# taz.de -- Kurswechsel der CDU gegenüber der AfD: Strategisches Eigentor
       
       > Auch norddeutsche CDUler wollen die AfD immer mehr in den politischen
       > Alltag einbinden. Eine Deradikalisierung der Partei ist davon nicht zu
       > erwarten.
       
 (IMG) Bild: Will der AfD künftig Ausschussvorsitze im Bundestag zugestehen: CDU-Politiker Mathias Middelberg, hier Ende September 2024
       
       Immer näher rückt die AfD in Umfragen an die CDU heran. Nur noch knapp zwei
       Prozent trennen die Parteien. Auf Bundesebene prescht der
       CDU-Spitzenpolitiker [1][Jens Spahn] mit der Idee vor, die Strategie zu
       ändern und die AfD [2][künftig so zu behandeln wie andere Parteien auch].
       Im Osten fordern CDU-Landes- und Kommunalpolitiker*innen diese
       Normalisierung ebenfalls. Und auch Bundespolitiker der CDU aus dem Norden
       befürworten einen Kurswechsel.
       
       Mathias Middelberg, Vorsitzender der Landesgruppen Niedersachsen aus
       Osnabrück, unterstützt den Kurswechsel, bringt aber kein neues Argument
       ein. Er schlägt vor, der AfD künftig Ausschussvorsitze im Bundestag
       zuzugestehen, um zu verhindern, dass sie ihren „Opferstatus“ weiter
       ausbaut.
       
       Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung äußert Middelberg, die AfD sei
       allein durch eine „erfolgreiche Politik“ bei Themen wie Asyl oder
       Bürgergeld kleinzukriegen. Dabei ignoriert er, dass sich die CDU gerade bei
       diesen Themen den unsozialen Positionen der AfD annähert, wodurch deren
       Ressentiments legitimiert erscheinen könnten. Middelberg übersieht – wie
       andere in der CDU – die zur DNA der AfD gehörende Opferinszenierung, ein
       Merkmal, das sie mit rechtsextremen Parteien teilt.
       
       Auch Johann Wadephul will die AfD [3][nicht von Ausschussvorsitzen
       ausschließen]. Diese Ausgrenzung ermögliche es der größten
       Oppositionspartei im Bundestag, ihren „Märtyrerstatus“ zu pflegen, erklärte
       der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende aus dem
       schleswig-holsteinischen Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde gegenüber dem
       Redaktionsnetzwerk Deutschland.
       
       ## Verlust an politischer Relevanz
       
       Wadephul, der auch die CDU-Landesgruppe Schleswig-Holstein leitet, scheint
       wie Middelberg unbeeindruckt davon, dass der Verfassungsschutz Teile der
       AfD als rechtsextrem einstuft. Bereits 2021 erkannte eine noch nicht
       veröffentlichte Analyse des Bundesamtes für Verfassungsschutz „tatsächliche
       Anhaltspunkte“ für verfassungsfeindliche Bestrebungen der AfD.
       
       Diese CDU-Schwergewichte aus dem Norden ignorieren zudem Analysen, die
       zeigen, wie konservative Parteien ihren liberal-konservativen Wertekanon
       zugunsten eines radikal-konservativen Kurses aufgeben und dadurch an
       politischer Relevanz verlieren. [4][Davor warnt unter anderem Thomas
       Biebricher], Professor für Politische Theorie an der Johann Wolfgang
       Goethe-Universität Frankfurt am Main.
       
       Die AfD macht aus dieser Strategie der Zersetzung keinen Hehl: Auch um den
       internen Konflikt zu schüren, [5][erklärte bereits 2024] der
       niedersächsische AfD-Landtagsfraktionsvorsitzende Klaus Wichmann, die CDU
       müsse ihr „konservatives Herz“ wiederentdecken, um gemeinsam eine „große
       konservative Kraft“ im Parlament zu bilden. Diese Selbstverortung als
       „konservativ“ vertritt offenbar auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Kurt
       Kleinschmidt. Der schleswig-holsteinische AfD-Vorsitzende betont ebenfalls,
       dass die AfD zu Verhandlungen mit der CDU bereit sei.
       
       Eine solche rechts-konservative Allianz aus Union und AfD wird zunehmend
       von konservativen Politikwissenschaftlern und Publizisten diskutiert. Nur
       so sei eine Politik ohne SPD und Grüne umsetzbar, wie es die
       Mehrheitsverhältnisse nach der letzten Bundestagswahl ermöglicht hätten.
       Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Einbindung von Antidemokraten diese
       nicht deradikalisierte.
       
       27 Apr 2025
       
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