# taz.de -- Gebertreffen für Einsatztruppe „G5-Sahel“: Viel Geld gegen den Terror
       
       > Die EU-Kommission finanziert eine gemeinsame Antiterrorgruppe für die
       > Sahelregion. Auch die Enwicklungshilfe soll gefördert werden.
       
 (IMG) Bild: Sind zufrieden: Mahamat, Mogherini, Issoufou und Diplomat Lacroix bei der Pressekonferenz
       
       BRÜSSEL taz | Die EU-Kommission ist hochzufrieden. „Wir haben eine sehr
       klare, sehr starke Botschaft der Unterstützung für die Sahelregion
       entsandt“, freute sich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Sie
       äußerte sich zum Abschluss des Gebertreffens für die geplante gemeinsame
       Antiterrortruppe „G5-Sahel“ der fünf Sahelstaaten, Burkina Faso, Mali,
       Mauretanien, Niger und Tschad, das am Freitag am Rande des informellen
       EU-Gipfels in Brüssel stattfand.
       
       Die 32 Staatschefs und 60 Delegationen auf der Sahelkonferenz sagten 414
       Millionen Euro zu, um die Truppe einsatzfähig zu machen. Die wichtigsten
       Geber sind die EU und ihre Mitgliedstaaten (176 Millionen), Saudi-Arabien
       (100 Millionen), die USA (50 Millionen) und die Vereinigten Arabischen
       Emirate (30 Millionen). Der Finanzbedarf war zuvor mit 423 Millionen
       angegeben worden.
       
       Die Truppe G5-Sahel, die vergangenes Jahr ins Leben gerufen wurde, soll
       5.000 Mann umfassen – in Bataillon pro Teilnehmerstaat – und die 4.000 Mann
       starke französische Antiterrortruppe Barkhane ablösen, die derzeit in Mali,
       Niger und Tschad Dschihadisten bekämpft. Deswegen hat Frankreich ein
       besonderes Interesse daran.
       
       Das großzügige arabische Engagement erklärt sich, so die Einschätzung des
       französischen Militärexperten Philippe Chapleau, mit Druck aus Paris und
       Washington auf Saudi-Arabien, das sich Vorwürfen der Bombardierung von
       Zivilisten in Jemen und der Förderung dschihadistischer Gruppen in Syrien
       und indirekt auch im Sahel ausgesetzt sieht.
       
       „Ein Wettlauf gegen die Zeit“ 
       
       Die hohen Finanzzusagen sind aber nur ein Anschub. Die
       sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Region sind enorm, sagt der
       Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki, ehemaliger
       Außenminister des Tschad. Es gehe um den Kampf gegen Terroristen, Drogen-
       und Menschenschmuggler auf einer Fläche von 5 Millionen Quadratkilometern.
       
       „Insgesamt gilt es, 28.000 Kilometer Staatsgrenzen zu schützen“, erklärt er
       und warnt: „Sie [die Dschihadisten, d. Red.] wissen, dass eine Truppe
       aufgebaut wird, und das ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Ich erwarte eine
       Zunahme von Angriffen. Sie werden nicht untätig bleiben, sie werden den
       Druck erhöhen.“
       
       Präsident des G5-Sahel-Bündnisses ist Nigers Präsident Mahammadou Issoufou.
       Er betont die Notwendigkeit einer Finanzierung auf Dauer – nicht nur die
       423 Millionen Euro zur Herstellung der Einsatzfähigkeit der Truppe, sondern
       danach Einsatzkosten von 115 Millionen Euro pro Jahr. „Man weiß nicht, wie
       lange dieser Kampf gegen den Terror und das organisierte Verbrechen dauern
       wird“, warnt er und verweist darauf, dass die USA und Russland seit drei
       Jahren den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien bekämpften.
       
       Außerdem betont Issoufou: „Es ist das libysche Chaos, das der Grund für die
       Verschlechterung der Sicherheitslage im Sahel ist. Solange der libysche
       Brandherd nicht gelöscht wird, wird es also sehr schwer sein, den Sahel zu
       stabilisieren.“ Ganz Diplomat, weist der Präsident nicht auf die
       Verantwortung der Europäer bei der Zerstörung des libyschen Staatswesens
       2011 hin. Er wünscht sich aber diplomatische Unterstützung, um die G5-Sahel
       mit einem Eingreifmandat der UNO gemäß Kapitel VII der UN-Charta
       auszustatten.
       
       Viele Fragen sind ungeklärt 
       
       „Das ist sehr wichtig, damit jeder Teilnehmerstaat das Recht hat, auf dem
       gesamten Territorium aller G5-Sahel-Länder agieren zu können“, erklärt
       Issoufou. Die Truppe könnte auch in eine Eingreifbrigade der UN-Mission in
       Mali (Minusma) umgewandelt werden.
       
       Noch sind viele technische Fragen zu klären. Die G5-Sahel hat bei ihrem
       letzten Gipfel in Niger am 6. Februar eine Finanzstruktur entwickelt, in
       die das zugesagte Geld fließen soll, aber die EU hat jetzt ein eigenes
       Koordinationszentrum zum Sammeln der Gelder. An wen schickt also ein
       Geber seinen Scheck? Die EU will nämlich über die Eingreiftruppe hinaus
       entwicklungspolitische Projekte in der Region fördern.
       
