# taz.de -- Wer das Geld hat, hat das Recht: Osman, der Kennedy-Attentäter
> Unser Autor erlebt, wie einem vor Gericht das Wort im Munde verdreht
> werden kann, wenn man keinen Anwalt hat.
(IMG) Bild: Blickt auch schon nicht mehr durch: Justitia
Ich komme nach Hause und lache mich kaputt. Ich erwische einen Dieb auf
frischer Tat! Der Arme! Hier ist doch nichts zu holen. Trotzdem rufe ich
die Polizei. Nur so aus Prinzip.
„Wir sehen uns im Gericht“, droht er mir, während er ins Polizeiauto
verfrachtet wird.
„Eigentlich muss ich das sagen. Du bist doch der Dieb“, sage ich.
„Du Idiot“, lacht er mich aus. „Das war heute mein zehnter Einbruch. Und
der 47. in diesem Monat. Ich kann mir die teuersten Staranwälte leisten,
bei denen bekommt so ein armer Schlucker wie du nicht mal einen Termin.“
## Meine Frau ist mit dem Einbrecher einer Meinung
Nach diesem Einbruch ist er über meine finanziellen Verhältnisse natürlich
genau im Bilde.
„Osman, musst du denn unbedingt die Polizei anrufen und Anzeige erstatten?
Der würde sowieso nie wieder bei uns einbrechen, selbst wenn du ihn dazu
einlädst“, ist meine Frau mit dem Einbrecher einer Meinung.
„Eminanim, wir sind doch die Guten. Wenn die Guten schweigen, gewinnen die
Bösen“, verteidige ich mich.
„Ich wollte eine neue Waschmaschine. Jetzt müssen wir mit dem Geld einen
Rechtsanwalt bezahlen“, zischt sie vorwurfsvoll.
„Nein. Einen Rechtsanwalt brauchen wir nicht. Ich habe den Dieb auf
frischer Tat erwischt. Mehr im Recht kann man nicht sein. In Amerika hätte
ich den Kerl sogar erschießen dürfen.“
## Wir kaufen eine Waschmaschine, er drei Anwälte
Am ersten Prozesstag kaufen wir eine neue Waschmaschine, der Dieb kauft
drei Rechtsanwälte.
„Herr Engin, stimmt es, dass Sie vier Jahre beim [1][IS in Syrien] waren?“,
fragt mich einer dieser drei teuren Rechtsanwälte völlig unvermittelt.
„Nein, das stimmt nicht“, antworte ich selbstbewusst. Das sollen gute
Anwälte sein? Die wissen ja nicht mal, worum es heute geht, freue ich mich.
„Wie viele Jahre waren Sie denn beim IS in Syrien?“, fragt er.
„Ich sagte doch: Überhaupt nicht.“
„Warum nicht?“
„Wieso, warum nicht?“, stottere ich verwirrt.
„Osman, ich hatte dich gewarnt“, zischt Eminanim.
„Weshalb waren Sie beim IS, obwohl Ihre Frau Sie gewarnt hatte?“
„Sie hatte mich doch nicht deshalb gewarnt.“
„Nicht? Ihre Frau war also damit auch einverstanden! Eure Ehren, keine
weiteren Fragen.“
„Also, ich habe diesen Mann bei mir zu Hause auf frischer Tat erwischt“,
rufe ich laut, um Eminanims Schluchzen zu übertönen – sie hat inzwischen
angefangen, laut zu heulen.
„Sie geben also zu, meinen Mandanten zu kennen?“, brüllt der Rechtsanwalt
noch lauter.
„Klar kenne ich ihn. Er hat doch bei mir eingebrochen.“
„Nein – Sie kennen ihn aus Köln!“
„Seit wann wohne ich denn in Köln? Ich war noch nie Köln!“, brülle ich.
„Doch, in der unsäglichen [2][Silvesternacht 2016] waren Sie schon in Köln,
als seine Freundin und noch Hunderte andere deutsche Frauen von Tausenden
Ausländern belästigt wurden.“
„Das ist nicht wahr!“, brülle ich noch lauter.
„Leugnen ist zwecklos! Die Zeitungen und Polizeiprotokolle sind voll
davon“, ruft er energisch und knallt mehrere Stapel Zeitungen auf den
Tisch.
„Ich meine, dort habe ich ihn nicht gesehen“, antworte ich.
„Wie denn auch? Sie hatten ja dort nur Augen für die jungen Frauen!“
„Osman, ich hatte dich gewarnt, verdammt“, jammert meine Frau.
„Wovor hatte Ihre Frau Sie gewarnt, Herr Engin?“, fragt diesmal der
Richter.
„Osman, sag bloß kein Wort mehr! Ich bin gleich wieder da. Ich tausche nur
schnell unsere neue Waschmaschine gegen einen alten Rechtsanwalt ein, bevor
sie dir noch den [3][Kennedy-Mord] anhängen.“
15 Feb 2026
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## AUTOREN
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