# taz.de -- Wahlfarce in Aserbaidschan: Angezählter Autokrat
       
       > In Aserbaidschan wurde gewählt: Auch dieses Mal wurde schamlos
       > manipuliert, betrogen und gefälscht. Doch die jüngere Generation wehrt
       > sich.
       
 (IMG) Bild: Aserbaidschans Autokrat Ilham Alijew nach der Stimmabgabe
       
       Die Partei von Aserbaidschans autokratischem Dauerherrscher Ilham Alijew
       hat bei der Parlamentswahl – wieder einmal – einen [1][überzeugenden Sieg]
       hingelegt. Doch was der wert ist, wird sich erst noch zeigen. Auch dieses
       Mal wurde schamlos manipuliert, betrogen und gefälscht. Und das alles unter
       Einsatz des gesamten plumpen Instrumentariums, das bisher noch für jede
       Abstimmung seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 charakteristisch war.
       
       In der Vergangenheit konnten Alijew und sein Klan die Mehrheit der Menschen
       noch in Schach halten und durchregieren. Fragt sich, wie lange noch. Denn
       es beginnt sich, wenn auch langsam, etwas zu ändern in der
       Südkaukasusrepublik. Immer öfter entlädt sich der wachsende Unmut der
       Bevölkerung angesichts endemischer Korruption in den Kreisen der
       Herrschenden, Rechtlosigkeit und grassierender Armut in Protesten.
       
       Bislang antwortet das Regime mit Polizeieinsätzen, Festnahmen sowie
       sonstigen [2][Repressionen gegen Andersdenkende]. Dieses brutale Vorgehen
       verliert offensichtlich seine abschreckende Wirkung. Das zeigt der Umstand,
       dass sich bei dieser Wahl erstmals viele junge und Alijew gegenüber
       kritisch eingestellte Leute um ein Mandat beworben haben. Klug genug zu
       wissen, dass ihre Chancen, gewählt zu werden, gleich null waren, haben
       diese Kandidaten dennoch ihre Chance vor allem im Wahlkampf genutzt. Von
       den staatlichen Medien komplett ignoriert, sind sie von Haus zu Haus
       gegangen und haben sich die Sorgen der Menschen angehört. Ihre Botschaft
       ist eindeutig: Seht her, wir stehen, auch wenn wir jetzt noch nicht zum
       Zuge kommen, für Veränderungen und damit für ein anderes Aserbaidschan.
       
       Ilham Alijew täte gut daran, diese Stimmen nicht zu ignorieren. Besonders
       dann nicht, wenn er versuchen sollte, seine Ehefrau Mehriban, die schon
       jetzt Vizepräsidentin des Landes ist, mit weiteren Vollmachten
       auszustatten. Einen derart dreisten Versuch, einen geschmeidigen
       Machttransfer innerhalb der Familie zu organisieren, werden ihm viele
       Vertreter der jungen Generation nicht mehr durchgehen lassen. Der Autokrat
       ist angezählt – trotz einer absoluten Mehrheit im Parlament.
       
       10 Feb 2020
       
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