# taz.de -- Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin: Gründlich entstaubt
       
       > Am Samstag eröffnet das Käthe-Kollwitz-Museum am neuen Standort am
       > Schloss Charlottenburg. Das Werk der Berliner Künstlerin ist aktueller
       > denn je.
       
 (IMG) Bild: Das Museum im noch eingerüsteten Theaterbau des Schlosses Charlottenburg
       
       Berlin taz | Es ist immer wieder wie ein Faustschlag in die Magengrube,
       sich näher mit Käthe Kollwitz’ Zyklus „Krieg“ aus den Jahren 1921 und 1922
       zu befassen. Aber am Tag [1][nach Putins Ankündigung], Reservisten an die
       Front schicken zu wollen, kann es doch noch einmal in einem besonderen Maß
       frappierend sein, Holzschnitte wie „Die Freiwilligen“, „Das Opfer“, oder
       „Die Mütter“ anzusehen.
       
       „Gerade weil diese Künstlerin so aktuell ist, kommen in letzter Zeit immer
       mehr jüngere Besucherinnen und Besucher zu uns“, sagt die [2][Leiterin des
       Käthe-Kollwitz-Museums Josephine Gabler am neuen Standort im Theaterbau des
       Schlosses Charlottenburg]. Der erste Bauabschnitt im Erdgeschoss ist
       geschafft, [3][am Samstag um 11 Uhr wird dort die neue Dauerausstellung
       eröffnet].
       
       36 Jahre residierte das private Kollwitz-Museum auf vier Etagen in einer so
       schönen wie antiquierten klassizistischen Stadtvilla in der Fasanenstraße
       in Wilmersdorf, in guter Nachbarschaft zum Literaturhaus Berlin und zur
       Villa Grisebach. Doch als das Museum über Barrierefreiheit und
       Klimatisierung nachzudenken begann, ließ sich das nicht mit dem
       Denkmalschutz vereinbaren.
       
       ## Viel mehr Ausstellungsfläche
       
       Vom Umzug erhofft sich das Museum nun nicht nur die Erfüllung dieser
       zeitgemäßen Anforderungen. Vom Berggruen bis zum Bröhan Museum gibt es auch
       neue tolle Nachbarn, mit denen man vielleicht bei Ticketangeboten
       kooperieren kann. Vor allem aber verfügt das Museum, wenn der vermutlich
       1,9 Millionen teure Ausbau 2024 inklusive Obergeschoss abgeschlossen sein
       wird, über doppelt so viel Ausstellungsfläche wie am alten Standort. Neben
       der Dauerausstellung wird es zum Beispiel auch zeitgenössische
       Ausstellungen geben.
       
       Aber schon ohne das Obergeschoss hat die Dauerausstellung im Erdgeschoss im
       Vergleich zu jener in der Fasanenstraße sehr gewonnen, das zeigt die
       Presseführung am 22. September. Der 300 Quadratmeter große Raum wirkt
       elegant, perfekt ausgeleuchtet, alles kommt sehr luftig, leicht, entstaubt
       daher: [4][Die Werke der 1867 geborenen Berliner Grafikerin, Bildhauerin
       und Malerin Käthe Kollwitz], die auf wundersame Weise nie alt geworden
       sind, kommen noch einmal ganz neu zur Geltung.
       
       Dabei sind Kollwitz’ Lithografien, Radierungen, Kupferstiche, Holzschnitte
       und Plastiken auch bis heute so erschreckend realistisch – oder besser:
       berührend –, weil sie oft auf ihren einschneidenden, persönlichen
       Erfahrungen beruhten. Besonders auf dem schmerzhaften Verlust des jüngeren
       Sohnes Peter zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als dieser gerade mal 18
       Jahre alt war.
       
       ## Hartnäckige Selbstbefragung
       
       Kollwitz’ Werke wirken auch deshalb noch einmal viel zeitgemäßer, weil die
       Ausrichtung der Ausstellung mit dem Titel „Aber Kunst ist es doch“ sich
       verändert hat. Denn Kollwitz war weit mehr als eine Pazifistin und
       Sozialistin, die mit ihrer Kunst Inhalte, Engagement und Einmischung
       transportieren wollte. Anders als ihr berühmter Ausspruch „Ich will wirken
       in dieser Zeit, meine Kunst soll Zwecke haben“ nahe legt, befragte sie auch
       ihre künstlerischen Methoden ein Leben lang sehr hartnäckig, berichtet
       Gabler.
       
       Besonders deutlich wird dies in der neuen Ausstellung in dem Raum, in dem
       es um den eingangs erwähnten Holzschnitt-Zyklus „Krieg“ geht. Hier werden
       neben dem Zyklus auch Lithografien der Künstlerin gezeigt, mit denen sie
       den Zyklus eigentlich beginnen wollte, die ihr dann aber nicht streng genug
       erschienen. Erst daraufhin entdeckte sie den Holzschnitt für sich.
       
       Auch jenseits dessen zeigt das Museum einige ihrer über 100 berühmten, weil
       ungeschönten Selbstporträts, die das permanente, forschende Ringen der
       Künstlerin zum Ausdruck bringen, aber auch unbekanntere Werke. Gerade unter
       diesen werden vielleicht auch Kenner*innen das eine oder andere Blatt
       neu entdecken. So wie etwa die Zeichnung „Konrad ruft den Tod“ aus dem Jahr
       1932, in der sich Kollwitz mit dem Sterben des Bruders auseinander setzt.
       
       Der Tod und das mal vertrauensvolle, mal ängstliche Verhältnis der Menschen
       zu ihm war schon immer ein wichtiges Motiv bei Kollwitz, beherrschte aber
       ihr Spätwerk dann völlig. Im ersten Moment fällt auf der Zeichnung nur eine
       alter Mann mit müde erstauntem Blick auf einer Gartenbank auf, der sich
       gerade an seinem Gehstock hochzieht. Erst auf den zweiten Blick fällt am
       linken Bildrand ein nackter Fuß unter einem weißen Gewand ins Auge, der im
       nächsten Moment aus dem Bild treten wird. Konrad wird ihm folgen.
       
       24 Sep 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Teilmobilmachung-in-Russland/!5879729
 (DIR) [2] /Umzug-des-Kollwitz-Museums-in-Berlin/!5775623
 (DIR) [3] https://www.kaethe-kollwitz.berlin/
 (DIR) [4] /Erinnerungen-an-Kaethe-Kollwitz/!5423590
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Messmer
       
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