# taz.de -- Koalition von CDU, FDP und Grünen: Wo geht Jamaika, wo nicht?
       
       > taz-Fachautoren haben sich angesehen, bei welchen Themen Schwarze, Gelbe
       > und Grüne noch Kompromisse finden müssen. Die Bewertung im Überblick.
       
 (IMG) Bild: Ihn macht Jamaika auch eher skeptisch
       
       ► Rüstung: Wettstreit zwischen Schwarz-Gelb und Grün
       
       Bei den Waffen wird es schwierig: Aus der Opposition heraus empörten sich
       die Grünen im Monatsrhythmus über Genehmigungsentscheidungen der
       Bundesregierung und forderten ein neues Rüstungsexportgesetz, dessen
       Eckpunkte restriktivere Kriterien und größere Transparenz sein sollen.
       Sowohl Union als auch FDP stehen dagegen der Rüstungsindustrie nahe und
       werden den Grünen nicht weit entgegenkommen.
       
       Auch beim Verteidigungshaushalt gehen die Vorstellungen auseinander. Die
       Union will ihn in Richtung 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen, die
       Grünen nicht. Ein Kompromiss könnte im Vorschlag der FPD liegen: Sie
       fordert insgesamt 3 Prozent – aber nicht nur für Militärausgaben, sondern
       auch für Entwicklung und Krisenprävention. Dafür wollen die Liberalen aber
       auch die Bundeswehr noch häufiger in Auslandseinsätze schicken. Für die
       Grünen ist das zwar schon lange kein generelles No-Go mehr, in Einzelfällen
       könnte es aber Konflikte geben – vielleicht schon, wenn zum Jahresende das
       aktuelle Mandat für den Anti-IS-Einsatz ausläuft.
       
       Die Konfliktlinien verlaufen aber nicht nur zwischen den Grünen auf der
       einen und Schwarz-Gelb auf der anderen Seite. Im Fall Russland zum Beispiel
       sind sich Union und Grüne grundsätzlich einig, hart zu bleiben und die
       Sanktionen aufrechtzuerhalten. FDP-Chef Christian Lindner sprach im
       Wahlkampf dagegen von ihrer Aufhebung.
       
       [1][TOBIAS SCHULZE] 
       
       ─────────────────
       
       ► EU: Streit um das liebe Geld 
       
       Jamaika liegt zwar nicht in Europa – aber in Brüssel schwören die
       Christdemokraten, Liberalen und Grünen, die EU liege ihnen ganz besonders
       am Herzen.
       
       Vor der Wahl hatte die CDU/CSU wichtige Fragen der Europapolitik – wie die
       Vollendung der Bankenunion oder die Zukunft der Eurozone – in ihrem
       Programm jedoch ausgeklammert. Ähnlich wie die FDP schließt sie jede
       Vergemeinschaftung von Schulden aus. Die Liberalen wollen zudem den unter
       CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble konzipierten „alternativlosen“
       Sparkurs fortsetzen und nicht „wettbewerbsfähige“ Länder wie Griechenland
       gar aus dem Euro werfen können – womit sie einen Berührungspunkt mit der
       AfD haben.
       
       Die Grünen hingegen wollen Griechenland auf jeden Fall im Euro halten und
       die Währungsunion demokratischer machen. Es gebe aber „Schnittmengen“ mit
       der FDP, sagt der Europaabgeordnete Sven Giegold: Auch die Grünen lehnten
       „bedingungslose“ Transferzahlungen ab und wollten Investitionen fördern.
       
       Wer dafür zahlt? Entscheidend dürfte sein, wer den nächsten Finanzminister
       stellt. Bleibt Schäuble – oder wird er durch einen liberalen Kassenwart
       ersetzt–, können die Grünen viel von ihren Plänen für die Eurozone
       vergessen. Einen eigenen Kandidaten haben sie aber (noch) nicht.
       
       Allerdings stand die Europapolitik im grünen Wahlprogramm nur auf Platz
       sieben – hinter dem Kampf gegen Tierleid und Klimawandel.
       
