# taz.de -- Natur, Kunst und Technik verbinden: Es tropft vor sich hin
       
       > Kann eine KI bei der Renaturierung helfen? Im E-Werk Luckenwalde denken
       > Künstler:innen nach über das Verhältnis von Mensch, Natur und
       > Technologie.
       
 (IMG) Bild: Sonya Isupova verfolgt mit Papier und blauer Farbe die Folgen einer Stauddammzerstörung in der Ukraine
       
       Unter der gebogenen Decke des Foyers wächst ein Olivenbaum, Künstler
       hn.lyonga hat ihn in einen großen Haufen terrassierter Erde auf den
       Eingangstreppen der Ausstellung gepflanzt. Die vielen Glühbirnen, die ihm
       von oben entgegenstrahlen, hüllen ihn in warmes Licht. Leise flüsternd
       läuft im Hintergrund Musik. Die Atmosphäre hüllt die Besucher:innen ein
       – eine herzliche Begrüßung in der Ausstellung „Mensch Maschine. Return to
       Earth“. Sie zeigt passenderweise: Am Anfang war die Natur – vor
       Industrialisierung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Ein
       lebender Baum als Metapher für Verwurzelung und Ursprünglichkeit ist an
       diesem Ort unerwartet und ein Vorgeschmack auf die Verknüpfungen, die hier
       entstehen.
       
       Er steht im [1][E-Werk in Luckenwalde], einem 20.000-Einwohner-Städtchen,
       eine Stunde südlich von Berlin. Das ehemalige Braunkohlekraftwerk befindet
       sich am Ortsausgang, in der Nachbarschaft zu einem verlassenen Schwimmbad
       und einem kleinen Dönerladen. Stipendiaten des Programms „Mensch Maschine“
       präsentieren hier in einer Kooperation des E-Werks mit der Akademie der
       Künste Berlin eine große Gruppenausstellung, mitfinanziert von der E.ON
       Stiftung. Die Werke der neun Künstler:innen sind zwischen 2024 und 2025
       im E-Werk und in der Akademie der Künste entstanden.
       
       Hintergründe der Arbeiten sind komplexe Beziehungen zwischen Mensch,
       Technologie und Natur. Es sind vielfältige Ansätze, die die
       Künstler:innen hier verfolgen. Sie beziehen sich auf moderne digitale
       Technologien und eine Welt in der Klimakrise. Von Rückbesinnung auf das
       Natürliche und Spiritualität bis hin zu [2][fantastischen KI-Welten]. Dabei
       geht es nicht nur um das Verteufeln von Technologie, sondern auch um das
       Malen einer Zukunft, in der sie eine positive Rolle spielt.
       
       „Drown their models, keep the instruments“. Diesen Satz generiert
       B.A.R.I.Q., selbst eine KI, entwickelt vom Künstler Assem Hendawi, und
       ermutigt damit, KI nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance zu
       sehen. Gleichzeitig simuliert B.A.R.I.Q. den Wiederaufbau einer Küstenstadt
       mithilfe von KI nach einer Naturkatastrophe und zeichnet dabei utopische
       Bilder, bei denen aus in Trümmern liegenden Ruinen pink florierende
       Pflanzen blühen und Nordlichter am Himmel über dem Meer glühen.
       
       ## Folgen des Ukraine-Krieges
       
       Andere nutzen KI zum Übersetzen, damit Maschinen live übertragen, was
       woanders auf der Welt geschieht. So zeigt die Künstlerin Sonya Isupova
       [3][die ökologischen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine]. Im Juni 2023
       wurde der Kachowka-Staudamm durch eine Explosion zerstört. Die Folge ist
       die Rückeroberung der Landschaft durch den Fluss Dnipro. Isupovas Werk
       überträgt die Live-Daten des Wasserindexes und druckt sie durch eine
       selbstgebaute Kartografiemaschine mit blauer Farbe als eine Karte auf ein
       endlos langes Blatt Papier. An Seilen ist es durch den Raum gespannt, in
       dem noch die alten Dampfkessel des Energiewerks stehen. Das Werk erweitert
       sich stetig, scheinbar endlos summt der Drucker als fortwährende
       Klangkulisse.
       
       Ein paar Räume weiter entsteht etwas ganz anders Aussehendes nach demselben
       Prinzip. Rae Hsu übersetzt Finanzströme in Wasserströme. Nvidia ist ein
       führender Hersteller von Grafikprozessoren, die bei KIs zum Einsatz kommen.
       Die Echtzeit-Schwankungen der Aktie steuern eine Wasserpumpe und dadurch
       die Fließgeschwindigkeit eines aus kleinen Schläuchen bestehenden Brunnens.
       Aktuell tropft es gemäßigt vor sich hin. Es ist ein Sichtbarmachen, denn
       sowohl die elektronischen Rechenzentren für die KI als auch für den
       Finanzmarkt verbrauchen immens viel Kühlwasser.
       
       ## Das Wasser bändigen, das Wasser ausnutzen
       
       Beide Werke zeigen auf innovative Weise, wie verschränkt Technologie und
       Natur sind, wie die eine die andere bändigt oder ausnutzt. Das E-Werk
       Luckenwalde eröffnet einen Raum für Kunst, wo es häufig keinen gibt.
       Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) betonte bei der Eröffnung,
       dass das Projekt eine wichtige kulturelle Bedeutung für die Gegend habe.
       
       Dennoch: „Verstehen Sie das?“, fragt zwischendurch eine Besucherin die
       andere. Die tiefgreifende Bedeutung ist leider nicht uneingeschränkt
       zugänglich. Wer die Ausstellung besucht, muss Geduld mitbringen, um die
       akademischen Texte, die sich hinter den QR-Codes an der Wand verbergen, zu
       lesen, oder sich in einem Zustand leichter Verwirrung über die Hintergründe
       wohl fühlen.
       
       28 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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