# taz.de -- Margarine für Asklepios-Patient*innen: Keine Butter bei die Kranken
       
       > Weil er sparen muss, legt der Klinikkonzern Asklepios seinen Hamburger
       > Patient*innen Margarine statt Butter aufs Tablett – manchen
       > wenigstens.
       
 (IMG) Bild: Butter – oder gerade keine? In den Hamburger Asklepios-Kliniken eine Frage der Versicherung
       
       Wenn das mal nicht das nächste Kulturkämpfchen wird: „Asklepios nimmt
       Kassenpatienten [1][die Butter] vom Brot“, lasen wir am Dienstag, klar: bei
       Kaffee und Frühstücksbrötchen, [2][im Hamburger Abendblatt]. Demnach hat
       der Klinikkonzern spät im alten Jahr den gesetzlich krankenversicherten
       Kund*innen bei Frühstück und Abendbrot die Butter, nun ja, gestrichen.
       Als wäre Krankenhaus-Essen nicht ätzend genug, erhalten sie nun
       „pflanzliches Streichfett, also Margarine“. Privatversicherte hingegen
       bekommen weiterhin gereicht, was manche*r gute Butter nennt.
       
       [3][Asklepios] begründet den Schritt mit der Erfordernis zu sparen: [4][Die
       Inflationsrate] von knapp acht Prozent im vergangenen Jahr treffe „auch die
       Hamburger Krankenhäuser mit aller Wucht“, heißt es. „Da geht es uns nicht
       besser als anderen Branchen oder auch Privathaushalten“, zitiert das Blatt
       einen Unternehmenssprecher. Die zuvor verwendete, fett- und
       kalorienreduzierte Joghurt-Butter durch Margarine zu ersetzen, bedeutet
       demnach eine Kostenersparnis rund 330.000 Euro pro Jahr. Klingt nach viel,
       ist es aber nicht angesichts des Kostenanstiegs bei Einkauf, Transport und
       Energie für die Speisenversorgung der Kliniken: Den beziffert der Konzern
       auf rund 2,6 Millionen Euro im Jahr.
       
       Aber irgendwo muss man ja anfangen, und wenigstens spart Asklepios lieber
       beim Streichfett als bei der medizinischen Versorgung, könnte man sagen –
       was der zitierte Unternehmenssprecher auch prompt getan, also: gesagt hat.
       Nur was all die angeführten schlechter gewordenen, Handeln nötig machenden
       Rahmenbedingungen nicht recht erklären, ist die Ungleichbehandlung der
       Patient*innen, je nachdem, wer die Rechnung bezahlt – durchreichen bis ans
       Krankenbett kann Asklepios den gestiegenen Butterpreis ja nicht, glaubt man
       dem Unternehmenssprecher. Und angesichts eines bundesweit erzielten
       [5][Konzernjahresergebnisses von 106,3 Millionen Euro] im Jahr 2021 wirken
       die paar Hunderttausend Euro Margarine-Spar-Effekt so dringend dann ja auch
       gar nicht mehr.
       
       Wer das Geld hat, hat das Fett? Ehe nun die naheliegende Neid-, Pardon,
       Gerechtigkeitsdebatte eröffnet wird: Sind wir sicher, dass es wirklich ein
       Privileg ist, noch Butter aufs Brot zu kriegen? Nicht vielmehr ein
       schleichendes Meucheln der Privatzahler*innen? Um wie viel gesünder die
       gehärteten Pflanzenfette sind, darüber [6][gehen die Sichtweisen durchaus
       auseinander]. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)
       aber hat Margarine „im Vergleich zu Butter einen höheren Gehalt an
       ungesättigten Fettsäuren und damit eine bessere
       Fettsäurenzusammensetzung“.
       
       Bloß: Gerade für ältere Menschen ist richtige, also aus Kuhmilch
       hergestellte Butter ja mehr als einfach ein Nahrungsmittel; sie sich
       leisten zu können, das ist gerade für jene ein Wert an sich, die noch Krieg
       und Entbehrung kennengelernt haben – man sollte annehmen: keine völlig
       irrelevante Gruppe für so einen Klinikkonzern. Und mag auch der
       Asklepiossprecher recht haben, wenn er sagt, Butter sei „für den
       medizinischen Behandlungsprozess und den Genesungserfolg nicht von
       Relevanz“ – Zufriedenheit respektive deren Abwesenheit sind es ziemlich
       sicher doch.
       
       Dabei wollen wir gar nicht dafür werben, dass sich nichts verändern darf,
       rein schon von der Klimabilanz her: Die nämlich spricht für den
       pflanzlichen Aufstrich. Der Geld-Effekt ist also überschaubar, aber wir
       nehmen Menschen etwas, das sie lieben, und das schont obendrein den
       Planeten? Klingt irgendwie wie nach grünem Fleischverzichts-Gedöns, oder?
       Dazu passt: Mancher Mitbewerber hat mit ähnlichen Argumenten wie Asklepios,
       den Fleischanteil an der Patient*innenkost tatsächlich reduziert.
       
       Sind die Hamburger Asklepios-Häuser am Ende zu woken Umerziehungsanstalten
       geworden? [7][Gendern] sie demnächst bei der, Moment,
       Chef*innenärzt*innenvisite?! Wenn die falschen, also richtigen Leute das
       mitkriegen, [8][ist aber was los].
       
       24 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Butter/!t5009548
 (DIR) [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/article237446669/asklepios-kliniken-hamburg-streicht-kassenpatienten-die-butter-uke-margarine-inflation-kosten.html
 (DIR) [3] /Asklepios/!t5021705
 (DIR) [4] /Kostensteigerungen-durch-Inflation/!5880090
 (DIR) [5] https://www.asklepios.com/konzern/unternehmen/investors/geschaeftsbericht-2021/
 (DIR) [6] /Lob-der-Margarine/!5902471
 (DIR) [7] /Gendern/!t5580489
 (DIR) [8] /Knorr-benennt-Zigeunersauce-um/!5702600
       
       ## AUTOREN
       
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