       [2][ERIC BONSE] 
       
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       ► Verkehr: So läuft das nicht 
       
       Wenn drei Vertreter der Jamaika-Parteien auf der Autobahn führen, könnte es
       so aussehen: rechts mit 120 ein Grüner im Erdgas-Familienkombi, in der
       Mitte mit 150 ein CDUler in einer Mittelklasselimousine und auf der linken
       Spur ein Liberaler mit 180 im Luxusgeländewagen. Entsprechend sieht die
       Verkehrspolitik aus: Ein Tempolimit fordern nur die Grünen, die beiden
       anderen lehnen es vehement ab. Fahrverbote im Dieselskandal können sich die
       Grünen vorstellen, die anderen nicht. Während Grüne und Liberale eine
       Nachrüstung von Betrugsfahrzeugen auf Konzernkosten fordern, gab sich
       Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bislang mit einer weitgehend
       wirkungslosen Software-Aktualisierung zufrieden. Die Union will bislang an
       der Pkw-Maut festhalten, FDP und Grüne hassen sie.
       
       Große Differenzen auch beim Luftverkehr: Während die Grünen Nachtflüge
       einschränken wollen, lehnen dies Liberale und Union ab. Sie wollen auch
       nicht die Kerosinbesteuerung, die den Grünen am Herzen liegt.
       
       Den Bahnverkehr fördern wollen alle, aber die Grünen wollen explizit einen
       Deutschlandtakt und günstigere Tickets durch Senkung der Trassenpreise
       erreichen. Grüne und FDP können sich vorstellen, bei der Deutschen Bahn AG
       Netz und Betrieb zu trennen, um so für mehr Wettbewerb auf der Schiene zu
       sorgen. Die CDU, deren Exkanzleramtschef Ronald Pofalla jetzt im
       Bahnvorstand ist, dürfte dies verhindern.
       
       [3][RICHARD ROTHER] 
       
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       ► Familie: Ehe fördern – oder Kinder 
       
       Der Gradmesser für eine rückwärtsgewandte oder progressive Familienpolitik
       ist die Haltung zum Ehegattensplitting: Dieses Steuermodell fördert
       Einverdiener-Ehen – vor allem kinderlose – und benachteiligt
       Alleinerziehende. Die Folge: Alleinerziehende zahlen häufig mehr Steuern
       als traditionell aufgestellte Ehepaare.
       
       Die Grünen fordern schon lange, das zu ändern. Sie wollen das
       Ehegattensplitting zugunsten der Individualbesteuerung abschaffen. Zudem
       soll nach ihrem Wunsch das Kindergeld erhöht werden. So will die Partei,
       die auf Geschlechtergerechtigkeit setzt, vor allem Familien helfen und
       Kinderarmut vermeiden. In einer Jamaika-Koalition dürften sie mit dieser
       Forderung kaum durchdringen. Sowohl die CDU als auch die FDP setzen eher
       auf Konventionen.
       
       Allerdings kann sich keine Partei heute mehr Familienunfreundlichkeit
       leisten. Deshalb will die FDP die Steuerklasse V abschaffen (hoch
       besteuert) und setzt auf ein Kindergeld 2.0: Dieses soll bisherige
       Sozialleistungen wie Kinder- und Betreuungsgeld, Unterhaltsvorschuss und
       Bildungsgutscheine ersetzen. Das Kindergeld 2.0 sollen ausschließlich
       Menschen erhalten, die Kinder großziehen.
       
       Die Union verspricht ein höheres Kindergeld und das sogenannte
       Baukindergeld für Familien, die sich eine Wohnung kaufen oder ein Haus
       bauen wollen.
       
       [4][SIMONE SCHMOLLACK] 
       
       ─────────────────
       
       ► Agarpolitik: Beim Thema Tierhaltung wird es krachen 
       
       In Sachen Landwirtschaft liegen Union, FDP und Grüne weit auseinander. Es
       gibt nicht eine konkrete Forderung, die sich in allen drei Programmen
       wiederfindet. Für die Grünen war das Thema im Wahlkampf aber besonders
       wichtig, sie werden auf Zugeständnisse pochen.
       
       Krachen könnte es vor allem bei der Tierhaltung. Für die Grünen soll
       künftig auf der Fleischverpackung stehen, wie das Tier gehalten wurde,
       damit Verbraucher Bauern für Tierschutz belohnen können. Zudem fordert die
       Partei mehr Platz in Ställen und weniger Antibiotika.
       
