# taz.de -- Preis für Engagement gegen Neonazis: Spremberg hält dagegen – und bekommt Auszeichnung
       
       > Bürgermeisterin Christine Herntier und zwei Initiativen aus Spremberg
       > erhalten einen Zivilcourage-Preis. Sie engagieren sich gegen
       > Rechtsextremismus.
       
 (IMG) Bild: Demo von „Unteilbar Spremberg“ gegen einen Neonazi-Aufmarsch im Sommer 2025
       
       Für ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus erhalten Sprembergs
       Bürgermeisterin Christine Herntier sowie die Initiativen „Unteilbar
       Spremberg“ und „AG Spurensuche“ einen Preis für Zivilcourage. Die mit 2.000
       Euro dotierte Auszeichnung verleiht der Förderkreis Denkmal für die
       ermordeten Juden Europas am Montagabend im Hotel Adlon in Berlin-Mitte.
       
       „Das unermüdliche [1][Engagement der Preisträgerinnen] für ein
       demokratisches, friedliches und solidarisches Zusammenleben in der Stadt
       Spremberg sowie ihr kontinuierlicher und entschlossener Einsatz gegen die
       vielen rechtsradikalen und antisemitischen Attacken ist der Würdigung durch
       den Preis für Zivilcourage unbedingt wert“, sagt Lea Rosh, Vorsitzende des
       Förderkreises. Herntier und die beiden Initiativen stärkten „seit Jahren
       den bürgerschaftlichen Zusammenhalt in der Spremberger Stadtgesellschaft“,
       heißt es weiter.
       
       Christine Herntier, seit 2014 parteilose Bürgermeisterin der
       22.000-Einwohner-Stadt im Süden Brandenburgs, hatte im Sommer im Amtsblatt
       der Gemeinde [2][ein massives Problem mit Rechtsextremismus in der Stadt]
       beklagt. Darin schrieb sie von einer „Flut von Schmierereien,
       verfassungsfeindlichen Symbolen und Verherrlichung von Adolf Hitler“ im
       Stadtbild und berichtete, dass Lehrer und Schüler ihr „voller Wut und
       Angst“ Dinge erzählten, die sie nicht für möglich gehalten hätte.
       „Wirklich, es ist zu einer Bedrohung geworden. Wir reden nicht darüber! Das
       ist doch schlimm!“
       
       Herntier erhielt bundesweite Aufmerksamkeit für ihren Weckruf – und wurde
       heftig angefeindet: Sie sei eine „Nestbeschmutzerin“ und gefährde den
       Strukturwandel in der Stadt, hieß es etwa in rechtsoffenen Telegram-Kanälen
       sowie von der AfD. In der Stadtverordnetenversammlung drohte die AfD zudem
       mit einem Abwahlantrag. Dabei hatte die Bürgermeisterin die Partei in ihrem
       Schreiben gar nicht erwähnt, ihre Vertreter*innen fühlten sich aber
       offenbar trotzdem angesprochen.
       
       Zugleich gab es viel Zuspruch. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar
       Woidke (SPD) [3][stellte sich hinter Herntier]. Innenminister René Wilke
       (ebenfalls SPD) besuchte Spremberg gemeinsam mit Mitarbeiter*innen des
       Landesamts für Verfassungsschutz. Auch der Oberbürgermeister von Bautzen
       Karsten Vogt (CDU) zollte Herntiers „mutigem Schritt“ Respekt.
       
       Für das Bündnis [4][Unteilbar Spremberg], das am Montag gemeinsam mit
       Herntier und der Stolperstein-Initiative „[5][AG Spurensuche]“
       ausgezeichnet wird, war der Weckruf der Bürgermeisterin „ein Schritt in die
       richtige Richtung“: „Der hohe Wert war, das Problem öffentlich zu
       benennen“, sagt Sprecherin Bianca Broda am Montag zur taz. „Es gibt eine
       klare, eindeutige Position in der Stadt, die die Bürgermeisterin vertritt.
       Jetzt gilt es, ins Gespräch zu kommen.“
       
       Spürbar geändert habe sich vor allem eines, berichtet Broda: Es seien
       weniger rechte Sticker und Schmierereien in der Stadt zu sehen: „Vor allem
       junge Menschen schließen sich zusammen und entfernen die Aufkleber.“ Zudem
       gebe es eine höhere Sensibilität in der Schule für Rechtsextremismus. „Es
       ist kein Tabuthema mehr. Es gibt noch nicht für alles eine Lösung, aber es
       wird darüber gesprochen und das ist wichtig“, so Broda.
       
       Gleichwohl, betont Bianca Broda, sei das Problem mit Rechtsextremismus und
       insbesondere [6][jugendlichen Neonazis] natürlich nicht verschwunden. „Wir
       wünschen uns von der Stadt eine Verstetigung des Engagements gegen rechts.
       Es braucht einen Zeitplan und Monitoring.“ Die Jugendlichen müssten im
       Fokus bleiben.
       
       Über den Preis für Zivilcourage freue man sich bei der Initiative. „Klar,
       das ist eine Anerkennung für unsere Arbeit und macht uns stolz. Aber wir
       sind nicht die einzigen Aktiven in der Stadt“, sagt Broda.
       „Rechtsextremismus in Spremberg ist kein neues Problem. Es gibt Personen
       und Gruppen, die seit 30 Jahren oder länger dagegen den Mund aufmachen. Die
       Auszeichnung gilt auch ihnen.“
       
       Den Preis für das Bündnis Unteilbar und die AG Spurensuche werden am Montag
       die Spremberger Pfarrerinnen Elisabeth Schulze und Jette Förster
       entgegennehmen. Beide Initiativen sind bei der evangelischen Kirche
       angesiedelt.
       
       24 Nov 2025
       
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