# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Angriffe gehen auch im Neuen Jahr weiter
> Russland und die Ukraine setzen den Drohnenkrieg auch in der
> Neujahrsnacht fort. Und laut CIA gab es keinen Drohnen-Angriff Kyjiws auf
> Putins Residenz.
(IMG) Bild: Angeblich abgeschossene Drohne, angeblich aus der Ukraine auf Putins Residenz gerichtet – CIA widerspricht, 31. Dezember 2025
## Angriffe auch in der Neujahrsnacht
Die Ukraine hat in ihrem Abwehrkampf auch in der Neujahrsnacht russische
Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau
wurde nach Informationen russischer Telegramkanäle ein Tanklager getroffen.
Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Auch die Raffinerie von Ilski in
Südrussland wurde Berichten zufolge zum wiederholten Mal attackiert.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es seien über
Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden. Solche
Militärzahlen sind nicht überprüfbar. Die genannte hohe Zahl lässt aber auf
einen intensiven Angriff schließen, was sich mit Angaben ukrainischer
Militärbeobachter deckt.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete nach Mitternacht
immer wieder von Drohnen, die im Anflug auf die russische Hauptstadt
abgefangen worden seien. Zu Schäden wurde nichts mitgeteilt. Das
Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis zum Abend seien Dutzende
ukrainische Drohnen abgeschossen worden.
In Kyjiw wurde kurz vor dem Jahreswechsel Luftalarm wegen anfliegender
Drohnenschwärme ausgelöst. Im südlichen Odessa wurden Medienberichten
zufolge erneut Energieanlagen getroffen.
Die ukrainische Luftwaffe in Kyjiw meldete, Russland habe in der Nacht mit
205 Kampfdrohnen angegriffen. 176 Flugobjekte seien abgefangen worden.
Trotzdem seien Einschläge an 24 Orten verzeichnet worden. Betroffen war
nach regionalen Angaben unter anderem das Gebiet Wolyn im Nordwesten der
Ukraine. (dpa)
## Laut CIA kein Angriff Kyjiws auf Putins Residenz
Der US-Geheimdienst CIA hat Medienberichten zufolge die Erkenntnis erlangt,
dass die Ukraine weder den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier
genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das
„Wall Street Journal“ sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf
namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht
der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag.
Zunächst hatte auch Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit Putin
die Ukraine wegen des angeblichen Angriffs kritisiert.
Unterdessen begrüßten Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr
Selenskyj das neue Jahr mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an die
Zukunft. Die Kämpfe an der Front sowie gegenseitige Drohnenangriffe gingen
auch in der Neujahrsnacht weiter. (dpa)
## Russland legt angebliche Beweise für ukrainischen Angriff vor
Kyjiw hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben.
Die Ukraine sah in Moskaus Behauptung einen russischen Vorwand, den Krieg
trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen
und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.
Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den
Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der
ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von gefälschten Karten und
Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland
geschilderte Angriff so stattgefunden hat.
Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der
umstrittene ukrainische Drohnenangriff habe einem militärischen Ziel in
derselben Region wie Putins Residenz gegolten – allerdings nicht in der
Nähe des Anwesens. Dies werde auch von einer Analyse der CIA belegt, hieß
es.
Die Sender PBS und CNN berichteten, Trump sei am Mittwoch von CIA-Chef John
Ratcliffe über die Erkenntnisse des Geheimdienstes unterrichtet worden. Am
selben Tag (Ortszeit) teilte der US-Präsident dann überraschend einen sehr
russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social. Das
Boulevardblatt „New York Post“ befasst sich in dem Kommentar mit „Putins
„Angriffs-„Getöse“ und bezeichnet den Kremlchef als die eigentliche Hürde
auf dem Weg zum Frieden.
Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei „mehr als
gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen
sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland
keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres
Vorgehen nötig sei.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag von einem versuchten
„Terroranschlag“ gesprochen. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit
größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Putins
außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, sagte später, der Kremlchef habe
Trump telefonisch über einen versuchten ukrainischen Drohnenangriff gegen
seine Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod informiert. Der Kreml hoffe
auf Verständnis der USA, dass Russland nun seine Position bei den
Verhandlungen überdenke.
Laut russischen Medien handelt es sich bei dem behaupteten Angriffsziel um
Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St.
Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie
verbringen. Sein Privatleben aber hütet der Kreml wie ein Staatsgeheimnis.
[1][Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig
größten Landes der Erde verschiedene Residenzen zur Verfügung]. (dpa)
## Finnland beschlagnahmt Frachter nach Kabelschaden in Ostsee
Finnland hat in der Ostsee ein aus Russland kommendes Frachtschiff unter
dem Verdacht der Beschädigung von Unterseekabeln beschlagnahmt. Es seien
Ermittlungen wegen schwerer Sabotage aufgenommen worden, teilte die
finnische Polizei am Mittwoch mit. Der Frachter „Fitburg“ habe im
finnischen Meerbusen während der Fahrt seinen Anker am Meeresgrund
schleifen lassen, erklärten Polizei und Grenzschutz. Dabei sei ein Kabel
des finnischen Telekommunikationsunternehmens Elisa beschädigt worden.
