# taz.de -- Künstler Günther Uecker ist tot: Mit Kunst in die Welt nageln
       
       > Günther Uecker hämmerte Nägel in Stühle, Plattenspieler, Nähmaschinen –
       > und erzeugte Widerstand. Jetzt ist der Düsseldorfer Künstler mit 95
       > Jahren gestorben.
       
 (IMG) Bild: Der Mann mit den Nägeln: Künstler Günther Uecker in seinem Atelier in Düsseldorf 1997
       
       BERLIN taz/dpa/afp | Günther Uecker gilt als einer der bedeutendsten
       Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Bekannt wurde er durch seine
       großformatigen Nagelreliefs, die heute in Museen weltweit hängen und in den
       politischen Machtzentralen Deutschlands. Der Nagel habe eine
       „Aufdringlichkeit, gepaart mit einem starken Aggressionspotenzial“, sagte
       er im Hessischen Rundfunk (HR). Etwas, das er ebenfalls in sich trage.
       Später arbeitete er mit Sand, Steinen, Asche – Materialien, die für ihn zu
       Trägern von Erinnerung und politischer Aussage wurden.
       
       Günther Uecker wurde 1930 in Wendorf im heutigen Mecklenburg-Vorpommern
       geboren. Als Jugendlicher half er wenige Tage vor Kriegsende beim Begraben
       der Leichen des Schiffswracks „Cap Arcona“. Später nagelte er aus Angst vor
       der Roten Armee die Tür des Elternhauses von innen zu – eine „panische,
       instinkthafte Handlung“, die er 2015 in einer Fernsehdokumentation des HR
       als prägend für sein künstlerisches Arbeiten beschrieb.
       
       In den 1950er-Jahren verließ er, wie sein Malerkollege Georg Baselitz und
       später Gerhard Richter, die DDR. Er zog nach Düsseldorf, wo er bis zu
       seinem Tod lebte, und studierte an der dortigen Kunstakademie. Im Jahr 1961
       trat er der [1][Künstlergruppe Zero] bei, die sich mit neuen Formen gegen
       die Erstarrung der Nachkriegszeit auflehnte.
       
       ## Tschernobyl-Katastrophe als Aschebild
       
       Immer wieder positionierte er sich mit seinen eigenen Werken politisch und
       reiste damit um die Welt – nach China, Russland, Ägypten, Iran, Usbekistan
       oder Kuba. In Peking zeigte er auf Stoff gemalte Appelle für
       Menschenrechte, nach der Tschernobyl-Katastrophe malte er düstere
       Aschebilder und engagierte sich künstlerisch und öffentlich für das
       indigene Volk der Navajo. In der Werkreihe „Verletzungswörter“ malte er
       Begriffe des Leidens und der Gewalt in verschiedenen Sprachen auf große
       Leinwände.
       
       „Das Thema meiner künstlerischen Arbeit ist die Verletzbarkeit des Menschen
       durch den Menschen“, sagte er im Jahr 2000, als er in den Orden Pour le
       Mérite aufgenommen wurde. 2023 errichtete er in Weimar ein Steinmal zur
       Erinnerung an die Opfer des KZ Buchenwald.
       
       Auch jenseits internationaler Museen setzte der genreübergreifende Uecker
       Impulse. Nachdem er [2][in New York einmal Andy Warhols] „The Dom“
       besuchte, wollte er einen vergleichbaren Ort in Düsseldorf schaffen:
       experimentell, offen, über die künstlerischen Sparten hinweg. Gemeinsam mit
       Künstlerfreunden gründete er 1967 schließlich den legendären Underground
       Club „Creamcheese“. Ende 2023 ließ der Düsseldorfer Kunstpalast ihn
       wiedereröffnen als Hommage an eine Kunst, die sich nie einengen ließ.
       
       Bis ins hohe Alter arbeitete Uecker in seinem Atelier-Speicher in
       Düsseldorf.
       
       11 Jun 2025
       
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