# taz.de -- EU-Regeln für Hedgefonds: Kontrolle soll kommen
> Die EU-Finanzminister wollen die Kapitalmärkte nun stärker kontrollieren.
> Bislang hat sich auf europäischer Ebene so gut wie nichts getan
(IMG) Bild: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine französische Amtskollegin Christine Lagarde beraten, wie sie die Briten auf ihre Seite kriegen können.
BRÜSSEL taz | Die Politik kommt der rasanten Entwicklung auf den
Finanzmärkten kaum hinterher. Das räumte der für die
Binnenmarktgesetzgebung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier gestern ein,
als er in Brüssel einen Zwischenbericht darüber gab, wie weit die
Gesetzespläne vorangekommen sind. Sein Fazit: Außer einer
Eigenkapitalrichtlinie für Banken aus dem Jahr 2007 und Gesetzen zu
Managervergütung und Ratingagenturen aus dem Jahr 2009 hat sich auf Ebene
der Europäischen Union noch nichts bewegt.
"Die Maßnahmen sollen einerseits rasch erfolgen, andererseits handwerklich
gut durchdacht sein. Die Materie ist extrem komplex", erklärte Barnier.
Alles müsse demokratische Prozesse durchlaufen. Das führe bei der geplanten
strengeren Überwachung der Finanzmärkte dazu, dass die Regierungen im Rat
um den kleinsten gemeinsamen Nenner ringen, während eine Mehrheit im
Europaparlament sich als Lehre aus der Krise für wasserdichte Lösungen
einsetzt.
Aktuelles Beispiel ist die Hedgefondsrichtlinie, die heute im
Finanzministerrat zur Abstimmung steht. Großbritannien und Tschechien
wehren sich dagegen, dass die strengeren Regeln auch für Fonds aus
Drittstaaten gelten sollen, die auf dem europäischen Markt gehandelt
werden. Alle anderen Mitgliedsstaaten unterstützen den von der
EU-Kommission ausgearbeiteten Vorschlag und bringen die notwendige
qualifizierte Mehrheit zusammen. Das Europaparlament will sogar noch
strengere Regeln durchsetzen. Die nun anstehenden Kompromissverhandlungen
zwischen Rat, Kommission und Parlament können sich monatelang hinziehen.
Barnier glaubt aber, dass sowohl das Gesetz zu Hedgefonds als auch die
neuen EU-Aufsichtsbehörden für Banken, Versicherungen und Wertpapiere sowie
das bei der EZB angesiedelte Frühwarnsystem für Finanzkrisen zum 1. Januar
2011 den Gesetzgebungsprozess durchlaufen haben werden.
Doch auch diesen neuen Behörden will der Rat auf britisches Drängen hin die
Flügel stutzen. Das EU-Parlament dagegen will daraus echte transnationale
Institute machen, die im Streitfall gegenüber den nationalen
Aufsichtsbehörden das letzte Wort haben. Noch im Mai will Barnier das
Modell eines von den Banken gespeisten Rettungsfonds vorschlagen, mit dem
Krisen unter Beteiligung der Finanzwirtschaft abgefedert werden können. Für
den Sommer kündigt er Nachbesserungen bei der Überwachung der
Ratingagenturen und einen Vorschlag zum Derivatehandel an. Im Herbst soll
ein Entwurf zur Einschränkung des Handels mit Kreditversicherungen,
sogenannten Credit Default Swaps, folgen. Sie werden für die griechische
Beinahepleite verantwortlich gemacht.
18 May 2010
## AUTOREN
(DIR) Daniela Weingärtner
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