Nach Angaben des estnischen Justizministeriums wurde auch ein
Unterseekabel des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Arelion
beschädigt.
Das Schiff war Angaben des Datenanbieters MarineTraffic auf dem Weg von
St. Petersburg in Russland nach Haifa in Israel und fuhr der finnischen
Polizei zufolge unter der Flagge des Karibikstaates St. Vincent und die
Grenadinen. Bei den 14 Besatzungsmitgliedern handle es sich um Russen,
Georgier, Kasachen und Aserbaischaner. Sie würden von der Polizei
festgehalten.
Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte, er beobachte die
Situation. Finnland sei auf sicherheitsrelevante Vorfälle vorbereitet und
reagiere, wenn es nöitg sei. Der estnische Präsident Alar Karis erklärte,
er sei besorgt über die gemeldeten Schäden und setze darauf, dass eine
Untersuchung Klarheit bringen werden. Die Nato teilte mit, ihr
Marinekommando im britischen Northwood stehe im Austausch mit en finnischen
Behörden. EU-Technologie-Kommissarin Henna Virkkunen erklärte, die
EU-Kommission beobachte die Lage.
Seit dem Großangriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 [2][waren
in der Ostsee wiederholt Strom- und Telekommunikationsleitungen sowie
Gaspipelines beschädigt worden]. Als Ursache hatten mehrere Ostseestaaten
in mehreren Fällen aus Russland kommende Schiffe identifiziert, die während
der Fahrt ihren Anker über den Meeresboden schleifen ließen.
Ostsee-Anrainer sind neben Russland die Nato-Staaten Finnland, Schweden,
Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Die Nato hat
ihre Präsenz im Ostseeraum zu Wasser und in der Luft in den vergangenen
Jahren verstärkt. (rtr)
## Trump teilt russlandkritischen Artikel auf Truth Social
Inmitten der Verhandlungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs hat US-Präsident
Donald Trump überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner
Plattform Truth Social geteilt. Das Boulevardblatt „New York Post“ stellt
in dem Stück Kremlchef Wladimir Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum
Frieden dar und geht hart mit ihm ins Gericht.
Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei „mehr als
gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen
sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland
keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres
Vorgehen nötig sei. Kiew habe seinen Teil beigetragen – nun liege es an
Putin, zu handeln.
Trump verbreitet regelmäßig Artikel von Medien, die ihm nahestehen. In
manchen Fällen kommentiert der Präsident die Texte – dies war beim
vorliegenden Stück nicht der Fall. In der Vergangenheit war Trump immer
wieder eine gewisse Russlandnähe vorgeworfen worden, unter anderem, weil er
zeitweise kremlnahe Positionen übernommen hatte. (dpa)
## Selenskyj glaubt an Frieden, Putin an den Sieg
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hob in seiner
Neujahrsbotschaft seinen Glauben an den Frieden hervor. Das auslaufende
Jahr sei geprägt gewesen „von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien
und der täglichen Arbeit der Ukrainer“, teilte er auf Facebook und der
Plattform X mit.
Man gehe nun gemeinsam weiter „mit dem, was uns zusammenhält: Erfahrung und
Erinnerung, unsere Muttersprache, Hoffnung und Glaube.“ Er erklärte:
„[3][Wir glauben an den Frieden], kämpfen dafür und arbeiten dafür.“
Der russische Machthaber Wladimir Putin gab sich in seiner
Neujahrsansprache hingegen siegessicher. „Ich gratuliere unseren Kämpfern
und Kommandeuren zum beginnenden Neuen Jahr! Wir glauben an sie und an
unseren Sieg“, sagte Putin laut einem von Staatsmedien veröffentlichten
Text der aufgezeichneten Videoansprache.
Die russischen Soldaten, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft,
bezeichnete Putin erneut als „Helden“. Von den Verhandlungen mit den USA
über eine Beendigung des Krieges oder der Hoffnung auch vieler Russen auf
Frieden war keine Rede in der Botschaft.
Mit dem neuen Jahr erhöhte Russland die Mehrwertsteuer, um den Krieg
finanzieren zu können. Ab heute greift die jüngst beschlossene Erhöhung der
Steuer von 20 auf 22 Prozent. (dpa)
## Witkoff bespricht mit Europäern nächste Schritte
Nächste Schritte auf dem Weg zu einem Ende des Ukraine-Krieges besprach
nach eigenen Angaben der US-Sondergesandte Steve Witkoff mit dem
außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter
Sautter, und anderen Vertretern Europas. Dabei sei es unter anderem um eine
Stärkung von Sicherheitsgarantien und die Entwicklung „effektiver
Deeskalationsmechanismen“ gegangen, schrieb Witkoff auf X. Das Telefonat
bezeichnete er – wie auch schon frühere Begegnungen – als „produktiv“.
(dpa)
1 Jan 2026
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