# taz.de -- Massendemos in Bolivien: Freifahrtschein fürs Niederknüppeln von Protesten
> Die Proteste in Bolivien gegen den Mitte-rechts-Präsidenten reißen nicht
> ab. Nun erleichtert das Parlament die Vorgaben für den Einsatz der Armee.
(IMG) Bild: Tränengas gegen Demonstranten: Proteste in Boliviens größter Stadt La Paz
afp/taz | Boliviens Präsident Rodrigo Paz Pereira hat freie Hand, um mit
der Armee die anhaltenden Massenproteste niederzuschlagen. Das Parlament
machte jetzt den Weg frei für einen Einsatz der Armee gegen die
Demonstranten. Mit klarer Zweidrittelmehrheit stimmten die Abgeordneten am
Dienstag für die Lockerung eines Gesetzes, das eigentlich strenge Regeln
für die mögliche Verhängung des Ausnahmezustandes in dem südamerikanischen
Land vorsieht. Durch die Lockerung könnte der Staatschef nun zu diesem
Schritt greifen.
Für die Lockerung der Regeln für einen Ausnahmezustand hatte sich zuvor
bereits der Senat ausgesprochen. Damit könnte Präsident Paz Pereira den
Ausnahmezustand verhängen, die Armee gegen die Demonstranten vorgehen
lassen und Bürgerrechte einschränken.
Der vor sechs Monaten ins Amt gekommene Mitte-rechts-Präsident sieht sich
mit anhaltenden Massenprotesten konfrontiert, die durch [1][die schlimmste
Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten] ausgelöst wurden. Die Demonstranten
fordern den Rücktritt von Paz Pereira und die Rücknahme der von ihm
verfügten Maßnahmen zur Liberalisierung der Wirtschaft.
Mit seinem Wahlsieg [2][hatte der konservative Politiker zwei Jahrzehnte
sozialistischer Regierungen in Bolivien beendet], die unter dem indigenen
Politiker Evo Morales begonnen hatten. Die jetzige Regierung wirft Morales
vor, hinter den Massenprotesten zu stehen und die demokratische Ordnung im
Land destabilisieren zu wollen.
Die Jahresinflation in Bolivien erreichte im April 14 Prozent. Staatschef
Paz Pereira hatte nach seinem Amtsantritt im vergangenen November unter
anderem die [3][unter den sozialistischen Regierungen] seit rund zwei
Jahrzehnten bestehenden Treibstoffsubventionen gestrichen, welche die
Dollarreserven des Landes stark belastet hatten.
27 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Stichwahl-in-Bolivien/!6121877
(DIR) [2] /Stichwahl-in-Bolivien/!6121870
(DIR) [3] /Ueber-den-Machtwechsel-in-Bolivien/!6121346
## TAGS
(DIR) Bolivien
(DIR) Massenproteste
(DIR) Ausnahmezustand
(DIR) Evo Morales
(DIR) Bolivien
(DIR) Indigene
(DIR) Bolivien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wegen Korruptionsvorwürfen: Boliviens Ex-Präsident Luis Arce festgenommen
Boliviens früherer Präsident soll in seiner Zeit als Wirtschaftsminister
Gelder veruntreut haben. Das wirft ihm die neue konservative Regierung vor.
(DIR) Stichwahl in Bolivien: Der Neue muss die Krise lösen
Mit der Stichwahl endet eine jahrzehntelange Ära linker Regierungen. Der
neue Staatschef Paz Pereira muss das Land einen und die Wirtschaft
ankurbeln.
(DIR) Stichwahl in Bolivien: Mitte-rechts schlägt Rechtsaußen
Der konservative Christdemokrat Rodrigo Paz gewinnt klar gegen den noch
rechteren Jorge Quiroga, obwohl dieser in den Umfragen vorn lag.