# taz.de -- Umstellung auf Öko-Landwirtschaft: Niedersachsen weit entfernt vom Ziel
       
       > Niedersachsens Landwirtschaft muss viel tun, um in der Agrarwende nicht
       > das Schlusslicht zu bleiben. Helfen soll das Kompetenzzentrum Ökolandbau.
       
 (IMG) Bild: Viel Fläche und bisher wenig öko: niedersächsische Landwirtschaft, hier in der Region Hannover im September 2025
       
       Das Ziel klingt griffig: 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche
       Deutschlands sollen bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. So hat es
       das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) festgelegt,
       als dessen Kopf [1][noch Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) hieß.]
       
       Diese „Bio-Strategie 2030“ gilt auch heute noch, eine Legislaturperiode
       später, unter [2][Minister Alois Rainer] (CSU). Wie realistisch ihr Ziel
       ist, steht auf einem anderen Blatt: Vor allem der Blick auf Niedersachsen
       lässt Zweifel aufkommen. Rund 154.000 Hektar Ökofläche gab es dort 2023,
       rechnet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vor. Als
       absolute Zahl klingt das gut, auch im Bundesvergleich. Aber der
       Öko-Flächenanteil beträgt nur sechs Prozent. Damit ist Niedersachsen
       deutschlandweit Schlusslicht. Viele Bundesländer liegen bei über 15, manche
       bei 21 Prozent.
       
       Dicke Bretter also, die das [3][Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen]
       (KÖN), Visselhövede, zu bohren hat. Geschäftsführerin Carolin Grieshop ist
       mit ihrer Prognose vorsichtig. „Bis 2030“, sagt die
       Politikwissenschaftlerin, „tippe ich für Niedersachsen auf zehn Prozent.“
       
       Das KÖN, 2002 mit Landesgeld gegründet, berät umstellungswillige
       Konventional-Landwirte, Verarbeiter, die ins Bio-Geschäft wollen, den
       Handel, die Politik. Es erstellt Studien für Kommunen und moderiert
       Tagungen. All das erfolgt auf Honorarbasis. „Unser Ziel war die inhaltliche
       Unabhängigkeit“, sagt Grieshop. Das Zentrum habe deutschlandweit
       Alleinstellungscharakter.
       
       Grieshop zeichnet ein positives Bild des Ökolandbaus: „Der Bio-Markt wächst
       und wächst.“ Aber gerade dadurch gebe es Risiken: „Die Schere zwischen
       Nachfrage und Angebot klafft weit auseinander. Wenn es uns nicht gelingt,
       den Bedarf an Bio-Produkten aus Deutschland zu decken, [4][beschaffen sich
       die Händler ihre Ware im Ausland], und das wäre die schlechtest mögliche
       Entwicklung. Denn mit den dortigen Preisen können die deutschen Produzenten
       nicht mithalten, dort sind ja oft die Löhne niedriger, die Ökoauflagen
       weniger streng.“
       
       Die 25 Mitarbeitenden ihres Zentrums, 17 Frauen und acht Männer, kommen aus
       vielen Disziplinen. Die Palette reicht von Biologie über Geografie, Agrar-
       und Betriebs- bis zur Forstwirtschaft. Als missionarisch sieht Grieshop
       ihre Aufgabe nicht: „Bio kann man nur vorleben. Man kann nur zeigen, dass
       es geht, wie es geht. Man kann nur einladen mitzumachen.“
       
       Niedersachsen hat den deutschlandweit höchsten Produktionswert durch
       Landwirtschaft, es ist das deutsche Agrarland Nummer eins, nicht zuletzt
       durch die Großstallanlagen der industriellen Fleischproduktion und riesige
       Ackerbaubetriebe. Das birgt viel Umstellungspotenzial. Zugleich sind die
       Bretter, die die Agrarwende bohren muss, hier besonders dick: Je größer der
       landwirtschaftliche Betrieb ist, desto geringer ist die Offenheit für den
       Wandel.
       
       Der „niedersächsische Weg“, eine Aushandlung zwischen der niedersächsischen
       Landesregierung und Naturschutz- wie Landwirtschaftsverbänden, trägt dem
       Rechnung. Er sieht lediglich vor, den Ökolandbau bis 2030 auf 15 Prozent
       der Fläche zu steigern. Auch das ist optimistisch.
       
       Die niedersächsische Landwirtschaft müsse „den gesellschaftlichen
       Herausforderungen nach mehr Umwelt-, Natur- und Tierschutz gerecht werden“,
       heißt es aus Niedersachsens Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
       Verbraucherschutz. Das Kompetenzzentrum ist Vorreiter. Aber es kommt auch
       auf den Endverbraucher an: „Wichtig ist die gute Abnahme vor Ort“, sagt
       Grieshop. „Leider legen viele Menschen nicht genug Wert auf gute
       [5][Lebensmittel].“
       
       22 Sep 2025
       
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