# taz.de -- Essenslieferanten in Italien: Deliveroo ausgeliefert
       
       > Ein Mailänder Staatsanwalt sagt der Ausbeutung von Ridern bei
       > Essenslieferanten den Kampf an. Zwei große Unternehmen stehen nun unter
       > Justizaufsicht.
       
 (IMG) Bild: Müssen auch im Dunkeln ran: Für Fahrer*innen bei Deliveroo sind die Arbeitsbedingungen oft prekär
       
       12 Stunden Arbeit, [1][bei strömendem Regen] im Winter, bei unerträglicher
       Hitze im Sommer, und am Ende gerade einmal 50 Euro brutto in der Tasche:
       Das sind die Arbeitsbedingungen der Rider, die in Mailand, Rom oder Florenz
       Pizza, Sushi oder Poke an die Haustür der werten Kund*innen liefern.
       
       Der Mailänder Staatsanwalt Paolo Storari will jetzt gegen solche Formen
       extremer Ausbeutung vorgehen. Am Mittwoch ordnete er an, dass der
       Essenlieferant Deliveroo unter „justizielle Aufsicht“ gestellt wird.
       Sprich: Ein von der Justiz bestellter Kommissarischer Verwalter tritt an
       die Seite der Firmenspitze, um endlich für korrekte Vertragsverhältnisse
       gegenüber den Ridern zu sorgen.
       
       So eine Anordnung hatte Storari zuvor schon für den Branchenriesen Glovo
       erlassen, der zum deutschen Konzern Delivery Hero gehört. Für Glovo sind
       nach Schätzung der Staatsanwaltschaft in Italien rund 40.000 Rider
       unterwegs, für Deliveroo 20.000.
       
       All diese [2][Fahrer*innen, die da auf Fahrrädern, E-Bikes oder
       Motorrollern] unterwegs sind, sind angeblich „selbständig“. Sie werden nur
       für erledigte Aufträge bezahlt, ohne Urlaubsansprüche, ohne Schutz bei
       Krankheit oder Arbeitsunfällen. Viele arbeiten sechs oder gar sieben Tage
       die Woche, viele kommen auf 12 Stunden am Tag, und am Monatsende bleiben
       oft bloß 1.000 Euro netto.
       
       ## Deliveroo und Glovo: Verstöße gegen die Verfassung
       
       Doch von Selbständigkeit kann nach Auffassung des Staatsanwalts Storari
       keine Rede sein. Denn alle Rider unterliegen der Diktatur des Glovo- oder
       Deliveroo-Algorithmus, der ihnen die Aufträge zuweist oder auch nicht, zum
       Beispiel wenn sie vorher einen anderen Auftrag abgelehnt haben. Storari
       wirft jetzt den beiden Firmen vor, sie verstießen zuerst gegen den Artikel
       36 der italienischen Verfassung, der eine „ausreichende Bezahlung“
       vorschreibt, die „eine freie und würdevolle Existenz“ gewährleisten müsse.
       
       Außerdem sieht Storari den Straftatbestand der Anwerbung zur Arbeit „unter
       Ausbeutungsbedingungen, die die Notlage der Beschäftigten ausnutzt“
       erfüllt. Auf den steht eine Freiheitsstrafe von fünf bis zu acht Jahren und
       eine Geldstrafe von 1.000 Euro pro Beschäftigtem. Er ermittelt deshalb
       gegen die Italien-Chefs von Deliveroo und Glovo.
       
       Die auf Antrag der Staatsanwaltschaft angeordnete „justizielle Aufsicht“
       soll jetzt schnellstmöglich die Missstände beseitigen, für faire
       Arbeitsbedingungen sorgen und der Ausbeutung der Rider ein Ende setzen.
       Über 90 Prozent der Rider sind Männer, das Gros von ihnen hat
       Migrationsgeschichte. Allein 25 Prozent von ihnen stammen nach einer
       Erhebung der für prekär Beschäftigte zuständigen Gewerkschaft NIDIL aus
       Pakistan. Mit ihrem schmalen Lohn versorgen sie oft genug ihre Familien in
       den Heimatländern.
       
       Dass es auch anders geht, zeigt der Essensauslieferer Just Eat. Er hat
       seine Fahrer*innen schon im Jahr 2022 angestellt, inklusive
       Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
       
       Anders als die Justiz hält sich die Rechtsregierung unter Giorgia Meloni
       völlig bedeckt – und [3][verweigert beharrlich die Einführung eines
       gesetzlichen Mindestlohns]. Und wie es jetzt scheint, hat sie auch
       angesichts der Verfahren gegen Glovo und Deliveroo nicht vor, ihren Kurs zu
       ändern.
       
       26 Feb 2026
       
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