# taz.de -- Öl als Brotbelag: Schmeckt wie geschmiert
       
       > Butter? Margarine? Nee, Öl muss aufs Brot. Doch die Auswahl der richtigen
       > Sorte erfordert etwas Experimentierfreude. Ein Erfahrungsbericht.
       
 (IMG) Bild: Oft besser als Butter: gutes Olivenöl
       
       Butter oder Margarine? Es ist eine Frage, die daherkommt wie: Pepsi oder
       Coca-Cola? [1][Fondue oder Raclette?] Nutella mit was drunter oder ohne?
       Fragen, bei denen allgemein erwartet wird, dass man sich festgelegt hat,
       felsenfest und lebenslang. Lagerwechsler:innen werden unter lauten
       „Verrat“-Rufen vom Hof gejagt.
       
       Und Menschen, die sich in der Butter-Margarine-Dualität nicht wiederfinden?
       Da stimmt doch irgendetwas nicht. Die Reaktionen liegen meist irgendwo
       zwischen Verwirrung und Besorgnis, wenn ich sage: Weder noch. Ich mag
       lieber Öl.
       
       Wie sollte es auch anders sein in einem Land, das sowohl eine [2][Butter-]
       als auch eine [3][Margarineverordnung] kennt? Wobei man dazu sagen muss,
       dass erste auch für andere Milchstreichfette und letztere auch für andere
       Mischfetterzeugnisse gilt, was nicht nur deutlich juristischer klingt,
       sondern auch gleich deutlich macht, wo die Prioritäten liegen. Was mich
       trotzdem erstaunt: Wie manifest sich die Butter-Margarine-Dualität
       hierzulande hält. Und das in dieser globalisierten Welt, in der [4][das
       gestern Unbekannte] heute schon ganz gewöhnlich und morgen wieder out sein
       kann.
       
       ## Als würde ich Motorenöl verwenden
       
       Auf mein Öl-Bekenntnis reagieren andere jedenfalls häufig mit einem
       Gesicht, als würde ich Motoröl auf mein Roggenbrot gießen. Dabei zeigt ein
       Blick über die Grenze, dass Öl auf Backware überhaupt keine Nische sein
       muss, im Gegenteil. Nach Italien etwa. Oder nach Katalonien, wo das „Pa amb
       tomàquet“ das Öl gar nicht im Namen tragen muss. Brot mit Tomate – ist doch
       klar, dass Öl dazugehört, oder?
       
       Nicht nur in der Kombination mit Tomate ist Öl auf Brot eine gute Idee.
       Auch mit Käse, Aufstrichen oder anderen Gemüsesorten harmoniert es. Aber,
       und das macht es tatsächlich herausfordernder als die Wahl zwischen Butter
       und Margarine: Nicht jedes Öl passt gut zu jedem Belag. Ein würziger Käse
       verträgt ein anderes Öl als ein milder, eine frisch geerntete sommerliche
       Tomate in Scheiben geschnitten ein anderes als gegrillte Zucchinischeiben
       (für letztere würde ich übrigens immer ein gutes Wildkräuteröl nehmen).
       
       Wer also über das, was sich zwischen Brot und dem darauf Sichtbaren
       befindet, nicht weiter nachdenken will, ist mit Öl eher nicht so gut
       beraten. Die Auswahl macht einiges an Probieren notwendig, und dazu kommt
       auch noch der persönliche Geschmack. Vielleicht ist nicht jede:r von der
       Kombination Leinöl plus Roggenvollkornbrot plus Blauer Kornblumenkäse
       überzeugt? Und [5][gutes Ölivenöl zeichnet sich Kenner:innen zufolge
       durch eine im Abgang scharfe Note aus]. Wer denkt, das hat etwas von
       Meerrettich oder Pfeffer – top. Nun muss aber, was bei der Verkostung
       Bestnoten bekommt, subjektiv nicht immer das Richtige sein. Halskratzen als
       unerwünschte Nebenwirkung zwischen Brot und Aufstrich kann die
       Öl-auf-Brot-Entdeckungsreise schnell wieder beenden.
       
       Für den Start ein Blick in meinen Küchenschrank und die vier Öle, die immer
       darin zu finden sind: Ein Rapsöl, das neben einer vergleichsweise neutralen
       Grundlage, im besten Fall mit nussiger Note, auch gut zum Braten taugt. Für
       Rapsöl spricht übrigens auch sein ziemlich gutes Fettsäurespektrum: nur 8
       Prozent gesättigte Fettsäuren, 60 Prozent einfach ungesättigt und von den
       mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind etwa zwei Drittel Omega-6- und ein
       Drittel Omega-3-Fettsäuren.
       
       Dann ein Olivenöl. Auch, aber nicht nur für leckere Tomaten. Ein Leinöl,
       das überraschend vielfältig ist, auch mit süßen Aufstrichen funktioniert
       und natürlich nicht im Küchenschrank steht, sondern im Kühlschrank. Und ein
       Wildkräuteröl, das ebenso wie das Leinöl nur in der kalten Küche eingesetzt
       werden darf.
       
       Denn natürlich gilt für Öl: Es kann aufs Brot, es muss aber nicht. Es passt
       zu vielem, von Pfannengerichten über Dips bis zur Salatsoße – und
       spätestens die würde mit Butter oder Margarine doch eher schwierig.
       
       23 Feb 2023
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.gesetze-im-internet.de/margmfv/BJNR019890990.html
 (DIR) [4] /Die-goldenen-Trendregeln-des-neuen-Jahres/!5903474
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