       Die Union will den Tierschutz nur verbessern, wenn die ganze EU dabei
       mitzieht, was sehr unwahrscheinlich ist. Statt strengere Regeln wollen CDU
       und CSU ein staatliches Siegel für Produkte, die etwas tierfreundlicher
       erzeugt werden. Die FDP will mehr Tierschutz nur durch Subventionen
       erreichen. „Starre ordnungsrechtliche Vorgaben“ würden vor allem kleine
       Höfe überfordern.
       
       Überkreuz liegen die potenziellen Partner auch in der Frage, wie die
       milliardenschweren Agrarbeihilfen der EU zu verteilen sind: CDU und CSU
       versprechen den Bauern „Kontinuität“. Auch nach 2020 sollen sie
       Direktzahlungen erhalten, die pro Hektar Land gezahlt werden – und
       weitgehend unabhängig davon, wie umweltfreundlich es bewirtschaftet wird.
       Die FDP will gar die zuletzt erlassenen Umweltauflagen „kritisch
       begleiten“. Die Grünen dagegen wollen den Grundsatz „öffentliches Geld für
       öffentliche Leistung“ durchsetzen. Sprich: Die Bauern sollen mehr für
       Umwelt und Tiere tun, um Subventionen zu erhalten.
       
       [5][JOST MAURIN] 
       
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       ► Energie und Klima: Da gibt’s Hochspannung 
       
       Auf ein Energieprojekt könnte sich Schwarz-Gelb-Grün einigen: mehr
       Energieeffizienz. Aber in fast allen anderen Bereichen liegen die
       potenziellen Jamaika-Partner weit auseinander. Die FDP und der
       Wirtschaftsflügel der CDU wollen das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG
       abschaffen. Das haben der Liberale Hermann-Otto Solms und
       CDU-Wirtschaftssprecher Joachim Pfeiffer gegenüber der Zeitschrift neue
       energie erklärt. Ökostrom soll nicht mehr vorrangig ins Netz fließen, der
       Neubau soll sich an die Kapazität des Netzes anpassen.
       
       Die Grünen dagegen wollen die Erneuerbaren schnell ausbauen – bis 2030 soll
       der Strom zu 100 Prozent grün sein. Der Strommarkt soll auf die
       Ökobedürfnisse zugeschnitten werden. Ein möglicher Deal: mehr Ökostrom,
       dafür behalten die Unternehmen ihre Privilegien im EEG.
       
       FDP und CDU wollen Klimapolitik nur einem „konsequenten und gestärkten
       EU-Emissionshandel“. Dessen Neufassung für 2020 bis 2030 wird aber gerade
       in Brüssel festgezurrt. „Nationale Alleingänge“ wie einen Mindestpreis auf
       CO2 lehnen FDP und Union ab. Die Grünen sind dafür. Die Stromsteuer wollen
       dagegen alle senken oder abschaffen.
       
       Die Grünen wollen ein Klimaschutzgesetz, eine Regelung zum Ausstieg aus der
       Kohle und den Einsteig in den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Die FDP
       lehnt schon den weicheren „Klimaschutzplan 2050“ der Großen Koalition ab,
       ebenso wie das Aus für die Verbrenner. Angela Merkel legt sich naturgemäß
       nicht fest. Den Ausstieg aus der Kohle kann sich langfristig auch die Union
       vorstellen, die FDP hängt traditionell nicht sehr an der Kohle.
       
       Alle drei Parteien halten am Pariser Klimaabkommen fest. Doch dessen
       Umsetzung im „Klimaschutzplan 2050“ lehnt die FDP als staatlichen
       Dirigismus ab. Merkel dagegen bekennt sich zum Klimaziel minus 40 Prozent
       CO2 bis 2020. Dafür bräuchte es drastische Maßnahmen, etwa die von den
       Grünen geforderte Sofortabschaltung der 20 dreckigsten Kraftwerke. Die
       Zustimmung dafür könnte sich die FDP mit Zugeständnissen auf anderen
       Gebieten abkaufen lassen – etwa bei einer Steuerreform.
       
       [6][BERNHARD PÖTTER] 
       
       ─────────────────
       
       ► Flucht und Migration: Das wird schwierig 
       
       Für die CSU ist eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen Bedingung für einen
       Koalitionsvertrag. Die Forderung, die jährliche Aufnahme von Flüchtlingen
       auf 200.000 Menschen zu begrenzen, ist aber auch innerhalb der Union
       umstritten. Deshalb verlangt CSU-Chef Horst Seehofer von der
       Schwesterpartei CDU, noch vor Beginn von Koalitionsverhandlungen eine
       gemeinsame Linie abzustimmen.
       
