# taz.de -- „Die Familienunternehmer“ und die AfD: Zurückrudern alleine reicht nicht aus
       
       > Der Verband der Familienunternehmer will doch nicht mit der AfD reden.
       > Will er wirklich antirechts sein, sollte er sich für Umverteilung
       > einsetzen.
       
 (IMG) Bild: Hat zurückgerudert: Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbandes der Familienunternehmer
       
       Jetzt bereut es der Lobbyverband [1][die Familienunternehmer] angeblich,
       die AfD eingeladen zu haben. Man habe die rechtsextreme Partei gar nicht
       stärken, sondern ihr zeigen wollen, dass ihr Programm wirtschaftsfeindlich
       sei und dem Standort schade. Nur leider ist das Kind jetzt schon in den
       Brunnen gefallen, die Brandmauer eben eingerissen und schwer wieder
       aufzubauen.
       
       Auch wenn es erstmal gut ist, dass der Verband wieder zurückrudert, Von
       alleine kam er nicht drauf. Es gab vor allem auch heftige Kritik aus den
       eigenen Reihen. Namhafte Unternehmen wie der [2][Drogeriemarktkette
       Rossmann] teilten öffentlich mit, nicht mehr Teil des Lobbyverbandes sein
       zu wollen, andere dementierten extra, Mitglied zu sein. Bis auf wenige
       Ausnahmen wollte fast niemand mehr mit dem Verband in Kontakt gebracht
       werden. Das tut natürlich weh.
       
       Insofern ist fraglich, wie ernst gemeint der Rückzieher nun ist. Sieht
       Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann wirklich ein, dass sie einen
       Fehler gemacht hat, erfolgt ihre Kehrtwende aus rein taktischen Motiven?
       Hat sie sich innerlich gar schon längst mit der AfD arrangiert?
       
       Bei einer Sache hat die Lobbyistin recht: Bei Umfragewerte von rund 26
       Prozent muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob es nicht tatsächlich
       eine andere Politik gegen die AfD braucht. Doch ist es eine Politik, die im
       Gegensatz zu dem steht, was der Verein und andere Wirtschaftsverbände
       verfolgen: Sie pushen derzeit massiv neoliberale Reformen, Deregulierung,
       Steuersenkungen und Sozialabbau im Namen des Wirtschaftswachstums. Es ist
       eine Wirtschaftspolitik, die sozial spaltet.
       
       Dass solche Maßnahmen rechte Kräfte stärken, ist zur Genüge bewiesen. Will
       die Wirtschaftslobby des Landes tatsächlich die Rechtsextremen aufhalten,
       dann muss sie sich also fragen, was ihr Weltoffenheit und Demokratie
       wirklich wert sind. Sie muss für eine Wirtschaftspolitik gegen ihre
       Interessen sein. Es braucht nicht weniger, sondern [3][mehr Umverteilung],
       um den sozialen Frieden und die Demokratie zu retten.
       
       1 Dec 2025
       
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