# taz.de -- AfD bei der Bundestagswahl: Machtkampf um Spitzenkandidatur
       
       > Alice Weidel will gemeinsam mit Parteichef Chrupalla die AfD in den
       > Bundestagswahlkampf führen. Co-Chef Meuthen unterstützt ein anderes Duo.
       
 (IMG) Bild: Hat gute Chancen, Spitzenkandidatin der AfD zu werden: Alice Weidel
       
       Berlin taz | Nun also doch. Kurz vor Ablauf der Frist wirft
       AfD-Fraktionschefin Alice Weidel ihren Hut für die Spitzenkandidatur im
       Bundestagswahlkampf in den Ring. „Die Spitzenkandidatur mit [1][Tino
       Chrupalla] werde ich wohl machen“, sagte Weidel in der am späten
       Dienstagabend ausgestrahlten ZDF-Talkshow „Markus Lanz“. Weidel hatte sich
       lange bedeckt gehalten, intern aber war bereits darüber spekuliert worden,
       dass sie gemeinsam mit dem sächsischen Co-Parteichef Chrupalla antreten
       könnte.
       
       Damit steht der [2][AfD] ein Lagerkampf um die Spitzenkandidatur bevor.
       Denn zuvor hatte sich die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar aus Hessen
       gemeinsam mit dem pensionierten Generalleutnant Joachim Wundrak aus
       Niedersachsen darum beworben.
       
       „Mir ist an einer Lösung gelegen, die die AfD in ihrer Breite abbildet, mit
       der sich die Basis der AfD und unsere Wähler identifizieren können“, teilte
       Cotar am Dienstag mit. Sie habe Chrupalla angeboten, mit ihm ein Team zu
       bilden, doch das habe dieser abgelehnt. „Da auch kein anderes Team ins
       Rennen gegangen ist, das diesem Anspruch gerecht wird, haben Herr Wundrak
       und ich uns entschieden, uns gemeinsam für die Spitzenkandidatur zur Wahl
       zu stellen“, so Cotar weiter.
       
       Cotar wird von Chrupallas Co-Parteichef Jörg Meuthen unterstützt, der auf
       ein gemeinsame Kandidatur Cotars mit Chrupalla gesetzt hatte. Dann wäre die
       AfD mit einem Duo in die Wahl gezogen, das nicht nur nach den Kriterien
       Frau/Mann und Ost/West quotiert gewesen wäre, sondern in dem auch beide
       Flügel der Partei vertreten gewesen wären. Das ist nun bei keinem der
       beiden Kandidatenteams der Fall.
       
       ## Weidel und Chrupalla haben wohl die besseren Chancen
       
       Weidel und der „Flügel“-nahe Chrupalla stehen in dem zugespitzten, internen
       Machtkampf, der die Partei seit Monaten lähmt, auf der gleichen Seite – in
       Opposition zu Meuthen. Sie werden auch vom formal aufgelösten,
       rechtsextremen „Flügel“ um den Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn
       Höcke unterstützt.
       
       Cotar und Wundrak stehen dagegen auf der Seite des Meuthen-Lagers. „Wir
       wollen die AfD als Partei positionieren, die für konservative, patriotische
       und freiheitliche Werte steht und für breite Schichten unseres Volkes eine
       politische Alternative zu den Alt-Parteien darstellt“, so Cotar.
       
       Weidel und Chrupalla aber werden parteiintern die weitaus größeren Chancen
       eingeräumt, weil sie bekannter und erfahrener sind und auch von den
       Ostverbänden unterstützt werden. Bis Mittwoch 12 Uhr können noch weitere
       Duos ihre Kandidatur anmelden, dann entscheiden die Mitglieder zwischen dem
       17. und dem 24. Mai in einer Online-Befragung.
       
       ## In der Bundestagsfraktion umstritten
       
       Anders als die drei anderen Kandidat:innen hat Weidel allerdings noch
       keinen Spitzenplatz auf einer Landesliste, Baden-Württemberg hat diese noch
       nicht aufgestellt. In ihrem eigenen Landesverband hat die Landeschefin
       erbitterte Gegner, ein Selbstläufer ist Listenplatz eins für sie nicht.
       
       Auch in der Bundestagsfraktion ist Weidel umstritten. Ihr werden
       Führungsschwäche und häufige Abwesenheit nachgesagt, zudem ist sie in eine
       Spendenaffäre verstrickt. Sie war bei der Bundestagswahl 2017 gemeinsam mit
       Alexander Gauland als Spitzenkandidatin angetreten, die AfD zog mit 12,6
       Prozent erstmals in den Bundestag ein.
       
       Manche in der Partei zweifeln daran, dass der oft hölzern wirkende
       Chrupalla das Zeug zum Spitzenkandidaten hat. Doch der sächsische
       Landesverband hat ihn auf Listenplatz eins gewählt. Das gilt auch für
       Wundrak, der bislang ranghöchste ehemalige Soldat in der AfD, in
       Niedersachsen. Seine Parteimitgliedschaft hatte er erst nach seinem
       Ausscheiden aus der Bundeswehr öffentlich gemacht. Cotar ist
       digitalpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Mitglied im
       Bundesvorstand und Nummer Zwei der hessischen Landesliste für die
       Bundestagswahl.
       
       5 May 2021
       
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