# taz.de -- Hissène Habré vor Gericht: Ex-Diktator beschimpft seine Richter
       
       > Tumulte und der Rauswurf des Angeklagten begleiten den Auftakt des
       > historischen Prozesses gegen Tschads Ex-Diktator Hissène Habré.
       
 (IMG) Bild: Tschads Ex-Diktator nach einer Anhörung durch den Haftrichter in Dakar, 2013
       
       Berlin taz | Auf spektakuläre, aber nicht besonders konstruktive Weise hat
       am Montag in Senegals Hauptstadt Dakar der Prozess gegen Tschads
       Ex-Diktator Hissène Habré vor einem Sondertribunal begonnen. Der
       72-Jährige, gekleidet in ein weißes Gewand mit einem Turban auf dem Kopf,
       wurde gegen seinen Willen von Gefängniswärtern in den Gerichtssaal geführt
       und wenig später wieder hinausgebracht, nachdem er erklärte, das Gericht
       nicht anzuerkennen.
       
       „Nieder mit den Verrätern, nieder mit den Imperalisten!“ rief Habré, wie
       anwesende Journalisten auf Twitter berichteten. „Es ist eine Farce
       verkommener senegalesischer Politiker! Afrikanische Verräter! Lakaien
       Amerikas!“ Dann wurde er unsanft wieder aus dem Saal befördert und in seine
       Zelle im Justizpalast von Dakar gebracht. Als er später wieder
       hineingeführt werden sollte, weigerte er sich, und die Verhandlung musste
       unterbrochen werden.
       
       Zuvor hatten Habré-treue Demonstranten im Saal und in der Eingangshalle des
       Gerichtsgebäudes Sprechchöre gerufen, bis sie von der Polizei
       hinausgeworfen wurden. Einer sagte, er sei „traurig“ und „beschämt“ über
       den Prozess gegen den „Befreier des Tschad“. Ein anderer bezeichnete das
       Verfahren als „westliche Verschwörung“.
       
       In Abwesenheit des Angeklagten sowie seiner Anwälte, die die Eröffnung der
       Hauptverhandlung sowieso boykottierten, verlas der Chefankläger die
       wesentlichen Punkte der Vorbereitung des Prozesses: Anhörung von 2.000
       überlebenden Opfern der Habré-Diktatur, Begehung der Folterstätten im
       Tschad, Auswertung der Akten von Habrés gefürchteter Geheimpolizei DDS.
       
       „Ihre Abwesenheit wird nicht verhindern, dass es ein faires Verfahren
       gibt“, sagte er Habré, der aber nicht da war. „Ich lade Sie ein, zu
       erscheinen und Ihr Schweigen zu brechen, denn dieses entlastet Sie nicht.“
       
       Habrés Anwälte waren auf seine Instruktion hin der Eröffnungssitzung
       ferngeblieben. Es gilt nun als wahrscheinlich, dass das Gericht
       Pflichtverteidiger benennt, mit denen der Angeklagte dann die
       Zusammenarbeit verweigert. Die Strategie des Exdiktators besteht nach
       Meinung von Beobachtern darin, die Verhandlung gar nicht erst unter
       geordneten Umständen stattfinden zu lassen.
       
       Jacqueline Moudeina, tschadische Menschenrechtsanwältin und Vertreterin der
       Opfer bei dem Prozess, gab zur Eröffnung eine aufwühlende Erklärung ab.
       „Wir geben den Stimmlosen eine Stimme“, sagte sie. „Wir vertreten 4.445
       Opfer. Sie kämpfen mit der Kraft ihres Gewissens. Diesen Prozess führt die
       gesamte Menschheit“. Moudeina leitet im Tschad das Kollektiv der Opfer der
       Habré-Diktatur und setzt sich seit dem Sturz des Diktators 1990 dafür ein,
       ihn zur Rechenschaft zu ziehen.
       
       ## 40.000 Tote in acht Jahren
       
       Habré wird Folter und Mord sowie eine Reihe weiterer Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit vorgeworfen. Menschenrechtsgruppen zufolge fielen 40.000
       Menschen im Tschad der achtjährigen Herrschaft Habrés zum Opfer, viele
       davon auf bestialische Weise zu Tode gefoltert. Sein Regime wurde damals
       von Frankreich und den USA als Bollwerk gegen Gaddafis Libyen unterstützt.
       
       Die Foltermethoden werden im Prozess gegen Habré zur Sprache kommen, der
       unter dem Mandat der Afrikanischen Union (AU) stattfindet, in einem eigens
       von der AU gegründeten und von westlichen Gebern finanzierten
       Sondertribunal. Viele überlebende Habré-Opfer sollen anreisen oder befinden
       sich bereits in Dakar. Neben dem Vorsitzenden Richter Gberdao Gustave Kam
       aus Burkina Faso werden zwei Richter aus Senegal den Prozess führen.
       
       In Senegal lebt Habré seit seinem Sturz durch Tschads heutigen Herrscher
       Idriss Déby Ende 1990; jahrzehntelang wähnte er sich dort vor juristischer
       Verfolgung sicher und um so enttäuschter ist er nun, dass Senegals
       neugewählter Präsident Macky Sall eingewilligt hat, ihn vor Gericht zu
       stellen.
       
       20 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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