# taz.de -- Wissenschaft auf Tiktok: Prof gefeuert, Unterricht läuft
       
       > Auf Tiktok kämpft er gegen Trumps Wissenschaftsabriss: Professor John
       > Friedman wurde entlassen, lehrt aber weiter – und stellt vor allem
       > Fragen.
       
 (IMG) Bild: Er lehrt und lehrt und lehrt: Ein Professor, den die Studis lieben, weil er leidenschaftlich ist
       
       Dass auch heute noch so viele „Der Club der toten Dichter“ schauen, das
       habe Professor John Friedman nicht gewusst. Noch weniger hat er damit
       gerechnet, in den vergangenen Wochen mit dem von Robin Williams gespielten
       Lehrer John Keating verglichen zu werden.
       
       Dabei ist es naheliegend: Wer Friedman von seinem Fach, der Anthropologie,
       sprechen hört, hört Leidenschaft.
       
       Und zugehört wird ihm: Sein meistgeklicktes [1][Tiktok-Video] erreichte
       über 36 Millionen Menschen. „Sie haben unseren Prof gefeuert, aber der
       Unterricht ist noch nicht vorbei“, heißt es dort. Im Hintergrund läuft ein
       Zusammenschnitt des Dozenten, der seine Vorträge draußen hält – teils bei
       Regen, immer umringt von interessierten Studierenden.
       
       Friedman ist nicht der Einzige, der nach Semesterende nicht mehr am
       niederländischen [2][University College Roosevelt] angestellt sein wird.
       Laut ihm wurden 30 Prozent der Fakultät entlassen, die Universität spricht
       von 25 Prozent. Grund dafür sei das fehlende Budget. Die Regierung habe
       Förderungen gestrichen und plane ein Gesetz, das die Anzahl internationaler
       Studierender reduzieren soll. Leidtragende seien laut Friedman überwiegend
       die Human- und Sozialwissenschaftler:innen.
       
       ## Komplexes Denken bitte
       
       Dass andere Fächer mehr Geld einbringen könnten, wisse auch er. Dennoch
       könne die Lösung nicht darin liegen, eine öffentliche Bildungseinrichtung
       wie ein profitorientiertes Unternehmen zu führen.
       
       Denn es brauche in unserer Gesellschaft neben den Naturwissenschaften eben
       auch Köpfe, die andere Fragen stellen. Die Anthropologie helfe,
       „aufzuzeigen, dass Dinge, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, sehr
       viel komplexer sind“, so Friedman. Donald Trump, der das
       Bildungsministerium auflösen will und eine [3][Alice Weidel], die davon
       fantasiert „alle Genderstudies [zu] schließen“ und „diese Professoren
       raus[zu]schmeißen“, bedrohen das komplexe Denken.
       
       Gerade auf Tiktok, der Plattform, die oft und teils auch zu Recht
       kritisiert wird, einen so konstruktiven und leidenschaftlichen Austausch
       von Menschen zu sehen, die sich für die Wissensvielfalt einsetzen
       ([4][Tiktok: „jtfriedman1“]), macht Mut. Friedmans Vorlesungen gibt es auch
       [5][in voller Länge auf Youtube].
       
       14 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tiktok.com/@jtfriedman1
 (DIR) [2] https://www.ucr.nl/
 (DIR) [3] /Hass-und-Verachtung/!6068186
 (DIR) [4] https://www.tiktok.com/@jtfriedman1
 (DIR) [5] https://www.youtube.com/channel/UCkogJaV4byNp5-Q3EID0rRg
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Charlina Strelow
       
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