# taz.de -- Stichwahl in Bolivien: Der Neue muss die Krise lösen
       
       > Mit der Stichwahl endet eine jahrzehntelange Ära linker Regierungen. Der
       > neue Staatschef Paz Pereira muss das Land einen und die Wirtschaft
       > ankurbeln.
       
 (IMG) Bild: Der neue Präsident von Bolivien: Rodrigo Paz Pereira (PDC)
       
       Bolivien hat gewählt. [1][Der künftige Präsident Rodrigo Paz Pereira,
       Kandidat der Christdemokraten,] steht vor einer schwierigen Aufgabe: Er
       muss die Wirtschaftskrise lösen. Dafür muss er Land und Parlament einen.
       Das ist eine Mammutaufgabe, denn Bolivien ist polarisiert. Der Wahlkampf
       war überaus schmutzig, Kandidaten und Medien haben sich nicht mit Ruhm
       bekleckert.
       
       Faktcheckingportale kamen vor lauter Lügen nicht hinterher. Viele zielten
       darauf ab, Paz Pereira und seine Leute als Movimiento al Socialismo (MAS –
       Bewegung zum Sozialismus) im Schafspelz zu diskreditieren, denn von der
       MAS-Bewegung haben die meisten Bolivianer:innen nach mehr als 20
       Jahren die Nase voll.
       
       Bleibt zu hoffen, dass den versöhnlichen Tönen beider Seiten vom
       Wahlsonntag Taten folgen. [2][Beginnen muss Paz Pereira mit seinem eigenen
       Vizepräsidenten Edman Lara.] Der gefeuerte Polizist hatte den eher
       unbekannten Paz aus dem Nichts nach vorne katapultiert. Lara ist als
       Tiktoker wegen seiner Korruptionskritik beliebt. Diplomatie indes ist nicht
       seine Stärke.
       
       Nach der ersten Wahlrunde hatte er Paz Pereira gedroht, er werde ihn
       absägen, sollte er sich als korrupt erweisen. Die Geheimwaffe „Capitán
       Lara“ könnte sich als Zeitbombe entpuppen. Ausgerechnet er steht künftig
       dem Parlament vor und soll vermitteln. Das war zuletzt komplett blockiert –
       und muss über Parteigrenzen zusammenarbeiten, um die nötigen Gesetze zu
       verabschieden. Im August haben die Bolivianer:innen schon die MAS samt
       restlicher Linke aus dem Senat gewählt. Im Abgeordnetenhaus werden nur zwei
       Abgeordnete der MAS und acht Abgeordnete der Volksallianz sitzen.
       
       Mit der MAS-Partei sind aber die Bedürfnisse ihrer ursprünglichen linken
       Wählerschaft nicht verschwunden. Die indigene, ländliche Bevölkerung ist
       immer noch da, sie will die Errungenschaften vor allem in Sachen
       kultureller Anerkennung nicht mehr zurückgeben – egal wie weiß der neue
       Präsident ist. [3][Der linke Ex-Präsident und frühere MAS-Chef Evo Morales
       hat immer noch die Kraft, seine Stammwählerschaft zu mobilisieren].
       Protestfreudig sind die Bolivianer:innen eh.
       
       Will Pereiras Regierung Erfolg haben, muss er also auch die Straße hinter
       seine Politik bringen und bald erste Erfolge liefern, sonst kommt es wieder
       zu Blockaden.
       
       20 Oct 2025
       
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 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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