# taz.de -- Evakuierung aus Afghanistan: 60 EU-Ortskräfte nach Deutschland
       
       > Die Bundesregierung nimmt Ex-Mitarbeiter*innen von EU-Institutionen auf.
       > Die Grünen kritisieren, dass nicht mehr ehemalige Ortskräfte kommen
       > dürfen.
       
 (IMG) Bild: Spanisches Militär bei der Ankunft von Evakuierten aus Afghanistan auf dem Flughafen Madrid-Torrejón
       
       Berlin taz/afp | Nicht nur für die Bundesrepublik und andere Staaten waren
       afghanische Mitarbeiter*innen bis zur Machtübernahme durch die Taliban
       tätig, sondern auch für die Europäische Union. Bis Ende August wurden nach
       EU-Angaben 430 dieser Ortskräfte und deren Angehörige aus dem Land
       evakuiert. Sie landeten zunächst in Spanien. Von dort sollten sie auf
       Mitgliedsstaaten verteilt werden, die sich freiwillig zur Aufnahme bereit
       erklären.
       
       Jetzt ist klar, wie viele von ihnen nach Deutschland kommen dürfen: Die
       Bundesregierung hat 60 der ehemaligen EU-Mitarbeiter*innen eine
       Aufnahmezusage erteilt. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf
       eine Schriftliche Frage der Bundestagsabgeordneten Irene Mihalic hervor,
       die der taz vorliegt.
       
       In den Augen der Innenpolitikerin ist das zu wenig. „Es ist schon traurig,
       dass Deutschland trotz des mitverschuldeten Desasters rund um die
       Ortskräfte in Afghanistan sich so unvornehm zurückhält, wenn es darum geht
       diese Menschen und ihre Familien hier aufzunehmen“, sagte sie der taz. „60
       Ortskräfte und deren Familien, das ist eine Zahl, die in keiner Weise die
       wahrgenommene Verantwortung für dies Menschen gerade in den letzten Monaten
       zum Ausdruck bringt.“
       
       Das erste Evakuierungsflugzeug mit 36 Ex-Mitarbeiter*innen an Bord war
       [1][laut einem Bericht des Guardian] am 19. August auf dem spanischen
       Luftwaffenstützpunkt Madrid-Torrejón gelandet. Dem Bericht zufolge sollten
       diese Passagiere nach Deutschland, Dänemark, Polen und Litauen verteilt
       werden. Bis zum Ende der EU-Evakuierungsaktion rund eine Woche später
       konnten allerdings nicht alle Ortskräfte aus dem Land geholt werden. So
       blieben nach EU-Angaben unter anderem mindestens 300 Ex-Mitarbeiter*innen
       der europäischen Polizeiausbildungsmission zurück.
       
       Die Bundesregierung stand zuletzt in der Kritik, da sie [2][nur wenige
       afghanische Mitarbeiter*innen deutscher Institutionen] aus dem Land
       geholfen hat. Nach aktuellen Angaben der Bundesregierung sind bis Mitte
       August nur 272 dieser Ortskräfte und deren Angehörige nach Deutschland
       eingereist. Die Zahl könnte in den nächsten Wochen noch steigen, auch wenn
       nach dem Ende der militärischen Evakuierungsflüge aus Kabul nur noch wenige
       Betroffene das Land verlassen konnten.
       
       So sind nach Angaben des Außenministeriums am vergangenen Wochenende 50
       Personen auf dem Landweg nach Pakistan ausgereist. „Man könnte sich
       wünschen, es geht noch schneller“, sagte eine Außenamts-Sprecherin. Es
       zeigten sich ihrer Ansicht nach aber die Bemühungen für
       Ausreisemöglichkeiten auf dem Luft- und Landweg, „an denen wir weiter
       arbeiten“.
       
       21 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.theguardian.com/world/2021/aug/20/spain-offers-itself-as-hub-for-eus-afghans
 (DIR) [2] /Rettung-aus-Afghanistan/!5794135
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ortskräfte
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) EU
 (DIR) Innenministerium
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schicksal einer Ortskraft in Afghanistan: „Warum haben sie uns vergessen?“
       
       Masoud Azami war Ortskraft in Afghanistan. Seit Wochen versteckt er sich in
       Kabul, hat Angst um sich und seine Kinder. Wie konnte das passieren?
       
 (DIR) Unternehmerinnen in Afghanistan: Die Firma dem Sohn übertragen?
       
       Für manche afghanische Firmenbesitzerin kommt Flucht nicht in Frage. Sie
       wollen ihre weiblichen Angestellten nicht mit den Taliban allein lassen.
       
 (DIR) Kabuls Bürgermeister über Taliban: „Wir müssen den Taliban helfen“
       
       Kabuls Bürgermeister Mohammad Daud Sultanzoy arbeitet seinen
       Taliban-Nachfolger ein. Er erklärt, warum die Regierung neu besetzt werden
       muss.
       
 (DIR) Afghanistan nach dem Machtwechsel: Taliban verbreiten Angst
       
       Ein Bericht wirft den afghanischen Taliban gezielte Tötungen von
       Ex-Soldaten, die Blockade von Hilfslieferungen und die Unterdrückung von
       Frauen vor.
       
 (DIR) Geflüchtete aus Afghanistan: Unfreiwillige Weiterreise
       
       In Ramstein sitzen afghanische Ortskräfte deutscher Institutionen auf der
       US-Air-Base fest. Sie dürfen den Luftwaffenstützpunkt nicht verlassen.
       
 (DIR) Afghanische Ortskräfte in Deutschland: Sicher, aber verzweifelt
       
       Mehrere Tausend afghanische Ortskräfte sind in Deutschland. Ihre Sorgen
       bleiben – denn viele mussten Familienmitglieder zurücklassen.
       
 (DIR) Rettung aus Afghanistan: Die private Luftbrücke
       
       Von Berlin aus versuchen Aktivist*innen, Menschen aus Afghanistan zu
       retten. Von der Bundesregierung fühlen sie sich ausgebremst. Haben sie
       damit recht?