# taz.de -- Jahresrückblick der Sportredaktion: Was Frau Berger mit der Hand macht und wie sich Trump feiert
> 2025 hat im Sport so viel geboten, das lässt sich nicht einfach abrufen.
> Hier die Highlights und Tiefschläge des Jahres, nur wenig vorsortiert.
(IMG) Bild: Im Mittelpunkt: Englands Chloe Kelly avancierte im EM-Finale gegen Spanien zur Matchwinnerin
## Was war der Sportmoment des Jahres?
Hatte man so etwas schon gesehen? Es war noch keine Viertelstunde im
EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich gespielt, da griff
Verteidigerin Kathrin Hendrich beherzt zu, [1][nahm den Zopf] ihrer
Gegenspielerin Griedge Mbock in die Hand und zog daran. Gegen die fällige
Rote Karte gab es keinen Protest, und so musste Deutschland 100 Minuten in
Unterzahl gegen Frankreich verteidigen, was es zu verteidigen gab. Und das
war viel. Der Zug am Zopf war einer der zahlreichen irren Momente in diesem
Fußballspiel des Jahres.
Da war ja dann noch dieses wunderschöne Abseitstor der Französinnen, die
dann ja noch ein Abseitstor geschossen haben. Da war der verschossene
Elfmeter von [2][Sjoeke Nüsken], der den hoffnungslos unterlegenen
Deutschen dann doch nicht die Führung gebracht hat. Da war diese [3][Parade
von Ann-Kathrin Berger], an die man sich noch erinnern wird, wenn dereinst
die besten Torhüterinnenaktionen des 21. Jahrhunderts prämiert werden. Da
waren die zwei Schüsse, die Berger im Elfmeterschießen pariert hat. Und da
war der Elfmeter, den sie selbst verwandelt hat. Es war ein Spiel voller
Sportmomente des Jahres. Andreas Rüttenauer
## Wie lautet das Sportzitat des Jahres?
Trump-Infantino-Zitate sind eine schöne Sache. So wirr, so surreal, dass
sie jede Sammlung schmücken. Aber seien wir ehrlich, hat irgendwer Bedarf,
den Schrott schon wieder zu lesen? Würdigen wir stattdessen ein paar
größere Momente des Sports in diesem düsteren 2025.
„Es gibt viele Menschen, die Selbstbewusstsein nicht mögen, besonders, wenn
eine Frau viel Selbstbewusstsein ausstrahlt. Vielleicht ist es gerade mein
Selbstbewusstsein, das dafür sorgt, dass mir das egal ist.“ Fußballerin
[4][Chloe Kelly], eine der Gewinnerinnen dieses Jahres, der es an
Selbstbewusstsein sicher nicht mangelt.
„Sport ist nicht neutral bei Ungerechtigkeit. Sport darf nicht schweigen,
während Athleten und Zivilisten in [5][Gaza] wahllos massenhaft getötet
werden. Schweigen bedeutet akzeptieren, dass das Leben mancher weniger wert
ist als das anderer.“ 50 Sportler:innen schweigen nicht und fordern in
einem Brief an die Uefa im September Sanktionen gegen Israel.
„Fankultur überlebt jede Ministerkonferenz.“ Protestbanner von Fans gegen
die [6][Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen] im Stadion. Erwies sich als
korrekt.
„Bislang haben wir uns dafür entschieden, vor Spielen [7][niederzuknien].
Es ist klar, dass wir und der Fußball einen anderen Weg finden müssen, um
Rassismus zu bekämpfen.“ Die Engländerinnen glauben angesichts immer neuer
Hasswellen nicht mehr an Symbolik.
Und zum Schluss, etwas unorthodox in dieser Reihe: „Ich liebe es, wenn
meine Mannschaft mich ein bisschen testet.“ Torhüterin Ann-Katrin Berger zu
ihrer spektakulären Parade gegen Frankreich. Große Unterhaltung kann sie.
Und damit sind wir wieder bei Trump. Alina Schwermer
## Wer war der Gewinner des Sportjahres?
Wäre ja was, könnte man auf die Frage nach dem Gewinner des Jahres
„Alexander Zverev“ antworten. Kann man aber nicht, es sei denn, man ist
sehr gutmütig. Im Grunde hat sich Zverev zu Beginn des Jahres selbst aus
der Wertung genommen: Er sei einfach nicht gut genug, bekannte er nach der
[8][Finalniederlage] gegen Jannik Sinner bei den Australian Open. Der hätte
Zverev den Titel als Verlierer des Jahres streitig machen können, denn bei
den French Open in Paris passierte dem Italiener etwas, was so nicht
passieren sollte: Er vergab drei Matchbälle und musste in einem epischen
Spiel (ja, das war: ganz großes Tennis) seinem Kontrahenten Carlos Alcaraz
[9][Sieg und Trophäe] überlassen. Also ist der Spanier der Gewinner des
Jahres? Nein, doch Sinner, denn die Revanche in Wimbledon gelang ihm
eindrucksvoll. René Hamann
## Was war das größte sportliche Ärgernis des Jahres?
Für mich persönlich sicherlich das Endergebnis der Frauenfußball-EM.
Nachdem das spanische Team sich durch das Turnier gezaubert hat, verliert
es dann ausgerechnet im Elfmeterschießen gegen die Engländerinnen. Aber,
Schwamm drüber! Bei der [10][Nations League] konnten die Spanierinnen
wieder zeigen, was sie draufhaben. War also nur ein temporäres Ärgernis.