       „Die Herausforderungen der Unsicherheit, der Entwicklung und der Stabilität
       der Sahelregion gehen weit über die Region hinaus“, sagt Mogherini. „Die
       Auswirkungen der Präsenz von Rebellen, Waffen- und Menschenschmugglern und
       terroristischer Gruppen sind bis Europa und darüber hinaus spürbar.“
       
       6 Milliarden Euro zur Finanzierung von 500 Entwicklungsprojekten sollen von
       Frankreich, Deutschland, der EU, Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank,
       dem UN-Entwicklungsprogramm, Italien, Spanien und Großbritannien in einer
       „Allianz Sahel“ zusammengeführt werden. Dabei geht es um die Förderung der
       Gebiete, die am meisten von Terrorgruppen bedroht sind – etwa mit der
       Schaffung von Arbeitsplätzen, ländlicher Entwicklung, Ernährungssicherheit
       und guter Regierungsführung. Dafür gibt es eine weitere Geberkonferenz, die
       voraussichtlich im Juni stattfinden wird.
       
       25 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) François Misser
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Entwicklungszusammenarbeit
 (DIR) Federica Mogherini
 (DIR) Mali
 (DIR) EU
 (DIR) Niger
 (DIR) Burkina Faso
 (DIR) Terrorabwehr
 (DIR) Sahel
 (DIR) Tschad
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
 (DIR) Afrobeat
 (DIR) MINUSMA
 (DIR) Mali
 (DIR) Lesestück Meinung und Analyse
 (DIR) Afrika
 (DIR) Entwicklungszusammenarbeit
 (DIR) Tschad
 (DIR) Tschad
 (DIR) Europa
 (DIR) Afrika
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sahel-Gipfel in Frankreich: Macron allein in der Wüste
       
       Auf einem Antiterrorgipfel will Macron eine Koalition gegen Islamisten in
       Afrikas Sahelzone schmieden. Aber niemand hat so richtig Lust.
       
 (DIR) Sahelzone und Islamismus: Protest gegen Profiteure
       
       Die wenig effiziente ausländische Einmischung in Afrika beim Kampf gegen
       die Islamisten stößt bei der lokalen Bevölkerung auf immer mehr Unmut.
       
 (DIR) Eingreiftruppe G5-Sahel in Mali: EU-finanzierte Truppe tötet Zivilisten
       
       Die UN-Mission in Mali bestätigt, dass Soldaten der multinationalen
       Sahel-Eingreiftruppe „G5-Sahel“ schwere Menschenrechtsverletzungen begehen.
       
 (DIR) Massaker in Mali: IS strahlt nach Westafrika aus
       
       Eine Serie ethnischer Massaker verschärft Malis Krise. Mitverantwortlich:
       Eine Untergruppe des „Islamischen Staates“, die neuerdings aktiv ist
       
 (DIR) Aus Le Monde diplomatique: Mit Dschihadisten verhandeln?
       
       In Asien und Afrika werden muslimische Terroristen als Kämpfer ernst
       genommen. Experten raten dazu, mit ihnen zu reden, statt sie umzubringen.
       
 (DIR) Aktivist über Sklaverei in Mauretanien: „Gegensatz zum Wesen des Islam“
       
       In Mauretanien gibt es bis heute Sklaverei. Der Politiker Biram Dah Abeid
       spricht über seinen Kampf dagegen und die Instrumentalisierung der
       Religion.
       
 (DIR) Hilfsgelder der Europäischen Union: Abschottung geht vor Entwicklung
       
       Haushaltskommissar Oettinger will die Hilfe für arme Länder künftig
       außenpolitischen Zielen unterordnen. Europaparlamentarier laufen Sturm
       dagegen.
       
 (DIR) Oppositioneller über den Tschad: „Auf dem Weg in eine Diktatur“
       
       Saleh Kebzabo sieht sein Land in einer schweren Krise. Für die
       internationale Gemeinschaft spielt der Tschad die Rolle eines Gendarmen.
       
 (DIR) US-Einreiseverbot und Antiterrorkampf: Tschads Außenminister „verblüfft“
       
       Der Tschad ist ein strategischer Partner in der Sahelzone und Empfänger von
       US-Militärhilfe. Auf der Liste für Einreiseverbote landete das Land
       trotzdem.
       
 (DIR) Abschottung Europas in Libyen: Jetzt wird’s ernst
       
       Ausbildung der Grenzpolizei, Deportationen nach Niger, Präsenz in der
       Wüste: Das sind die Maßnahmen der EU zur Flüchtlingsabwehr.
       
 (DIR) EU finanziert afrikanische Eingreiftruppe: Patrouille auf dem Dschihad-Highway
       
       Eine neue G5-Eingreiftruppe soll für Migrations- und Terrorabwehr sorgen.
       Stehen deutsche Grenzschützer bald in der Sahara?