# taz.de -- Demokratie in Zeiten der Krise: Zum Mitschunkeln
       
       > Die Welt brennt, daher fordern viele schnelle Koalitionsverhandlungen.
       > Aber Diskurs und Demokratie brauchen Zeit.
       
 (IMG) Bild: Demokratie ist vielfältig, bunt und wird nie langweilig
       
       Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – abgesehen von all den
       anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind. Das hat
       Winston Churchill im Jahr 1947 gesagt. Natürlich [1][bei einer Debatte im
       britischen Parlament]. Und zu einer Zeit, als er nicht Premierminister,
       sondern nur Oppositionsführer war, weil – wie lästig und undankbar kann
       Demokratie sein – seine Partei die Wahl unmittelbar nach dem gegen die
       Nazis gewonnenen Krieg verloren hatte.
       
       Man kann also davon ausgehen, dass Churchill wusste, wovon er sprach, als
       er das Loblied auf die Demokratie sang, obwohl sie weder perfekt noch
       allwissend sei. Er widersprach explizit der Idee, dass eine Gruppe von
       Supermännern tut, was sie für gut hält, ohne jede Kontrolle oder Korrektur.
       Denn das verletze die Demokratie.
       
       Womit wir nach einer vielleicht etwas langwierigen Vorrede beim Thema
       wären: Können sich [2][Union und SPD] gefühlt ewig Zeit lassen, wenn doch
       die Welt brennt?
       
       Ist dieses Dazwischengrätschen der Grünen, denen die Milliardenidee von
       Supermerz, Superklingbeil, Supersöder und Superesken zur Finanzierung der
       Krisenbekämpfung nicht ganz ausgewogen erscheint, noch angemessen, wo doch
       die Ukraine nach Unterstützung und die Autorepublik nach neuen Brücken
       schreien?
       
       Die Antwort liegt auf der Hand: Na klar! Denn Demokratie braucht
       Aussprache, lebt von Debatte, Diskussion und Streit auf dem Markt der
       Ideen. Das braucht Zeit, die man sich nehmen muss. Und zwar jederzeit.
       
       ## „Baaa baba baba Baaa baba baba Baaa baba baba baaaa“
       
       Demokratie ist vielfältig: Mal ist sie schlichter, mal demonstriert sie,
       dann wieder schlägt sie zu und lässt keinen in Ruh. Das ist jetzt kein
       Zitat von Churchill, sondern stammt von dem [3][Popmusiker Andreas Dorau],
       der [4][in seinem Refrain nicht nur zu dem allzeit geltenden Fazit kam]:
       „Ob es einem schmeckt oder nicht! Das ist Demokratie – langweilig wird sie
       nie. Seien wir froh darüber!“
       
       Nein, er setzte dem auch noch ein gnadenlos mitschunkelfähiges „Baaa baba
       baba Baaa baba baba Baaa baba baba baaaa“ nach. Und das sollten alle mal
       ganz laut vor sich her summen. Es entspannt die Debatte ungemein.
       
       14 Mar 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://api.parliament.uk/historic-hansard/commons/1947/nov/11/parliament-bill
 (DIR) [2] /Die-Koalitionsverhandlungen-beginnen/!6075526
 (DIR) [3] /Andreas-Dorau-ueber-Musik/!5428925
 (DIR) [4] https://bureaub.bandcamp.com/track/demokratie
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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