       Nicht nur Angela Merkel, auch die Grünen lehnen eine „Obergrenze“ ab. Die
       Grünen wollen vielmehr den Familiennachzug für Flüchtlinge erleichtern.
       Kirchen und Flüchtlingsverbände drängen darauf, weil dieser die Integration
       erleichtere. Er wurde für Geflüchtete mit nur „subsidiärem Schutz“ aber bis
       März ausgesetzt und geht auch sonst nur schleppend voran. Die CSU will den
       Familiennachzug am liebsten ganz stoppen. Und die FDP will Angehörige von
       anerkannten Flüchtlingen nur dann nachziehen lassen, wenn zugleich mehr
       abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden. Das wird schwierig.
       
       Abschiebungen in Krisengebiete – wie nach Afghanistan – lehnen die Grünen
       strikt ab. Die Frage ist aber, wie sie das in einer Jamaika-Koalition
       verhindern wollen, wenn die Union wie bisher den Innenminister stellt.
       Schon mit ihren Stimmen im Bundesrat ist ihnen das ja nicht gelungen.
       
       „In so einer Koalition muss man ein starkes Gegengewicht setzen“, sagte die
       bisherige flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, am
       Dienstag der taz. Sie hat den Koalitionsvertrag zwischen CDU, FDP und
       Grünen in Schleswig-Holstein mit ausgearbeitet. Im Bund kommt nun
       allerdings noch die CSU hinzu. „Das wird nicht leicht“, weiß Amtsberg, und
       betont: „Wir müssen alles versuchen, um weitere Verschärfungen in der
       Asylpolitik zu verhindern.“
       
       Einigkeit zwischen FDP und Grünen herrscht allein in der Frage, ob es ein
       Einwanderungsgesetz braucht. Beide Parteien sind dafür – und für ein
       Punktesystem, um die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften zu steuern.
       Ihre Vorstellungen unterscheiden sich aber in einigen Details, außerdem
       müssten sie CDU und CSU noch davon überzeugen.
       
       [7][DANIEL BAX] 
       
       ─────────────────
       
       ► Bildung: Bund soll mehr tun
       
       Über Schulen und Unis herrschen die Länder. Das finden FDP und Grüne nicht
       mehr zeitgemäß. Sie wollen das Kooperationsverbot kippen und den Bund in
       die Pflicht nehmen. Doch die Union, vor allem die CSU, ist dagegen:
       Schulbildung bleibt Ländersache, heißt es im Regierungsprogramm. Wenn die
       FDP ihr Wahlversprechen von „weltbester Bildung“ aber irgendwie einlösen
       will, müssen die öffentlichen Bildungsinvestitionen in Deutschland steigen.
       Allein schaffen die Länder das nicht. Ein Schritt wird sein, die 5
       Milliarden Euro für digitalere Schulen freizugeben. Sie sind versprochen,
       aber noch nicht etatisiert.
       
       [8][ANNA LEHMANN] 
       
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       ► Sicherheit: Knifflig 
       
       Einen „Überwachungsrausch“ warfen die Grünen vor der Bundestagswahl der
       Bundesregierung vor. Staatstrojaner, Fluggastdatenerhebung, die neue
       Entschlüsselungsbehörde Zitis – all dies sei „massiv
       grundrechtsgefährdend“. Nun also sollen Union, Grüne und FDP hierbei
       gemeinsame Sache machen? Das wird knifflig.
       
       Einig ist sich das Trio: Es braucht mehr Polizisten, gerade angesichts der
       Terrorgefahr. 15.000 Beamte mehr will die Union – und FDP und Grüne gehen
       mit. Aber die Union fordert auch mehr Videoüberwachung, mehr Bundeswehr im
       Inneren, mehr Daten für die Sicherheitsbehörden sowie die Umsetzung der
       Vorratsdatenspeicherung – was sowohl Grüne als auch FDP aus
       Bürgerrechtsgründen ablehnen.
       
