# taz.de -- Ökoaktivist über Dokumentarfilm: „Bittere Realität in Gerichtssälen“
       
       > Im Film „Unter Paragraphen 2“ geht es um einen heimlich mitgeschnittenen
       > Hambacher-Forst-Prozess. Am Donnerstag ist Premiere am Landgericht
       > Braunschweig.
       
 (IMG) Bild: Am Donnerstag ist Filmpremiere auf der Fassade des Landgerichts Braunschweig
       
       taz: Herr Gradl, Sie haben mit einer Gruppe von Öko-Aktivisten einen
       justizkritischen Film gemacht und projizieren ihn zur Premiere auf die
       Fassade des Braunschweiger Landgerichts. Worum geht es? 
       
       Ruben Gradl: „Unter Paragraphen 2“ ist die Fortsetzung eines anderen Films,
       bei dem es um einen Gerichtsprozess im Kontext des [1][Hambacher Forst]
       ging. Die Gerichtsverhandlung wurde heimlich mitgeschnitten, um mal zu
       zeigen, wie die bittere Realität in Gerichtssälen aussieht, wenn die
       Angeklagten untergebuttert und ihre Rechte verdreht werden.
       
       Aber man darf doch keine Tonaufnahmen von Gerichtsverhandlungen machen. Ist
       das dann noch legal? 
       
       Man darf zwar keine Aufnahmen von öffentlichen Gerichtsverhandlungen
       machen. Aber wenn sie existieren, ist es nicht verboten, sie zu verbreiten.
       Wer diese Aufnahmen gemacht hat, werden wir natürlich nicht sagen.
       Vielleicht wissen wir das auch gar nicht.
       
       Geht es in der Fortsetzung um einen ähnlichen Prozess in Braunschweig? 
       
       Darüber will ich jetzt noch nichts sagen, weil es eine Überraschung werden
       soll. Aber es hat schon einen Grund, warum wir ihn an diesem Ort aufführen.
       
       Wie kann man sich diese beiden Filme vorstellen? 
       
       Das sind zugleich Dokumentar- und Lehrfilme. Sie bestehen aus den
       originalen Tonaufnahmen von den Gerichtsverhandlungen, aber es gibt keine
       Bildaufnahmen dazu, sondern stattdessen Animationen.
       
       Wie lang ist denn der Film? 
       
       Er ist etwa zwei Stunden lang. Wir stellen Bänke und Stühle auf, man kann
       wie in einem Kino sitzen.
       
       Direkt nach der Premiere wollen Sie den Film bei Youtube und Vimeo
       hochladen. Was erhoffen Sie sich davon? 
       
       Es geht darum, dass politische Aktivist*innen lernen, wie sie eine
       offensive Verteidigung vor Gericht praktizieren können. Und der Film ist
       ein Beitrag zu dieser Idee der Selbst- und Laienverteidigung. Wir werden
       ihn zum Beispiel als Einführung bei unseren Workshops benutzen. Er zeigt,
       dass es sich manchmal lohnt, frech vor Gericht aufzutreten und sich nicht
       unterkriegen zu lassen.
       
       Haben Sie denn persönlich mit diesem Filmprojekt zu tun gehabt? 
       
       Ich habe daran mitgewirkt. Ich bin Ökoaktivist und -anarchist und stehe
       immer mal wieder vor Gericht. Da ging es etwa um [2][Abseilaktionen über
       Autobahnen]. In Verhandlungen vor dem Landgericht Braunschweig trete ich
       als [3][Laienverteidiger] auf. Ich bin kein studierter Anwalt, aber man
       kann auch so vor Gericht verteidigen. Das dürfen alle, die ausreichend
       sachkundig und vertrauenswürdig sind.
       
       11 Oct 2023
       
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