# taz.de -- Widerstandsfähig gegen Trump: Neue Zölle machen Weltwirtschaft weniger aus als erwartet
       
       > Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
       > (OECD) prognostiziert ein leichtes Wachstum im kommenden Jahr – trotz
       > zahlreicher US-Zölle.
       
 (IMG) Bild: Die Weltwirtschaft zeigt sich in diesem Jahr widerstandsfähig
       
       afp | Die wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Zölle und der politischen
       Instabilität sind geringer ausgefallen als erwartet. Die Organisation für
       wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigte ihre
       Prognose von 3,2 Prozent für das globale [1][Wachstum im laufenden Jahr].
       „Die Weltwirtschaft war in diesem Jahr widerstandsfähig, trotz der
       befürchteten Verlangsamung mit Blick auf zunehmende Handelshemmnisse und
       erheblicher politischer Unsicherheit“, heißt es [2][in dem am Dienstag in
       Paris vorgestellten OCED-Bericht]. Im kommenden Jahr gehen die Experten von
       einem Wachstum der Weltwirtschaft um 2,9 Prozent aus. Erst 2027 wird ein
       Anstieg auf 3,1 Prozent erwartet.
       
       ## Energiepreise belasten Deutschland
       
       Deutschland verzeichnet nach dem OECD-Bericht 2025 nur ein bescheidenes,
       unverändertes Wachstum von 0,3 Prozent. Dieses soll 2026 auf ein Prozent
       ansteigen. Die [3][deutsche Wirtschaft] werde durch eine schwache
       Auslandsnachfrage und die hohe Unsicherheit belastet, heißt es in dem
       Bericht. Da die Energiepreise noch immer höher sind als vor dem Beginn des
       Ukraine-Kriegs seien, die energieintensiven Branchen besonders betroffen.
       
       Die Exporte aus Deutschland würden ihrerseits durch zunehmenden
       Handelsprotektionismus und steigende Konkurrenz aus China belastet.
       Öffentliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur dürften
       allmählich zunehmen, von 3,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in 2025
       auf 3,5 Prozent in 2027. vDie OECD plädiert dafür, die öffentliche
       Auftragsvergabe in Deutschland zu vereinfachen und zu vereinheitlichen.
       Zudem müsse die öffentliche Verwaltung schneller digitalisiert werden.
       
       ## Handelsabkommen wirken
       
       Als Gründe für die Widerstandskraft der Weltwirtschaft wird unter anderem
       die Vorbereitung auf die US-Zölle genannt: Die Ankündigungen von
       US-Präsident Donald Trump hatten zunächst für steigende Importe in die USA
       gesorgt. Dies habe sich inzwischen wieder abgeschwächt. Für die USA rechnet
       die OECD mit einem Wachstum von zwei Prozent im laufenden Jahr und 1,7
       Prozent in 2026. Das sind jeweils 0,2 Punkte mehr als in der vorigen
       Prognose.
       
       Durch die [4][zahlreichen Handelsabkommen], die die USA mittlerweile
       unterzeichnet haben, habe der effektive Zollsatz auf Importe Ende November
       bei 14 Prozent gelegen. Im Juni seien es noch 15,4 Prozent gewesen. In der
       Eurozone wird für 2025 ein Wachstum von 1,3 Prozent erwartet, ein Anstieg
       um 0,1 Punkte. 2026 wird mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet.
       
       ## Ausblick fragil
       
       Der Ausblick sei jedoch fragil, betonen die Experten. Eine weitere Zunahme
       der Handelsbarrieren, insbesondere bei kritischen Produkten wie etwa
       seltenen Erden, könnte der der globalen Produktion erheblichen Schaden
       zufügen. Der KI-Branche drohen nach Einschätzung der Experten abrupte
       Wertverluste, da optimistische Erwartungen zu sehr hohen
       Vermögensbewertungen geführt hätten. Ein weiteres Risiko bestehe in
       „fiskalischen Schwachstellen“, die zu einem Anstieg der Renditen für
       Staatsanleihen führen könnten.
       
       Angesichts des verstärkten Protektionismus und der politischen Unsicherheit
       plädiert die OECD für die Umsetzung „ehrgeiziger Strukturreformen“, um das
       Wachstum zu unterstützen. Dazu zählten insbesondere Maßnahmen, die
       Innovation und Produktivität fördern. „Ein konstruktiver Dialog zwischen
       Ländern ist entscheidend, um eine dauerhafte Lösung für Handelskonflikte zu
       gewährleisten und die wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern“, heißt es
       in dem Bericht. Gut funktionierende, offene globale Märkte bedeuteten
       bessere Lebensstandards und stärkeres Wachstum.
       
       Die OECD mit Sitz in Paris berät die Industrieländer in
       wirtschaftspolitischen Fragen und veröffentlicht regelmäßig Prognosen zur
       Weltwirtschaft.
       
       2 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Weltwirtschaft-waechst-2025-staerker-als-erwartet/!6120700
 (DIR) [2] https://www.oecd.org/en/publications/oecd-economic-outlook-volume-2025-issue-2_9f653ca1-en.html
 (DIR) [3] /Deutsche-Wirtschaft-waechst-seit-sechs-Jahren-nicht/!6125579
 (DIR) [4] /USA-China/!6124261
       
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