       Damit zeichnet sich ab, dass es bei der inneren Sicherheit ein Patt geben
       könnte: keine weiteren Verschärfungen, wie sie die Union will – aber auch
       keine Liberalisierungen, wie sie Grüne und Liberale fordern. Denkbar sind
       anstelle dessen kleine Kompromisse. Mehr Prävention gegen Extremismus etwa,
       die alle wollen. Einen begrenzten Einsatz von Videokameras, den
       „anlassbezogen“ auch Grüne und FDP akzeptieren. Mehr Druck auf Gefährder,
       weil eine „gezielte“ Überwachung auch die Kleinen mittragen. Eventuell auch
       mehr Zentralisierung der Sicherheitsbehörden, jedenfalls mehr Befugnisse
       für das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin – ein Vorschlag de
       Maizières, der auch Grünen und FDP gefällt, allerdings in der Union auch
       Widerstand auslöst.
       
       [9][KONRAD LITSCHKO] 
       
       ─────────────────
       
       ► Fiskus: Joker für die FDP 
       
       Jamaika ist eine sichere Bank für Spitzenverdiener. Zwar wollen die Grünen
       höhere Steuern für Singles, deren Gehalt bei über 100.000 Euro liegt. Das
       aber ist für die FDP so akzeptabel wie eine Kiffpflicht für die CSU. Die
       FDP will den Spitzensteuersatz sogar senken, die Union will, dass er erst
       ab 60.000 statt ab 54.000 Euro greift. Auch eine von den Grünen präferierte
       Vermögenssteuer lehnen Union und FDP ab.
       
       Dafür steht es 2:1 pro Finanztransaktionssteuer – nur die FDP ist dagegen.
       Allerdings macht die Steuer auf Spekulationen nur Sinn, wenn andere Länder
       mitziehen. Deutschland müsste also mächtig Druck machen. Den hätte
       Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch schon unter der GroKo machen
       können. Insofern hat die FDP hier einen Joker: Sie könnte die
       Finanztransaktionssteuer schlucken und darauf vertrauen, dass ein von der
       CDU geführtes Finanzministerium die Sache einfach schleifen lässt.
       
       Ähnlich sieht es bei der Bankenregulierung aus. Konsens bei Union, FDP und
       Grünen ist, dass die Regeln für kleinere Banken vereinfacht werden sollen.
       Doch wie sieht es bei Großbanken aus? Ausgerechnet die FDP hat hierzu im
       Wahlprogramm keine Position. Die Grünen fordern unter anderem, dass große
       Banken mehr Kapital für Krisenzeiten vorhalten sollen – doch auch über die
       Frage wird europaweit entschieden. Ohne ein grünes Finanzministerium (wäre
       ein Wunder) ginge in Sachen schärferer Bankregulierung nichts.
       
       [10][INGO ARZT] 
       
       ─────────────────
       
       ► Daten schützen: Zwei sind dafür 
       
       Viele luftige Satzwolken – das ist es, was CDU und CSU in ihrem
       Wahlprogramm zu Digitalisierung und dem Schutz von Privatsphäre und
       persönlichen Daten beizutragen haben. Etwa: „Wir schaffen die
       ‚Gigabit-Gesellschaft‘.“ Aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte ja
       in den vergangenen Monaten und Jahren ausreichend Gelegenheit dazu, sich
       weitergehend zu äußern.
       
       Ein Beispiel? „Das Prinzip der Datensparsamkeit kann heute nicht die
       generelle Leitschnur sein für die Entwicklung neuer Produkte“ (IT-Gipfel,
       2016). Diese Position haben die Christdemokraten seitdem in verschiedenen
       Formulierungen wiederholt, aber der Kern bleibt: Es ist wichtiger, dass die
       Wirtschaft freien Umgang mit persönlichen Daten hat, als dass Verbraucher
       gut geschützt sind.
       
       Bei Grünen und FDP wird sie damit auf Widerstand stoßen – denn die beiden
       potenziellen Juniorpartner sind sich, was Datenschutz und Digitalisierung
       angeht, erstaunlich nahe. So wollen etwa beide den Anteil der Telekom, der
       sich derzeit noch im Besitz des Bundes befindet, verkaufen und damit den
       Breitbandausbau finanzieren.
       
       Beide Parteien sprechen sich für Netzneutralität aus, gegen
       Vorratsdatenspeicherung und für einen besseren Schutz persönlicher Daten.
       Die Freien Demokraten betonen etwa, dass persönliche Daten nur mit
       ausdrücklicher Einwilligung des Nutzers verwendet werden dürfen.
       
