# taz.de -- Journalistin Röpke über Einschüchterung: „Wut und Hass scheinen grenzenlos“
       
       > Niedersachsens AfD will der Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke
       > Vorträge an Schulen verbieten. Ein Gespräch über Radikalismus und
       > Aufklärung.
       
 (IMG) Bild: Zu kritisch für die AfD: Fachjournalistin Andrea Röpke
       
       taz: Frau Röpke, ist es unangemessen, Ihnen zu gratulieren? 
       
       [1][Andrea Röpke]: Warum denn das?
       
       Die [2][AfD-Fraktion in Niedersachsen verlangt, dass Sie an Schulen keine
       Vorträge mehr halten dürfen]. Die AfD gegen sich aufzubringen – das klingt
       wie eine Auszeichnung. 
       
       Schön wär’s, doch leider ist das, was die AfD treibt, sehr ernst zu nehmen.
       Auch in Niedersachsen fallen immer wieder radikale Aussagen, die eine
       Umformung unserer Gesellschaft fordern. Da sollten wir hinhören und
       aufpassen. Die Partei will auch nicht nur mich, sondern alles, was kritisch
       gegenüber rechts ist, aus den Schulen verbannen. Jeder, der sich ihnen in
       den Weg stellt, wird angegriffen.
       
       Wie funktioniert das genau? 
       
       Wer der AfD durch Argumente gefährlich wird, muss damit rechnen,
       gebrandmarkt zu werden. Das ist reine Strategie – sie lenken so von einer
       inhaltlichen Diskussion ab, die nicht in ihrem Sinne läuft.
       
       Die AfD-Fraktion wirft Ihnen vor, Linksextremistin zu sein, weil sie
       Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sind. 
       
       Ich glaube kaum, dass ich immer wieder als Sachverständige in die
       NSU-Untersuchungsausschüsse eingeladen würde, wenn ich eine
       Linksextremistin wäre. Und [3][das Sozialministerium in Hannover hätte dann
       wohl auch kein Präventionsprojekt] mit Kollegen und mir durchgeführt …
       
       Die AfD betreibt [4][Lehrer-Denunziationsportale], in [5][Hamburg machte
       sie ein Schulprojekt der Ida-Ehre-Schule zum Thema im Parlament]. Warum
       stehen Schulen so stark im Fokus der AfD? 
       
       Schon die klassischen Neonazi-Strukturen wollten ran an die Jugend – etwa
       mit der Schulhof-CD. Außerparlamentarische SympathisantInnen wie die
       rechtsextreme Identitäre Bewegung ködern heute mit modernen Medien, etwa
       mit Youtube. Es ist aber spannend zu sehen, wie der niedersächsische
       [6][AfD-Landtagsabgeordnete Harm Rykena] agiert.
       
       Und zwar? 
       
       Er ist Pädagoge. Rykena kritisiert andere, nimmt aber selbst keine Stellung
       zu seiner Nähe zu aggressiven Rechtsextremisten.
       
       Haben Sie Belege für diese Anschuldigung? 
       
       Rykena ist mit gewaltbereiten Neonazis am 1. September 2018 bei dem
       berüchtigten [7][Aufmarsch in Chemnitz] dabei gewesen. Da habe ich ihn
       fotografiert, wie er in der ersten Reihe in der Nähe von
       [8][AfD-Rechtsaußen Björn Höcke] mitmarschierte. Die AfD ist in einigen
       Kreisverbänden fest in der Hand von Pädagogen und Studienräten.
       
       Der aktuelle Streit mit der AfD dreht sich um einen Vortrag an einem
       Gymnasium in Twistringen. Der [9][AfD-Kreisvorsitzende in Diepholz, Andreas
       Iloff], wirft Ihnen vor, Sie hätten ihm Nähe zu Hasspostings unterstellt. 
       
       Ich habe in einer „Schule ohne Rassismus“ über mein „Jahrbuch rechte
       Gewalt“ referiert und über die bisher bekannten Umstände zum Mord an Walter
       Lübcke gesprochen. Die regionale AfD war keineswegs Thema im Kontext von
       Gewalt. Ich habe Facebook-Zitate von denen vorgestellt, um eine verdeckte
       Radikalisierung der Debatte zu verdeutlichen.
       
       Was sind das für Zitate? 
       
       Herrn Iloff habe ich unter anderem mit der Aussage zitiert, Deutschland
       werde auf die zwölf Jahre des Nationalsozialismus reduziert. Dabei kann er
       froh sein, dass ich nicht viel mehr über ihn gesagt habe.
       
       Was gibt es über Andreas Iloff noch zu sagen? 
       
       Er war zum Beispiel 2014 bei der aggressiven [10][„Hooligans gegen
       Salafisten“-Kundgebung in Hannover] dabei. Ich habe ihn früher schon dabei
       gefilmt, wie er den militanten Neonazi Thorsten Heise besucht hat. Das ist
       der Knackpunkt: Die AfD arbeitet mit Unterstellungen, geht aber selbst
       nicht auf handfeste Vorwürfe ein.
       
       Die AfD sagt, ihr liegt ein heimlicher Mitschnitt von dem Vortrag vor. Was
       halten Sie davon? 
       
       Das zeigt die unwürdige Praxis dieser Partei. Keine andere Partei im
       Parlament würde doch mit heimlichen Tonmitschnitten bei einer
       Schulveranstaltung agieren.
       
       Sie selbst werden seit Jahren von Neonazis bedroht. Wird die
       Auseinandersetzung schärfer? 
       
       Es gibt keinen Aufmarsch, [11][an dessen Rand JournalistInnen nicht bedroht
       werden]. Auch beim Treffen des [12][völkisch-nationalistischen „Flügels“]
       der AfD 2018 gab es Drohungen gegen mich. „Röpke, wir kriegen dich“, schrie
       einer und machte vor den Augen der Polizei die Geste: Kopf ab. Wut und Hass
       scheinen grenzenlos.
       
       Wie sollten Politik und Zivilgesellschaft mit dem Rechtsruck umgehen? 
       
       Die Reaktion der AfD in Niedersachsen zeigt, dass schon eine kleine
       Schulveranstaltung sie verwundet. Wir müssen uns selbstverständlich das
       Recht herausnehmen, über antidemokratische Tendenzen aufzuklären – über sie
       und ohne sie.
       
       Sie wollen nicht mit Rechten reden? 
       
       Es gehört zur journalistischen Sorgfalt, sie mit aufwendigen Recherchen zu
       konfrontieren. Darüber hinaus sollten wir Grenzen aufzeigen und uns darauf
       konzentrieren, unsere weltoffene Zivilgesellschaft zu informieren und vor
       allem zu stärken. Wir sind auch den Menschen verpflichtet, die Angst haben,
       sobald rechte Akteure im Raum sind. Wir lassen uns von den Rechten
       ausnutzen, dabei sollte längst klar sein, dass sie alles andere als eine
       Diskussion mit uns wollen.
       
       11 Jul 2019
       
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