# taz.de -- Demos gegen Rechtsextreme am Wochenende: 200.000 bundesweit auf der Straße
       
       > Seit Freitag demonstrierten Hunderttausende für Demokratie. Unsere Karte
       > zeigt das aktuelle und vergangene Demogeschehen.
       
 (IMG) Bild: Kreativ in Dresden: in der sächsischen Landeshauptstadt versammelten sich am Sonntag bis zu 20.000 Menschen
       
       Berlin taz | „Selbst die Kartoffel hat Migrationshintergrund“, steht auf
       dem Pappschild eines Demonstranten in Budenheim. Mit ihm standen etwa 1.300
       Menschen am frühen Freitagabend vor dem rheinhessischen Bürgerhaus, um
       gegen den Beginn der Wahlkampfveranstaltung der AfD zu demonstrieren. Auch
       die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch war geladen.
       Ein Mann der Gegendemo macht klar: „Budenheim glaubt nicht an die Storch“.
       
       Am Wochenende (inklusive Freitag) demonstrierten mindestens 198.000
       Menschen an 107 Orten für eine weltoffene und demokratische Gesellschaft.
       Das zeigt eine Auswertung der taz, die das Demogeschehen seit Wochen
       begleitet. In unserer Karte finden sich detaillierte Informationen zu
       bisherigen Versammlungen.
       
       450 Kilometer östlich von Budenheim sprach der Neonazi Martin Sellner etwa
       zeitgleich auf einer Kundgebung der rechtsextremen Identitären Bewegung im
       Zentrum Chemnitz. Rund [1][260 Menschen demonstrierten gegen seinen
       Auftritt]. Sie zogen durch Chemnitz-Schönau und „zeigten dem IB Grenzen
       auf“, wie auf einem Transparent zu lesen war.
       
       Martin Sellner hatte bereits Ende November einen Vortrag in Potsdam
       gehalten, an dem einige Politiker der in Teilen rechtsextremen AfD sowie
       einzelne Mitglieder der CDU und der rechtsradikalen Werteunion in Potsdam
       teilgenommen hatten. Dabei ging es auch um Pläne, nichtweiße Menschen und
       Menschen mit ausländischen Wurzeln auszubürgern und zu vertreiben. Darüber
       [2][berichtete das Recherchezentrum Correctiv] und löste damit die
       bundesweite Protestwelle gegen Rechtsextremismus aus.
       
       ## Die größten Demos in Hamburg und Dresden
       
       Gegen den Landesparteitag der AfD in Marl waren am letzten Samstag gleich
       drei Versammlungen angemeldet. Laut [3][Rheinischer Post] demonstrierten
       bis zu 2000 Menschen vor der Eventhalle NRW. Die größte Demo gegen
       Rechtsextremismus am Samstag fand in Stuttgart statt. Dort versammelten
       sich zwischen 8000 und 9000 Menschen, wie die Polizei mitteilte. Auch für
       etwa 50 weitere Orte konnten wir am Samstag deutschlandweit Kundgebungen,
       Laufdemos, Lichtermeere und sogar ein Kulturfest erfassen, an denen sich
       53.000 Menschen beteiligten.
       
       Richtig voll wurde es am Sonntag in zwei Städten. In Hamburg trafen sich
       Schätzungen zufolge zwischen 50.000 und 60.000 Menschen am Bahnhof Dammtor,
       um zusammen mit der Band Deichkind gegen Rechtsextreme einzustehen.
       
       In Dresden demonstrierten zwischen 15.000 und 20.000 Menschen unter dem
       Motto #WirSindDieBrandmauer. In [4][ihrer Rede bei dem Protest] sagte
       Klimaaktivistin Luisa Neubauer: „Unsere Gleichgültigkeit bekommen sie
       nicht. Stattdessen zeigen wir uns von der schönsten, solidarischsten Seite.
       Demokratie hat man nicht, Demokratie lebt man“. Insgesamt waren es am
       Sonntag 135.000 Demonstrant:innen bei 49 Veranstaltungen.
       
       ## Anfeindungen und Störungen durch Rechtsextreme
       
       Erneut kamen die meisten Demoaufrufe aus kleinen Dörfern und Städten, die
       sich überall in Deutschland gegen Rechtsextreme stark machen. Wir zählen 59
       Demos mit dreistelliger Teilnehmerzahl, insgesamt 27.000 Menschen und 46
       Demos mit vierstelliger Teilnehmerzahl, insgesamt 107.000 Menschen. Die
       kleinste uns bekannte Demo fand am Freitag in Bruckmühl mit 150
       Teilnehmenden statt. Oft werden Menschen während der Proteste angefeindet,
       wie Lokalmedien verschiedentlich berichten.
       
       Am Sonntag [5][störten Rechtsextreme in Bautzen mehrfach eine Versammlung]
       unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus! Gemeinsam für
       Menschlichkeit und Demokratie!“. Sie versuchten unter die
       Versammlungsteilnehmer zu gelangen, heißt es in einer Medieninformation der
       Polizei Sachsen. Die Polizei erstattete vier Strafanzeigen wegen des
       Anfangsverdachts des Verwendens verfassungsfeindlicher Zeichen gegen die
       Rechtsextremen und drei wegen Vermummung gegen die Demo-Teilnehmenden.
       
       ## Fast 5 Millionen Menschen gegen Rechtsextremismus
       
       Seit 12. Januar demonstrierten bundesweit zwischen 3,7 und 4,9 Millionen
       Menschen bei 1264 Versammlungen gegen die AfD und für die Demokratie, wie
       eine taz-Auswertung zeigt.
       
       Nach vier Wochen beenden wir am heutigen 26.02. unsere Datensammlung zur
       aktuellen Protestbewegung gegen Rechtsextremismus. Vielen Dank an die
       zahlreichen Hinweisgebenden – in unserem Hinweis-Postfach erreichten uns
       fast 700 Zuschriften. Wir nehmen weiterhin [6][Korrekturen und Hinweise zu
       Demos] vor dem 26.02. an.
       
       26 Feb 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/demonstration-sellner-polizei-einreise-100.html
 (DIR) [2] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen/
 (DIR) [3] https://rp-online.de/nrw/landespolitik/marl-afd-landesparteitag-waehlt-martin-vincentz-2000-teilnehmer-bei-demo_aid-107687919
 (DIR) [4] https://www.saechsische.de/dresden/politik/naechste-grosse-demo-gegen-rechts-in-dresden-5969668.html
 (DIR) [5] https://www.polizei.sachsen.de/de/MI_2024_104526.htm
 (DIR) [6] /demohinweise@taz.de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lalon Sander
 (DIR) Sean-Elias Ansa
       
       ## TAGS
       
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