       Dabei stimmen beide Parteien keineswegs in allen Punkten überein. So setzen
       sich die Grünen für Open-Source-Software und freie Formate ein, die
       Förderung der Freifunkbewegung und eine bessere Reparierbarkeit von
       Elektronikprodukten – das dürfte mit der Wirtschaftsfreundlichkeit der FDP
       kollidieren.
       
       Doch Projekte, wie sie unter der schwarz-roten Koalitionsregierung
       verabschiedet wurden, wie etwa die Vorratsdatenspeicherung oder das
       Netzwerkdurchsetzungsgesetz, wären mit Grünen und FDP wohl nicht so einfach
       zu machen.
       
       [11][SVENJA BERGT]
       
       27 Sep 2017
       
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       Wie kriegt seine Partei Jamaika hin? Der Grüne Robert Habeck über Posten,
       rote Linien und über Cem, Katrin und Macron.
       
 (DIR) SPD und Linke in der Oppostion: Rot-Rot ist sich nicht grün
       
       Kaum ist Andrea Nahles Fraktionschefin der SPD, schon provoziert sie die
       Linke. Was wird jetzt aus dem Mitte-Links-Bündnis?
       
 (DIR) Mögliche Jamaika-Koalition: Wenn „News“ Politik machen
       
       Grüne und FDP bereiten sich auf ein Jamaika-Bündnis vor. Ein ominöses
       Dokument bringt Schwung in die Debatte um die Ressortvergabe.
       
 (DIR) Kolumne Wir retten die Welt: Eine unglaubliche Erfolgsbilanz
       
       Atomausstieg, Energiewende, happy Biohühner: Ohne uns gäbe es das alles
       nicht. Eine größenwahnsinnige Bilanz von 25 Jahren ÖWi-Redaktion.
       
 (DIR) Personaldebatte in der CSU-Fraktion: Seehofer – und wie weiter?
       
       Die Koalitionsverhandlungen in Berlin soll er noch führen. Dann aber: bitte
       ein geordneter Übergang. In der CSU-Fraktion klingt es nach Revolte.
       
 (DIR) Karibikspezialist über Koalitionsoptionen: „Jamaika heißt Wasserland“
       
       taz-Korrespondent Hans-Ulrich Dillmann über die Jamaika-Koalition, das Land
       selbst und was wir von dem Inselstaat lernen können.
       
 (DIR) Kolumne Liebeserklärung: Merkel ist eine Khaleesi
       
       Man muss nicht mit Merkels Politik einverstanden sein, um zuzugeben: Ihre
       Art, Politik zu machen, ist derzeit die einzig würdige.
       
 (DIR) Neuer Bundestagspräsident: Schäuble soll auf Lammert folgen
       
       Das Finanzministerium gibt sich bedeckt. Die Union will Wolfgang Schäuble
       für das Amt des Bundestagspräsidenten vorschlagen.
       
 (DIR) CSU nach der Wahl: Kritik aus den eigenen Reihen
       
       Forderungen nach seinem Rücktritt weist Horst Seehofer zurück. Die
       Grünen-Chefin Simone Peter lehnt derweil eine Obergrenze für Flüchtlinge
       ab.
       
 (DIR) Diskussion über Grüne und Jamaika: „Man muss ergebnisoffen rangehen“
       
       Der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland (Grüne) befürwortet
       Sondierungsgespräche seiner Partei über ein Jamaika-Bündnis.
       
 (DIR) Die Kanzlerin und die Bundestagswahl: Endet der Merkelismus?
       
       Das Kanzleramt ist ihr kaum zu nehmen. Bröckelt nach dem Wahlergebnis
       Angela Merkels Unbesiegbarkeitsmythos?
       
 (DIR) Die Grünen und Jamaika: Trittins Comeback
       
       Katrin Göring-Eckardt hatte angekündigt, dass der linksgrüne Jürgen Trittin
       nicht mit sondieren werde. Jetzt macht er es doch.
       
 (DIR) Kommentar Zukunft der Grünen: Falsch aufgestellt
       
       Die Grünen haben keinen Grund zum Jubeln. Sie haben ihre Ziele deutlich
       verpasst. Damit es nicht weiter bergab geht, müssten sie sich personell
       ergänzen.
       
 (DIR) FDP-Comeback im Bundestag: Wählerisch in Sachen „Koalition“
       
       Vier Jahre außerhalb des Parlaments haben die FDP erst so richtig
       durchstarten lassen. Auch weil sie versprochen hat, nicht in jede Koalition
       zu gehen.