# taz.de -- Ukraine-Verhandlungen in Mar-a-Lago: Frieden in weiter Ferne
> Manche „Deals“ sind so schlecht, dass man sie lieber ausschlagen sollte.
> Dazu gehört ein Ukraine-Deal ohne echte Sicherheitsgarantien.
(IMG) Bild: Welche Sicherheiten bekommt die Ukraine? Zerstörte Frontstadt Kostjantyniwka im November 2025
Bei den Ukraine-Verhandlungen heißt das zentrale Wort stets:
„Sicherheitsgarantien“. Sie sollen dafür sorgen, dass Russland nach einem
Frieden oder Waffenstillstand nicht erneut angreift. Doch ausgerechnet beim
Thema „Sicherheitsgarantien“ gab es keine Fortschritte, als sich der
[1][ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump
in Mar-a-Lago] trafen. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.
Denn ohne langfristige Sicherheitsgarantien ist jeder Frieden in der
Ukraine sinnlos – schon aus ökonomischen Gründen. Man stelle sich vor, dass
die Waffen in der Ukraine schweigen und zugleich klar ist, dass Putin das
Land bald wieder attackieren könnte. Dann würde niemand in der Ukraine
investieren – die Ukrainer genauso wenig wie der Westen. Denn das Geld wäre
ja futsch, falls ein neuer Krieg ausbricht. Also würde die Ukraine nicht
wieder aufgebaut, hätte keine Perspektiven. [2][Viele junge Ukrainer würden
ihre verarmte Heimat verlassen], um diesem Elend und der dauernden Gefahr
zu entkommen. Falls Putin dann angreift, gäbe es fast niemanden mehr, der
die Ukraine noch verteidigen könnte. [3][Putin hätte den Krieg gewonnen,
ohne dass er überhaupt Soldaten schicken] muss.
Trump scheint diese ökonomischen Mechanismen nicht zu verstehen – Putin
schon. Er verwahrt sich vehement gegen Sicherheitsgarantien für die
Ukraine. Militärisch will er sich damit alle Optionen offenhalten, aber
zugleich auch erreichen, dass kaum investiert wird, sodass das Nachbarland
zerstört und rückständig bleibt. Die Ukraine soll zur leichten Beute
werden.
Auch für die Europäer wäre diese ökonomische Eigendynamik gefährlich: Ohne
knallharte Sicherheitsgarantien wäre klar, dass die russische Armee
irgendwann an Polens Ostgrenze steht. Um sich gegen diese Bedrohung zu
verteidigen, müsste Europa enorm aufrüsten – was sehr teuer würde.
Manche „Deals“ sind so schlecht, dass man sie lieber ausschlagen sollte.
Dazu gehört ein Ukraine-Deal ohne echte Sicherheitsgarantien. [4][Das wäre
kein Frieden,] sondern ein zerstörerisches Warten auf den nächsten Krieg.
So bitter es ist: Für die Ukraine und Europa ist es momentan die beste
Option, den jetzigen Krieg fortzusetzen – statt wehrlos auf die nächste
Runde zu warten. Zumindest ökonomisch ist das kein Problem.
Europa ist reich genug, um Schulden aufzunehmen und Kyjiw zu unterstützen.
Das Verhandlungsgeschehen in Mar-a-Lago und an diversen Telefonen mag
verwirrend wirken. Aber eigentlich ist es übersichtlich: Erst wenn die
Ukraine bei dem Wort „Sicherheitsgarantie“ zufrieden nickt, kann dieser
Krieg vorbei sein.
29 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Ulrike Herrmann
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