Den viel bittereren Nachgeschmack hat hingegen die [11][Selbstehrung Donald
Trumps] bei der Auslosung zur Fußball-WM hinterlassen, initiiert durch
seinen Sidekick Gianni Infantino. Auf Letzteren ist, wenn es um Schleimerei
und Korruption geht, schließlich Verlass. Denn nachdem der US-Präsident –
seiner eigenen Meinung nach ungerechterweise – weder den Friedensnobelpreis
bekommen hat, noch vom Time Magazine zur „Person of the Year“ gekürt worden
ist – ja, nicht einmal das People Magazine ihn zum „Sexiest Man Alive“
auserwählt hat –, ist er dann doch noch dieses Jahr zu seinem Friedenspreis
gekommen. Kumpel Infantino hat dafür einfach den Fifa-Friedenspreis
geschaffen. Ein Klotz aus goldenen Zombie-Hände, die sich verzweifelt nach
oben Richtung Weltkugel recken.
Die dazugehörige Medaille hat sich Trump dann auch noch selbst umgehängt.
Kritik gab’s hingegen wenig. Schließlich weiß jeder: Fußball ist klar
unpolitisch. Weise Worte kamen dementsprechend von Julian Nagelsmann, der
Preis könne Trump einen Anreiz bieten, „sich für den Frieden auf der Welt
einzusetzen“. Kein Kommentar. Immerhin: Auf die New Yorker Tennis-Richkids
beim Finale der US Open war dieses Jahr wenigstens Verlass. Sie begleiteten
den dortigen [12][Auftritt Trumps] mit Buhrufen und Pfiffen. Ruth Lang
Fuentes
## Was war das Sportbuch des Jahres?
Vielleicht ist dieses eine Buch nicht das eine Buch des Jahres. Aber in
seinem scheinbar kleinteiligen Thema offenbart sich die Relevanz von allem:
dass nämlich der Sport nicht Anhängsel, sondern gestaltender Teil der
Gesellschaft ist. Viele Menschen lieben ihn, engagieren sich enorm und
sorgen dafür, dass Großes geschieht. Und Großes muss halt nicht immer Gutes
sein. [13][Dieter Vaupel] ist Radsportler, Historiker und durchaus Fan des
[14][Radsports]. Nun hat er die Geschichte der Deutschland-Rundfahrt
rekonstruiert. Die sollte nämlich einerseits einmal, zweimal, sogar dreimal
so etwas wie das deutsche Pendant zur Tour de France sein. Andererseits hat
sie mehrfach gezeigt, dass sie das [15][nicht sein kann].
Von ihren Anfängen 1911 und die Wiederbelebung in den 1920er Jahren über
die massive Aufrüstung des Events von 1937 bis 1939 bis hin zu den immer
wieder unternommenen und stets scheiternden Versuchen, die
Deutschland-Rundfahrt wiederzubeleben. Kurz gesagt: Zur Monstrosität des
NS-Regimes hat der Sport mit seinem Gigantismus, seinen Ausschluss von
„nicht-deutschen“ Menschen, seiner ideologischen Überfrachtung und seiner
Indienstnahme in die Expansionspolitik mehr als nur ein bisschen
beigetragen. Kann man das beweisen? Für den Radsport hat es Dieter Vaupel
getan: „[16][Die Deutschland-Rundfahrt. Geschichte eines Radrennens. 1911
bis 1950]“ (Edition Einwurf 2025, 28 Euro) Martin Krauss
## Wer war die Sportfunktionärin des Jahres?
Was für eine Nachricht Ende des Jahres! Immerhin gut 62 Jahre hat man auf
diese warten müssen. Erstmals seit Einführung der Männerfußball-Bundesliga
übernimmt eine Frau in einem Verein den wichtigsten Posten. [17][Tatjana
Haenni] wird oberste Geschäftsführerin bei RB Leipzig. Der so häufig
geschmähte Konzernklub [18][RB Leipzig] konnte ganz im Sinne seines eigenen
Selbstverständnisses, moderner und beweglicher als alle anderen zu sein,
diese frohe Kunde noch vor Weihnachten verbreiten.
Geschickt getimt an dem Tag, als auch die Frauen-Bundesliga einen autonomen
[19][Ligaverband] ins Leben rief. Wobei die näheren Ausführungen aus dem
RB-Kosmos zu der Postenbesetzung dann doch wieder eine paternalistische und
oberchefige Färbung hatten: „Es war wichtig, jemanden zu finden, der zu uns
passt, der in die Stadt passt, kompatibel ist mit der Geschäftsführung und
mein höchstes Vertrauen genießt.“ Das erklärte ihr künftiger Vorgesetzter
Oliver Mintzlaff, Chef der internationalen Sportsparte bei Red Bull. Anders
als bei anderen Klubs gibt es eben noch eine Hierarchieebene über dem
Verein.
Haenni hat einmal gesagt: „Ich habe nichts gegen Männer, auch nicht im
Frauenfußball …, solange sie sich damit auskennen.“ Schön, dass das nun
offenbar auch mal umgekehrt gilt. Als Geschäftsführerin wird sie allerdings
ebenso für die Fußballerinnen von RB Leipzig verantwortlich sein. Gemessen
an den Möglichkeiten des Vereins wird diese Abteilung bislang erstaunlich
kurz gehalten. Die Einstellung von Haenni darf auch die Fußballerinnen
hoffen lassen. Johannes Kopp
30 Dec 2025
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