# taz.de -- Hamburger Gratis-Ticket für SchülerInnen: Schwarzfahren wird schwierig
       
       > Rot-Grün in Hamburg plant fürs neue Schuljahr ein kostenloses
       > Deutschlandticket. Nachbarländer arbeiten an einem Ticket für 29 Euro.
       
 (IMG) Bild: Gute Perspektiven für den Sommer: Mit Beginn des neuen Schuljahres fahren Hamburgs SchülerInnen kostenlos
       
       Hamburg taz | Der fürchterliche Schreck, bei einer Kontrolle ohne
       Fahrschein erwischt zu werden, dass könnte für [1][Hamburgs Jugend] bald
       der Vergangenheit angehören. Denn die Fraktionen von SPD und Grünen wollen
       am 10. April in der Bürgerschaft mit ihrer Mehrheit einen [2][Antrag für
       ein kostenloses Schülerticket] verabschieden, das zugleich als
       Deutschlandticket gültig ist. Zum neuen Schuljahr, voraussichtlich zum 1.
       September, wird es eingeführt.
       
       „Die Schüler können sich ihre Schulbescheinigung abholen und sie beim HVV
       hochladen. Dann bekommen sie ihr Deutschlandticket per Post zugeschickt“,
       erläutert die grüne Verkehrspolitikerin Rosa Domm. „Wir freuen uns total,
       dass wir dieses Angebot machen können“, sagt sie. „Es ist ein großer
       Schritt für die Kinder und Jugendlichen selbst und ermöglicht [3][Teilhabe
       am Leben].“
       
       Noch ist das Vorhaben nicht beschlossen. Aber auch Hamburgs Finanzsenator
       Andreas Dressel (SPD) sagt: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass ein Start
       eines kostenlosen Schülertickets in dem nächsten Schuljahr 2024/25
       gelingt.“ Der Hamburger Senat arbeite dazu bereits behördenübergreifend und
       mit seinen Verkehrsunternehmen zusammen. Er freue sich über den Antrag der
       Regierungsfraktionen. „Der gibt uns den entsprechenden Rückenwind dafür.“
       
       Genau genommen stand das Versprechen eines kostenlosen Schülertickets schon
       2020 im Wahlprogramm der Hamburg-SPD und als schrittweise zu erreichendes
       Ziel im rot-grünen Koalitionsvertrag. Die Koalition muss sich fast ein
       bisschen beeilen, um dieses noch rechtzeitig vor der nächsten Hamburg-Wahl
       am 2. März 2025 umzusetzen. „Wir haben kostenlosen HVV für Schüler
       versprochen, dabei bleibt es auch“, sagt der SPD-Verkehrspolitiker Ole
       Thorben Buschhüter.
       
       ## Mehrkosten von 30 Millionen
       
       In einem ersten Schritt hatte die Stadtregierung zum August 2021 das alte
       Schülerticket von einst stattlichen 42,50 Euro im Monat auf 30 Euro
       vergünstigt. Mit der Einführung des bundesweiten, im Nah- und
       Regionalverkehr gültigen 49-Euro-Deutschlandtickets [4][tat sie den zweiten
       Schritt] und bezuschusste den Preis für Schüler im Mai 2023 mit 30 Euro.
       Aktuell kostet ein [5][Schülermonatsticket daher 19 Euro].
       
       Nun gehe es darum, das Nulltarif-Versprechen umzusetzen und mit der Zeit zu
       gehen, sagen Domm und Buschhüter. Und da es inzwischen das
       Deutschlandticket gibt und viele Eltern es nutzten, sei es sinnvoll, es
       auch den Schülern zu geben, zumal ein Teil der Kosten vom Bund getragen
       wird.
       
       Buschhüter rechnet mit zusätzlichen Kosten von etwa 30 Millionen Euro im
       Jahr. Finanzsenator Dressel sagt, die Kosten hingen maßgeblich davon ab,
       wie viele das Ticket beantragten. Würden alle Schüler von dem Angebot
       Gebrauch machen, lägen die Mehrkosten für die Stadt im Vergleich zum Status
       quo „allein in diesem Jahr von August bis Dezember bei schätzungsweise 15
       Millionen Euro“.
       
       Buschhüter spricht von einer „großen familienpolitischen Entscheidung“. Da
       Schüler von sich aus kein Einkommen haben, sei es richtig, dass diese
       Gruppe die Mobilität zum Nulltarif erhalte. Zum Thema Schwarzfahren sagt
       er, Schüler müssten das Ticket auch in Zukunft bei sich haben und vorzeigen
       können. Rosa Domm spricht von einem „zentralen Puzzleteil“ der
       Mobilitätswende. Das Gratis-Ticket solle junge Menschen frühzeitig von Bus
       und Bahn überzeugen.
       
       Die Linken-Verkehrspolitikerin Heike Sudmann sagt: „Es freut mich, dass
       hier Bewegung kommt.“ Der Antrag hätte aber auch schon früher kommen
       können. Zudem sollte es den Nulltarif ihrer Meinung nach [6][für alle
       Bedürftigen] geben.
       
       Hamburg scheint bei den Schülerkarten bundesweit Vorreiter zu werden. Die
       beiden norddeutschen Nachbarn planen kleinere Schritte. In
       Schleswig-Holstein soll es für Schüler ein „Bildungsticket“ für 29 Euro in
       Verbindung mit dem Deutschlandticket geben, das [7][ursprünglich mal für
       den 1. April angekündigt] war, aber verschoben wurde.
       
       Land und Kommunen hätten sich „grundsätzlich über die Finanzierung eines
       landesweiten Bildungstickets geeinigt“, versichert der Sprecher des
       Wirtschaftsministeriums, Harald Haase. Die Umsetzung liege jedoch in der
       Verantwortung der Kreise und kreisfreien Städte Schleswig-Holsteins, die
       den 1. August anstrebten. Doch aufgrund des „hohen Abstimmungsbedarfs und
       weitgehend ausgelasteter technischer Dienstleister“ gebe es leider noch
       keinen konkreten Starttermin für das landesweite Bildungsticket.
       
       Auch in Niedersachsen, wo es bisher regional gültige Schüler- und
       Azubi-Tickets gibt, plant die Landesregierung ein auf 29 Euro vergünstigtes
       Deutschlandticket für junge Nutzer, kann aber noch kein Einführungsdatum
       nennen.
       
       3 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /OePNV-in-Hamburg/!5959438
 (DIR) [2] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/86912/familienfreundliches_hamburg_einfuehrung_des_kostenlosen_schuelertickets_fuer_alle_hamburger_schueler_innen_zum_schuljahr_2024_2025.pdf
 (DIR) [3] /Im-Zug-von-Hamburg-zum-Bodensee/!5967319
 (DIR) [4] /49-Euro-Ticket-revolutioniert-OePNV-Tarif/!5921668
 (DIR) [5] https://www.hamburg.de/bsb/pressemitteilungen/17046228/2023-04-13-bsb-hamburgs-schuelerinnen-und-schueler-zahlen-nur-19-euro/
 (DIR) [6] /Deutschland-Ticket-grenzt-Arme-aus/!5958035
 (DIR) [7] https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl20/drucks/01800/drucksache-20-01860.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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