# taz.de -- Berliner Wochenkommentar I: Warten auf ein Signal
       
       > Gerade von der Berlinale, die sich gerne als politisches Festival gibt,
       > werden in Sachen #MeToo Positionen erwartet. Die blieben zumindest bei
       > der Eröffnung aus.
       
 (IMG) Bild: Anke Engelke und Dieter Kosslick eröffneten am Donnerstagabend die 68. Berlinale.
       
       So ein bisschen Endzeitstimmung herrscht schon bei dieser Berlinale, die am
       Donnerstagabend eröffnet wurde. Zum einen wegen der #MeToo-Debatte:
       Schließlich ist das Filmfestival das erste große seiner Art, seit sich
       diese Emanzipationsbewegung artikuliert. Und gerade von der Berlinale, die
       gerne das Schild vom politischen Filmfest vor sich herträgt, werden
       Positionen und Diskussionen erwartet. Allerdings bleibt nach der Eröffnung
       das Gefühl zurück, dass bei der Berlinale die Debatte mindestens ebenso
       gefürchtet wie erhofft wird.
       
       Zum anderen sind es die letzten richtigen Spiele mit Chef Dieter Kosslick.
       Zwar läuft dessen Vertrag noch bis Frühling kommenden Jahres. Aber es ist
       klar, dass lange vor 2019 sein Nachfolger feststehen wird.
       
       So hat Kosslick, mit seinen Kalauern und seinem Pidgin-English das
       Markenzeichen des Filmfests, bei der Eröffnungsgala nur einen gerade mal
       fünfminütigen Auftritt, der auch noch mit einem echt schlechten Spruch
       endet. Und allen Danksagungen der anderen Redner – darunter Berlins
       Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kulturstaatssekretärin
       Monika Grütters (CDU) – in Richtung Kosslick zum Trotz wirkt der
       Noch-Berlinale-Chef seltsam abwesend.
       
       Ähnliches lässt sich über die #MeToo-Debatte sagen: Zwar trägt an diesem
       Donnerstagabend jede und jeder, der etwas auf sich hält, als Zeichen des
       Protests Schwarz. Aber es fehlt dann doch ein klares Signal. So erhält
       Grütters nur dezenten Applaus für ihre Ankündigung, die Gründung einer
       Beschwerdestelle gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe in der
       Filmbranche zu finanzieren.
       
       Am Ende ist Moderatorin Anke Engelke sichtlich erleichtert, alles gut
       überstanden zu haben. „Wir hatten ein bisschen Bammel, weil so eine
       schwarze Wolke über dem Abend hing“, sagte sie mit Blick auf die
       #MeToo-Debatte.
       
       17 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bert Schulz
       
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