# taz.de -- Erfolgreicher Klimaentscheid in Hamburg: Bürger*innen voraus
       
       > Die Klimakrise eskaliert, die CO2-Emissionen steigen. Der Volksentscheid
       > in Hamburg zeigt, dass die Bürger*innen sich mehr trauen als die
       > Politik.
       
 (IMG) Bild: Unterstützerinnen und Unterstützer der Initiative „Hamburger Zukunftsentscheid“ feiern ihren Erfog, Hamburg, am 12.10.2025
       
       Berlin taz | Im Endspurt zum erfolgreichen Klimaentscheid haben die
       Hamburger*innen noch mal eine eindrückliche Warnung aus ihrer eigenen
       Stadt gehört: „Bereits bis 2050 besteht das Risiko einer Erwärmung um 3
       Grad“, [1][warnten die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und die
       Deutsche Physikalische Gesellschaft Ende September auf dem
       Extremwetterkongress in der Hansestadt].
       
       Drei Grad bedeuten sehr wahrscheinlich ein Klimachaos, eine viel
       unsicherere Erde – [2][und das schon in 25 Jahren]? Dieses extreme
       Worst-Case-Szenario ist zwar wissenschaftlich umstritten. Doch die
       entscheidende Botschaft bleibt: Die Klimakrise schreitet rapide voran.
       
       Dass das Ziel des Pariser Weltklimaabkommens, die Erderhitzung bei noch
       einigermaßen erträglichen 1,5 Grad zu stoppen, eingehalten wird, glaubt so
       gut wie niemand mehr. Schließlich steigen die CO2-Emissionen im globalen
       Schnitt bislang immer noch.
       
       ## Klimaneutralität fünf Jahre früher
       
       Die Hamburger*innen [3][zwingen die Politik nun mit ihrem
       Volksentscheid dazu, beim Klimaschutz Tempo zu machen]. Der Gesetzentwurf
       der Volksinitiative sieht vor, die Klimaneutralität um fünf Jahre auf 2040
       vorzuziehen.
       
       Dass die Bürger*innen sich klimapolitisch mehr trauen als die Politik,
       gab es schon gelegentlich. Zum Beispiel [4][beim Bürgerrat Klima, der 2021
       stattfand]. Organisiert wurde er von einem Verein. Das Gremium bestand aus
       160 Menschen aus dem ganzen Land, die zufällig ausgesucht wurden und in
       Bezug auf Faktoren wie Alter, Bildungsstand und Geschlecht repräsentativ
       für Deutschland waren.
       
       In 12 virtuellen Treffen befassten sie sich insgesamt 50 Stunden lang mit
       nötigen und möglichen Klimaschutzmaßnahmen. Dabei wurden sie von
       Wissenschaftler*innen informiert, die Diskussionen über Energie,
       Ernährung, Verkehr und Wohnen wurden professionell moderiert.
       
       ## Bürger*innen oft mutiger als Politiker*innen
       
       Das Ergebnis: weitreichende Forderungen wie die nach einem schnellen Ausbau
       der erneuerbaren Energien, weniger Nutztieren und entsprechend
       Fleischkonsum, einem Tempolimit auf Autobahnen, dem Verbot von Öl- und
       Gasheizungen und Verbrennungsmotoren. Außerdem wünschten sich die
       Teilnehmer*innen des Bürgerrats einen Vorrang für das 1,5-Grad-Ziel
       gegenüber anderen Interessen bei allen staatlichen Maßnahmen. Nur eine der
       diskutierten Maßnahmen lehnte der Bürgerrat schließlich mehrheitlich ab,
       nämlich die Einführung einer Citymaut für Autos.
       
       Ähnliche Klima-Bürgerräte in Frankreich und Irland hatten schon Jahre
       vorher erstaunlich konkrete und weitreichende Empfehlungen hervorgebracht.
       Der Haken dabei: Die Ergebnisse waren nie verbindlich für die Politik.
       
       Trotzdem gab der mittlerweile verstorbene Ex-Bundespräsident Horst Köhler
       (CDU), der den deutschen Bürgerrat Klima als Schirmherr begleitete, der
       Bundesregierung zum Abschluss eine Empfehlung mit: „Das Ergebnis sendet ein
       klares Signal an die Politik: Unterschätzt die Bürger nicht!“
       
       13 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Schwarz
       
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