# taz.de -- Memorandum zwischen Italien und Albanien: Migrationsdeal alla Meloni
       
       > Italien darf 2024 zwei Aufnahmelager für Asylsuchende in Albanien
       > errichten. Dessen Ministerpräsident spricht von einem „Abkommen der
       > Brüderlichkeit“.
       
 (IMG) Bild: Die italienische Küstenwache mit Migranten am 18. September vor der Küste Lampedusas
       
       Berlin taz | Bis zum kommenden Frühjahr sollen zwei Lager mit jeweils 3.000
       Plätzen in Albanien in Betrieb genommen werden. Italiens
       Ministerpräsidentin [1][Giorgia Meloni] und ihr albanischer Amtskollege Edi
       Rama unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung am Montag in Rom.
       Damit darf Italien in Albanien Zentren für Asylsuchende errichten, die auf
       dem Mittelmeer aufgegriffen oder gerettet werden.
       
       Ein Registrierungszentrum soll in der Hafenstadt Shëngjin im Norden des
       Landes entstehen. Wenige Kilometer weiter nördlich, in Gjader, soll ein
       zweites Zentrum für die Abschiebungsvorbereitung entstehen. Rom rechnet
       offenbar damit, dass die Menschen im Schnitt zwei Monate dort bleiben – so
       sollen insgesamt 36.000 Menschen im Jahr durch die Lager geschleust werden.
       In dieser Zeit sollen Anträge auf Asyl in Italien geprüft werden. Wird
       dieses gewährt, sollen die Menschen nach Italien ausreisen dürfen.
       Anderenfalls sollen sie direkt aus Albanien abgeschoben werden. Unklar ist,
       was mit Abgelehnten geschieht, die nicht abgeschoben werden können.
       
       ## Albanien soll als Gegenleistung nichts bekommen haben
       
       Die Zentren sollen von Italien nach italienischem Recht betrieben werden.
       Albanien soll lediglich für die „externe Überwachung“ zuständig sein.
       Gegenüber der italienischen Zeitung [2][Corriere della Sera] sagte
       Albaniens Ministepräsident, Italien trage alle Kosten der Lager, ansonsten
       erhalte Albanien keine Gegenleistung. Es sei „ein Abkommen der
       Brüderlichkeit und der Verbundenheit“, so Rama. Auch italienische
       Unterstützung für [3][einen schnelleren EU-Beitritt Albaniens] sei „ganz
       sicher nicht“ zugesichert worden.
       
       In die Zentren sollen der Darstellung zufolge nur jene Menschen gebracht
       werden, die von staatlichen italienischen Schiffen gerettet werden –
       derzeit die große Mehrheit. Von NGOs Gerettete, Menschen, die aus eigener
       Kraft auf italienischem Hoheitsgebiet ankommen, Minderjährige, schwangere
       Frauen und „schutzbedürftige“ Personen sollen ausgenommen sein und weiter
       nach Italien gebracht werden.
       
       Rama schloss aus, mit anderen EU-Staaten eine vergleichbare Vereinbarung zu
       treffen. Es gebe „einzigartige“ Verbindungen zwischen Albanien und Italien.
       Meloni sprach von der Vereinbarung als Vorbild. „Tatsächlich glaube ich,
       dass es zu einem Modell für die Zusammenarbeit zwischen EU-Ländern und
       Nicht-EU-Ländern bei der Steuerung der Migrationsströme werden kann. Die
       illegale Masseneinwanderung kann kein EU-Staat allein bewältigen.“ Albanien
       steht kurz vor der Erweiterung einer Vereinbarung mit der EU zu Einsätzen
       der Grenzschutzagentur Frontex.
       
       7 Nov 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Italiens-Migrationspolitik/!5926166
 (DIR) [2] https://www.corriere.it/politica/23_novembre_07/fazzolari-l-accordo-l-albania-migranti-successo-storico-abbiamo-agito-soli-ma-l-ue-non-ha-obiettato-df4a4490-7ce4-11ee-90f0-2d45ce928adc.shtml
 (DIR) [3] /Beitritt-von-Albanien-und-Nordmazedonien/!5869186
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Jakob
       
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