# taz.de -- Die queere Szene am Stadtrand wächst: Queere Beratungsstelle ab Herbst
       
       > Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf bekommt endlich ein queeres
       > Beratungsangebot. Das Budget steht. Und schon sind die
       > Stellenausschreibung in Arbeit.
       
 (IMG) Bild: Auch in Marzahn-Hellersdorf leben viele Familien mit Kindern, der Beratungsbedarf ist groß. Das Mädchen schaukelt im Erholungspark
       
       Berlin taz | Das war ein langer Kampf. Seit Ende 2021 versucht die
       Grünen-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf mit
       der Einrichtung eines queeren Beratungszentrums im Bezirk einen der
       zentralen Punkte aus dem Wahlprogramm umzusetzen. Es soll „für queere
       Menschen in ganz Marzahn-Hellersdorf endlich einen Rückzugsort und eine
       Anlaufstelle geben“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Denn bislang
       gibt es gar kein queeres Beratungszentrum im Bezirk, obwohl hier und da
       queere Events stattfinden wie der große [1][Marzahn Pride] oder die
       [2][„Queere Begegnung“], eine Veranstaltungsreihe im kleinen Rahmen, von
       einer Aktivistin organisiert.
       
       Doch einer Beratungsstelle ist man nun endlich einen großen Schritt näher
       gekommen. Ein bereits im Oktober 2022 mit den Stimmen „aller demokratischen
       Parteien“ beschlossener Antrag, ein „bezirkliches Regenbogenzentrum im
       Haushalt abzusichern“, trägt zwei Jahre später Früchte. Jetzt geht es um
       die konkrete Umsetzung.
       
       Bei einer Ausschreibung haben sich drei Träger beworben, sagt Vanessa Krah
       der taz. Krah arbeitet seit zwei Jahren als [3][Queerbeauftragte des
       Bezirks Marzahn-Hellersdorf]. Ausgewählt wurden am Ende zwei
       Organisationen, die sich zusammen beworben hatten und kooperieren wollen:
       der Verein [4][Lesben* Leben Familie (LesLeFam)] und der [5][Lesben- und
       Schwulenverband in Deutschland (LSVD)]. Aktuell bereiten die Träger die
       Ausschreibungen für zwei zu besetzende Stellen vor, sagt Krah. „Wir hoffen
       auf einen Start im Herbst.“
       
       Die Queerbeauftragte ist sehr glücklich über die Entwicklung. „Es gibt im
       Bezirk einen großen Bedarf für eine Beratungsstelle mit einem Schwerpunkt
       auf Kinder, Jugendliche und Familie“, sagt Krah, das hätten Gespräche im
       Jugendamt immer wieder gezeigt. „Ich bin super froh, dass diese beiden
       kompetenten Träger zusammenarbeiten und wir deren Expertise nun vor Ort
       haben werden.“
       
       ## Zwei etablierte Träger
       
       LesLeFam ist im Bezirk bereits mit verschiedenen Veranstaltungen aktiv und
       gut bekannt; der Verein wird den Bereich Regenbogenfamilien abdecken. Der
       LSVD, ein etablierter Akteur mit vielen Kompetenzen in der gesamten Stadt,
       ist dann zuständig für die Beratungsangebote für Kinder- und Jugendliche.
       Die Beratungsstelle soll mit einem Büro ins [6][„DRehKreuz“], dem
       Familienzentrum des DRK in der Sella-Hasse-Straße im Ortsteil Marzahn
       einziehen – was von Vorteil ist, sagt Krah: „Wir müssen keine neuen Räume
       suchen und docken an ein bestehendes Beratungsangebot an.“
       
       Für dieses Jahr stehen 50.000 Euro Budget zur Verfügung, für 2025 sind es
       knapp 70.000 Euro. Die Finanzierung machte eine Erhöhung des Budgets der
       Queerbeauftragten trotz Kürzungen in vielen anderen Bereichen möglich. Das
       liegt auch daran, dass es zum Zeitpunkt des Beschlusses über die
       Budgeterhöhung noch eine rot-rot-grüne Mehrheit in der BVV gab.
       Mittlerweile wird der Bezirk von der CDU regiert.
       
       „Mit dem Zuschlag an die beiden Vereine haben wir ein starkes Team für den
       ersten Schritt zu einem Regenbogenzentrum gewinnen können“, freut sich
       Chantal Münster, Grünen-Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für
       Queerpolitik. „LesLeFam betreibt bereits in Lichtenberg das
       Regenbogenfamilienzentrum und der LSVD hat große Expertise im Bereich
       queerer Kinder- und Jugendarbeit.“ Trotzdem bleibe dies nur ein erster
       Schritt. „Wir werden als bündnisgrüne Fraktion weiter daran arbeiten,
       queere Räume überall im Bezirk aufzubauen und zu etablieren.“
       
       Das ist ganz im Sinne von Vanessa Krah, schließlich ist die Verbesserung
       der queeren Beratungsstruktur im Bezirk eins der größten Projekte der
       Queerbeauftragten. Sie setzt auf Synergieeffekte: „Wir fangen klein an,
       aber wir hoffen, darauf aufbauen zu können“ – damit aus einer kleinen
       queeren Beratungsstelle eines Tages ein großes Regenbogenzentrum für
       Marzahn-Hellersdorf werden kann.
       
       30 Jul 2024
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://leslefam.de/
 (DIR) [5] https://www.lsvd.de/de/home
 (DIR) [6] https://www.drk-berlin-nordost.de/angebote/familienzentren/familienzentrum-drehkreuz.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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