# taz.de -- Oscar für „No Other Land“: Der vergessene beste Dokumentarfilm
       
       > „No Other Land“ gewinnt einen Oscar, aber nicht die Aufmerksamkeit der
       > Medien. Dabei könnte Journalismus alles benennen, was in Nahost geschah
       > und geschieht.
       
 (IMG) Bild: Holen ihren Preis für „No Other Land“ ab: Basel Adra (l-r), Rachel Szor, Hamdan Ballal und Yuval Abraham
       
       [1][Lars Klingbeil] hat mich angerufen: Ich müsse etwas über die Oscars
       schreiben, um die deutsch-amerikanische Freundschaft zu retten. Ich war
       nicht überrascht, weil ich gestern schon in den „Tagesthemen“ gehört hatte,
       dass Klingbeil unbedingt daran festhalten will – sogar nach der
       splatterfilmmäßigen Zermetzelung der westlichen Wertegemeinschaft im
       [2][Oval Office]. Realität egal. Man muss die Menschen jetzt beruhigen.
       
       Die Oscars um acht Uhr morgens: Ich finde auf tagesschau.de keinen Hinweis
       darauf, dass „No Other Land“ den Oscar für den besten Dokumentarfilm
       bekommen hat – die vielfach preisgekrönte Produktion, die Probleme der
       palästinensischen Bevölkerung mit ihrer Behandlung durch Siedler und die
       israelische Armee beschreibt, was dann auf der Berlinale zu Kritik an
       Israel führte, die nicht erwünscht war.
       
       Die Politik hatte nämlich gerade beschlossen, der Kunst an Kunstfreiheit zu
       nehmen, was sie nicht mehr für angemessen hält, wegen der „Staatsräson“.
       
       Und nun wird der neue Preis für den Film [3][in der Meldung von 5.22 Uhr
       auf tagesschau.de] einfach nicht erwähnt. Sicherheitshalber, der Eindruck
       drängt sich auf – strukturelle Rückgratlosigkeit, Staatsräsonjournalismus.
       Es wird nur der Teil der Wirklichkeit vermeldet, mit dem man oben keinen
       Ärger bekommt.
       
       Dabei könnte Journalismus alles benennen, [4][was im Hamas-Israel-Komplex
       geschah und geschieht]. Alles melden, belegen, zeigen: die Verbrechen der
       Hamas und die Verbrechen Israels. Die Toten, Versehrten, Gefolterten. Die
       Einschüchterungsversuche der Hamas-Propaganda mit ihren Dreiecken und
       Boykottaufrufen und die Angst der deutschen Politik vor den Anrufen des
       israelischen Botschafters. Den Einsatz des Antisemitismusbegriffs zur
       Einschüchterung politisch unliebsamer Gruppen und den in der linken Szene
       weit verbreiteten Antisemitismus.
       
       Nicht unterkomplex das Ganze. Stoff für viele Dokumentarfilme, die
       niemanden glücklich machen würden und die deshalb unbedingt verhindert
       werden müssen. Zum Glück gibt es wenigstens den einen, „No Other Land“.
       
       ## „Fuck you, Trump!“
       
       Lars Klingbeil ruft wieder an. Wie es jetzt mit der deutsch-amerikanischen
       Freundschaft stehe? Ich müsse den Menschen Mut machen!
       
       Als Erstes habe ich heute früh ein Video von Robert De Niro vor großem
       Galapublikum gesehen. „Fuck you, Trump!“, ruft er zu donnerndem Applaus.
       Wow, dachte ich – Männer beim Männlichsein. Wie im KI-Video „Selenskyj
       schlägt Trump im Oval Office k. o.“, das in mir starke Blockreflexe
       ausgelöst hat. Das De-Niro-Video war dann gar nicht von den Oscars, das war
       ein Männlichkeitsanfall aus lange vergangener Zeit, bei den Tony Awards
       2018.
       
       Clint Eastwood ist wirklich nicht die Lösung. Travis Bickle ist nicht die
       Lösung. Denn wer hat am meisten Unglück über die Menschheit gebracht?
       Männer, die alles regeln wollen.
       
       Der Oscar für die beste Hauptdarstellerin ging an Mikey Madison, 25, für
       die Darstellung einer Sexarbeiterin. In ihrer Rede hat sie der Gemeinschaft
       der Sexarbeitenden ihre Ehrerbietung erweisen. Das ist nicht wenig. Ein
       kleines Signal der Solidarität, der Verletzlichkeit mitten in dieser
       weltweit galoppierenden Unbarmherzigkeit.
       
       Ich persönlich würde mich unter Sexworker*innen sicherer fühlen als auf
       einer CDU-Fraktionssitzung. Ich sehe, wie dort im Hintergrund Julia
       Klöckner Friedrich Merz aufs Pferd wuchtet. Er trägt eine Ritterrüstung,
       Carsten Linnemann reicht ihm die Lanze.
       
       Das war’s, Lars. Lang lebe die Leiche der deutsch-amerikanischen
       Freundschaft, lang lebe die Staatsräson! Die Renten sind sicher, überall
       Männer, und der Rest ist Antisemitismusbekämpfung. (tagesschau.de um 8:51
       Uhr: [5][In einem neuen Text wird der Oscar für „No Other Land“ ganz zum
       Schluss erwähnt], als Auslöser gewisser politischer Äußerungen.)
       
       3 Mar 2025
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.tagesschau.de/eilmeldung/oscar-filmpreise-anora-100.html
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 (DIR) [5] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/oscars-verleihung-los-angeles-100.html
       
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 (DIR) Robin Detje
       
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