# taz.de -- Kritik an den Kohlegegnern von Lützerath: Propaganda gegen Klimaschützer
       
       > Das besoffene Land böllert sich zu Silvester halb tot. Währenddessen
       > werden die BewohnerInnen von Lützerath als Kriminelle diffamiert.
       
 (IMG) Bild: Sehen Sie hier Terroristen? Wir auch nicht
       
       Am Samstag schrieb der Vizechef der anerkannt konservativen Rheinischen
       Post (RP) seinen [1][Lützerath-Kommentar]. Da wird abgerechnet mit, igitt,
       „professionellen Kohlegegnern“ an der Tagebaukante, vor „Öko-Ideologen“
       gewarnt, die eine „neue Apo“ seien mit „teils militanter Ausprägung“.
       Tenor: Packt ein, verpisst euch. Die Horrorvision: Ohne Kohlestrom bleiben
       womöglich die Büros der RP dunkel, als sei man in Kyjiw.
       
       Dazu faktisch falsche Populistensätze wie: „Von Lützerath ist nichts mehr
       übrig, das rettenswert wäre.“ Ist ein denkmalgeschützter, wunderschöner Hof
       von 1763 nichts oder eine Friedenslinde von 1650, wohl gleich nach dem
       Dreißigjährigen Krieg gepflanzt? Das Wort Klima kam übrigens kein einziges
       Mal vor. Von den ekelhaften Bestätigungskommentaren sei hier nur der
       absurde Begriff „Klimaterroristen“ erwähnt.
       
       Gewalt und Terror in Deutschland. Will niemand. Außer an Silvester, da ist
       das okay. Da heißt das feiern. In [2][Berlin schossen zugedröhnte Horden
       ihre Feuerwerkskörper völlig von Sinnen] waagerecht statt senkrecht ab,
       eine Rakete nach der anderen. Ziel: vorbeifahrende Autos, FußgängerInnen.
       Heißa, wie das knallt. In Aachen war, wie in vielen anderen Städten, ein
       Böllerverbot in der Innenstadt verfügt. So what: Vor dem dicht umdrängten
       Rathaus stiegen in der Winterhitze die lustigen bunten Knalldinger im
       Sekundentakt umjubelt in den Himmel. Woanders das Gleiche. Ordnungskräfte:
       nirgends zu sehen. Die Attacken Besoffener auch auf Rettungswagen,
       gezielter Raketenbeschuss von Feuerwehren wie in Essen, all das habe im
       Vergleich zur Vorpandemiezeit deutlich zugenommen, meldet die Polizei.
       Heißa 2023.
       
       Die Bilanz im Lande: Schwerverletzte sonder Zahl mit abgesprengten
       Gliedmaßen, zerfetzten Händen, Armamputierte und Erblindete, brennende
       Autos und Wohnungen (inklusive Toten), die Notaufnahmen voll. Der
       Feierfuror traf auch Unbeteiligte, aber das zählt als Kollateralschäden.
       Das ist Alltagsgewalt. Sie wird hingenommen. Die einen kleben sich fest,
       die anderen, in vielem über Jahrzehnte die Täter, kleben fest an ihrer
       gestrigen Weltsicht und an Ritualen, die sie farbenprächtiges
       Himmelsspektakel nennen.
       
       Allein in Düsseldorf, dem RP-Sitz, gab es zwei Großbrände. In Lützerath
       nebenan werden sich viele Hundert „Öko-Terroristen“ aus gutem Grund [3][mit
       Verantwortungsbewusstsein] auf die Wege setzen und an Bagger ketten,
       [4][ohne Raketen, ohne Gewalt]. Wenn aber eine oder einer auch nur
       „Scheißbullen“ ruft oder zappelt beim Weggeschleiftwerden, darf man auf
       Strafverfahren zählen und auf neue, schnell losgeböllerte Kommentare aus
       kohlestromwarmen Redaktionsstuben.
       
       2 Jan 2023
       
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 (DIR) [3] /Braunkohle-Dorf-Luetzerath/!5898731
 (DIR) [4] /Kampf-um-Kohledorf/!5903043
       
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 (DIR) Bernd Müllender
       
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