# taz.de -- Vegetarismus: Wie die Gestaltung von Speisekarten das Klima beeinflusst
> Eine neue Studie zeigt: Kantinen und Restaurants könnten mit kleinen
> Änderungen auf der Speisekarte den Fleischkonsum ihrer Gäste deutlich
> senken.
(IMG) Bild: Mehr vegetarisch, weniger Fleisch!
In vielen Betrieben ist die Mittagspause streng getaktet. Ankunft Punkt
zwölf, ein kurzer Blick auf das Menü, auswählen, essen, fertig. Das Streben
nach Produktivität schlägt genussvolles Essen.
Für die einen ist dabei klar: Es wird die Currywurst – der „Kraftriegel der
Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion“, wie Ex-Kanzler
Gerhard Schröder sie einst nannte. Wer bekommt da keinen Hunger? Andere
wiederum wissen mittlerweile um die ökologischen und gesundheitlichen
Folgen eines erhöhten Fleischkonsums. Die sind wissenschaftlich gut
dokumentiert und der Fleischkonsum ist langfristig rückläufig, aber immer
noch zu hoch.
## Die Studie
Eine [1][neue Meta-Analyse] im Fachmagazin Journal of Environmental
Psychology hat jetzt untersucht, wie man möglichst viele Menschen davon
überzeugen kann, ihre Essgewohnheiten auf weniger klima- und
gesundheitsschädliche vegetarische Gerichte umzustellen.
Die Wissenschaftler*innen der Universitäten Bozen, Trier und Ljubljana
haben dafür 33 Experimente im Feld, also in verschiedenen realen
Situationen in Kantinen oder Restaurants, miteinander verglichen. Sie
wollten herausfinden, ob Änderungen im gastronomischen Angebot einen
Einfluss auf die Auswahlentscheidungen von Menschen haben.
Theoretische Grundlage lieferte [2][das Konzept des Nudging], des sanften
Anstoßens. Kann ein Wandel der Entscheidungsumgebung – etwa eine veränderte
Informationsdarstellung, Strukturierung des Angebots oder
Entscheidungsunterstützung – also auch das Verhalten ändern?
Um [3][den Fleischkonsum zu senken], sei es demnach besonders nützlich,
vegetarische Angebote zum Standard zu erheben oder die Karte entsprechend
anzuordnen. Diese Änderungen senkten den Fleischkonsum im Schnitt um 54
Prozent (vegetarisch als Standard) beziehungsweise 29 Prozent (Anordnung
auf Karte).
Dagegen führten [4][das Umbenennen von Gerichten], ökologische oder
gesundheitliche Kennzeichnungen oder moralische Hinweise in rund 30 Prozent
der Fälle sogar zum Anstieg des Fleischkonsums. Als mögliche Ursache nennen
die Autor*innen das Gefühl der Bevormundung, das bei wiederholtem
Auftreten Trotzreaktionen auslösen könnte.
So wie eine Currywurst zum Mittag sind die Zahlen aber mit Vorsicht zu
genießen: Die einzelnen Effekte schwanken zwischen den verschiedenen
analysierten Studien.
## Was bringt’s?
In den vergangenen Jahren sei es zum Trend geworden, außer Haus zu essen,
schreiben die Forscher*innen in der Studie. Dieser Markt werde auch in
Zukunft weiter anwachsen. Gerade deswegen ist es aus Klima- und
Gesundheitssicht relevant, was auswärts, ob in der Kantine oder im
Sternerestaurant, so verspeist wird. Und wie wir nun wissen, kommt es dabei
nicht bloß auf den Inhalt der Karte an – sondern auch auf die Gestaltung.
3 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2025.102830
(DIR) [2] /Nudging-anstatt-Bildung-und-Aufklaerung/!5326067
(DIR) [3] /Tote-Tiere-/!6091960
(DIR) [4] /Neue-Namen-fuer-Fleischersatz/!6119206
## AUTOREN
(DIR) Elias Batz
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