# taz.de -- Streit um Dokumentarfilm über AfD: Bühne für Extremisten
       
       > Zur Erstausstrahlung einer AfD-Doku lädt der RBB einen als rechtsextrem
       > eingestuften AfD-Politiker zum „Bürgertalk“ ein. Ein Bündnis protestiert.
       
 (IMG) Bild: Still aus dem Film: „Wie die AfD den Osten verändert“ von Olaf Sundermeyer
       
       Die neue Doku über die AfD hat sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)
       vermutlich anders vorgestellt. [1][Für den Film „Blaues Land“ blickte der
       RBB-Autor Olaf Sundermeyer ein halbes Jahr nach Brandenburg und
       beobachtete], „wie die AfD das Zusammenleben in den Gemeinden verändert,
       wie ihre völkischen Ansichten die Normalisierung des Rechtsextremismus
       vorantreiben“. So heißt es in der Ankündigung für die Fernsehausstrahlung
       am Dienstagabend um 20.15 Uhr.
       
       Doch wegen des Vorwurfs der „Normalisierung“ von Rechtsextremismus hat sich
       nun Protest gegen den RBB formiert. Im Anschluss an die Doku organisiert
       der Sender einen „Bürgertalk“ in Bad Freienwalde, der ebenfalls im
       Fernsehen übertragen werden soll. Aufs Podium geladen ist neben dem Autor
       Sundermeyer und dem parteilosen Innenminister Brandenburgs, René Wilke,
       auch der AfD-Politiker Jean-Pascal Hohm.
       
       Ausgerechnet Hohm aber steht für die Verbindung der Partei in die
       außerparlamentarische rechtsextreme Szene. Hohm ist Landtagsabgeordneter in
       Brandenburg und Vorsitzender der AfD in Cottbus. [2][Er soll bundesweiter
       Chef der neuen AfD-Nachwuchsorganisation werden, die Ende November neu
       gegründet werden soll.] Hohm ist in der Fanszene von Energie Cottbus aktiv,
       hatte Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung und dem Verein
       Ein Prozent.
       
       Mittlerweile ist Hohm einer von sechs AfD-Abgeordneten im Landtag, die das
       Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Erst im August
       wurde bekannt, dass das [3][Amt auch den gesamten Landesverband als
       „gesichert rechtsextrem“ bewertet.]
       
       Die Einladung Hohms zum „Bürgertalk“ in die Aula des lokalen
       Bertolt-Brecht-Gymnasiums sorgt beim Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“ für
       Unverständnis. „Wir sind entsetzt“, sagte Sprecherin Judith Strohm der taz.
       Vom RBB war das Bündnis mehrfach dazu eingeladen worden, sich aus dem
       Zuschauerraum zu Wort zu melden. Doch das lehnte ab. „Wir sind ein Bündnis
       mit diversen queeren Menschen und fühlen uns nicht sicher mit Herrn Hohm
       auf der Bühne und einem Zuschauerraum voller AfD-Anhänger“, sagte Strohm.
       
       ## AfD ist stärkste Kraft
       
       Das Bündnis hat nun eine Protestkundgebung gegen den Bürgertalk organisiert
       – gegen die „Normalisierung von Menschenfeindlichkeit und Hass“. Nach dem
       rechtsextremen Überfall vom Sommer wolle man keinen AfD-Kader in der Stadt,
       der gewaltbereiten Rechtsextremen den Rücken stärkt, erklärte Strohm.
       [4][Am 15. Juni hatten in Bad Freienwalde ein Dutzend Vermummte ein
       Familienfest des Bündnisses angegriffen und mindestens zwei Teilnehmende
       verletzt.] Die Polizei hatte daraufhin die Wohnung eines Tatverdächtigen
       durchsucht, der nach Informationen der taz zur neonazistischen Partei III.
       Weg gehört.
       
       In Bad Freienwalde ist die AfD stärkste Kraft. Aktuell läuft die
       Bürgermeisterwahl, für die am 19. Oktober in der Stichwahl Ulrike Heidemann
       (CDU) und Frank Vettel für die AfD antreten. Vettel hatte im ersten
       Wahlgang die meisten Stimmen.
       
       Ein RBB-Sprecher erklärte, die AfD sei Hauptgegenstand der
       Berichterstattung an jenem Abend. „Die Redaktion hat deswegen nach
       sorgfältiger Abwägung entschieden, in diesem Fall neben anderen auch einen
       AfD-Vertreter in der Diskussion zu Wort kommen zu lassen.
       
       Selbstverständlich werden sich Moderator und Panel in der Diskussion
       kritisch mit Jean-Pascal Hohm und seiner Partei auseinandersetzen.“ Für den
       RBB sei die AfD „wegen der sich verdichtenden Anhaltspunkte für ihre
       rechtsextremistische Ausrichtung keine Partei wie jede andere“, was
       rechtfertige und dazu verpflichte, mit ihr besonders kritisch umzugehen.
       
       Für Innenminister René Wilke spielte die jüngste Einstufung der AfD in
       Brandenburg als „gesichert rechtsextrem“ für die Zusage als Podiumsgast
       „keine“ Rolle, wie ein Sprecher knapp antwortete.
       
       14 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb-online.de/fernsehen/programm/14_10_2025/2037734.html
 (DIR) [2] /Jean-Pascal-Hohm-soll-AfD-Jugend-fuehren/!6108240
 (DIR) [3] /Einstufung-der-AfD-Brandenburg/!6102964
 (DIR) [4] /Neonazi-Angriff-in-Bad-Freienwalde/!6094115
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) RBB
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Brandenburg
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) RBB
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bad Freienwalde: Folgenlose Attacke auf Vielfaltsfest
       
       Rund 15 Vermummte hatten im Juni ein Vielfaltfest angegriffen. Ein Neonazi
       wurde verdächtigt. Jetzt sagt die Polizei, sie konnte keine Täter finden.
       
 (DIR) Klage gegen Rundfunkbeitrag: Entscheidung mit Aussicht auf noch mehr Klagen
       
       Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Wer ARD und ZDF mit guten
       Gründen für einseitig hält, kann nun gegen den Rundfunkbeitrag klagen.
       
 (DIR) Berlins AfD wählt Personal für Wahl 2026: Gefährlicher als in Brandenburg
       
       Die AfD setzt auf das gemäßigte Aufreten ihrer alten und neuen
       Spitzenkandidatin Brinker. Das ist aber ist nur die bürgerliche Maske der
       Höcke-Partei.
       
 (DIR) Linker erwirkt Unterlassungserklärung: Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef musste Fake-KI-Bild löschen
       
       Der AfD-Abgeordnete Martin Reichardt aus Sachsen-Anhalt hatte mit einem
       KI-Bild gegen den Linken-Abgeordneten Luigi Pantisano gehetzt. Der wehrte
       sich.
       
 (DIR) Klage gegen politische Vorgaben: RBB scheitert in Karlsruhe
       
       Der Sender fühlte sich durch den neuen RBB-Staatsvertrag gegängelt. Das
       Verfassungsgericht sieht die Rundfunkfreiheit aber nicht verletzt.