric Grulet die Runde: Knackige fruchtförmige Desserts in knalligen
       Farben. Seit einigen Wochen bietet nun Lunatix ein Eis von Zah1de in
       Fruchtform an, das man in Supermärkten kaufen kann. Zumindest theoretisch.
       Praktisch sind sie immer ausverkauft.
       
       ## Stars feiern ihre Musik
       
       Kayaci kriegt Backup aus der Industrie: [3][Shirin David spielt vor jedem
       ihrer Konzerte Tracks von Zah1de], Nura feiert sie, [4][Rapper wie Apsilon]
       oder Baran Kok tanzen in Tiktok-Videos zu ihren Songs.
       
       Aber es gibt auch viel Kritik – vor allem an Serdar Bogatekin. Der ist
       Gründer der Tanzschule, bei der Kayaci zu tanzen begann, und wurde später
       mit dem „Lunatix-Management“ ihr Manager. Der 36-Jährige, den Kayaci als
       „Abi“ (großer Bruder) bezeichnet, profiliert sich in nahezu jedem
       Musikvideo von Zah1de zwischen pubertierenden Tänzer*innen. In Songtexten
       wird er namentlich genannt, in „Kotti d'Azur“, spricht er das Outro:
       „Zahide, du hast den Sommer gerettet, Lunatix Records. Aufrichtiger Erfolg
       fühlt sich so gut an. Wartet ab, da kommt noch viel mehr“.
       
       Es ist verständlich, dass Bogatekin an dem künstlerischen Erfolg von Kayaci
       teilhaben will. In Videos für die Tanzschule spricht er davon, dass er
       junge Menschen unterstützen möchte. Dafür gründete er nun vor drei Wochen
       noch das Lunatix Creative Hub mit Tonstudio, wo nach Bogatekins Aussage
       „Die Superstars geformt und geschliffen“ werden sollen.
       
       Und in der Vergangenheit haben sich bereits Tänzer*innen von Bogatekin
       distanziert und die Tanzschule verlassen. Im Oktober 2024 kam es etwa zu
       einem Streit zwischen den jungen Tänzer:innen Calisto, Sauvage und der
       Tanzschule Lunatix. Kayaci stellte sich auf die Seite des Lunatix-Gründers.
       Der Grund für den Streit blieb zunächst unklar. Tausende Videos mit
       Mutmaßungen überfluteten damals Tiktok; Calisto, Sauvage, Kayaci und
       Bogatekin zogen in Livestreams übereinander her. „Die Welt der Fans ist
       zusammengebrochen, ihre Idole waren vermeintlich keine Freunde mehr“,
       erklärt Adams. Der Streit diente Kayaci als Material für ihren ersten Song
       „Tiktok Sportlich“. Dieser Ausdruck, etwas mit „Tiktok sportlich“ zu
       benennen, ist auf der Plattform ein Codewort, um zu verhindern, dass Videos
       zensiert werden, selbst wenn man Leute beleidigt.
       
       Spätestens nach dem Vorfall zwischen Bogatekin und Julia Kautz, einer
       ehemaligen Chefreporterin der Bravo, ist klar: Kayaci und ihre Bühne werden
       auch dafür genutzt, um sich über andere lustig zu machen. Bei einem zuvor
       vereinbarten Interview soll Bogatekin Kautz zunächst raus geworfen haben.
       Nachdem er sie wieder hereingebeten und sich entschuldigt habe, habe er das
       Gespräch kurz darauf endgültig abgebrochen – mit der Erklärung, ihre „Art“
       gefalle ihm nicht.
       
       Im Musikvideo zu ihrem Song „Uff Yaa“, das kurz nach dem Eklat herauskam,
       ist jemand als Reporterin verkleidet, die Kautz ähnelt und im Video
       herausgetragen wird.
       
       ## Kritik von ehemaligen Tänzer:innen
       
       Kayacis Körpersprache in Bogatekins Umfeld wird auf Tiktok schon seit
       Längerem analysiert. Einige Nutzer*innen interpretieren ihre
       Körpersprache so, dass die 15-Jährige eingeschüchtert wirke. Auf eine
       Anfrage der taz zu Kritik am Management von Zahide und seiner Person
       antwortete Bogatekin nicht.
       
       Bisher hält Kayaci zu Bogatekin. Sie ist weiterhin Teil von Lunatix und
       tritt häufig mit ihrer Tanzgruppe auf – auch bei den Bambis. Betrachtet man
       ihre bisherige steile Karriere, ist tatsächlich zu erwarten, dass da noch
       „viel mehr“ kommt, wie Bogatekin in „Kotti d’Azur“ ankündigte.
       
       Zu hoffen ist, dass ihr Erfolg hinter den Kulissen von Personen begleitet
       wird, die verantwortungsvoll handeln und die Interessen der jungen
       Künstlerin in den Mittelpunkt stellen. Die taz hätte sich davon gerne ein
       Bild gemacht. Interviewanfragen an Serdar Bogatekin, das Lunatix
       Management, Universal Music sowie an Zahide Kayaci blieben unbeantwortet.
       
       Anm. d. Red.: Im Titel hatten wir ursprünglich geschrieben „Von Tiktok in
       die Uber Arena“. Da die Künstlerin aber in der Uber Eats Music Hall
       auftritt, haben wir die Überschrift dementsprechend angepasst.
       
       18 Dec 2025
       
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