# taz.de -- Kommentar Pechstein: Unverschämte Eisschnellläuferin
       
       > Sie hält die Nationale Anti-Doping-Agentur für "zu blöd" - und nicht nur
       > die. Der Ton Claudia Pechsteins ist unerträglich. Die deutsche
       > Funktionärselite scheint nichts dagegen zu haben.
       
       Claudia Pechstein schwadroniert weiter. Ihr Ton wir immer unerträglicher.
       Sie wettert aus einer Opferrolle, die sie sich selbst zugewiesen hat, nicht
       nur gegen Journalisten, die wissen wollen, was sie so alles anstellt mit
       ihrem Hochleistungskörper.
       
       Sie beschimpft die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada, die ihrer Meinung
       nach "zu blöd" ist, um ihren Fall so zu verstehen, wie sie es selbst tut.
       Geht's noch, Frau Schnellläuferin? Das fragen sich viel zu wenige Menschen,
       die in diesem Land mit dem Hochleistungssport befasst sind.
       
       Müsste nicht ein Aufschrei durch die Sportwelt gehen? Müsste nicht der
       Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds einschreiten und
       klarstellen, dass er eine derart ehrverletzende Kritik an der Nada nicht
       gutheißen kann? Müsste nicht der Sportminister, von dessen Fördergeldern
       Pechstein profitiert, der unverschämten Athletin Einhalt gebieten?
       
       Und müsste die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Pechstein wieder in die
       Eliteförderung aufgenommen hat, nicht deutlich machen, dass sie die im Raum
       stehenden Vorwürfe ernst nimmt, und überprüfen, ob Pechstein nicht gegen
       den Sporthilfe-Eid verstoßen hat?
       
       Nichts von alldem geschieht. So kann Pechstein getrost annehmen, sie
       spreche stellvertretend für den deutschen Sport. Der arrogante Ton, in dem
       ihr Management die Presseerklärungen für sie verfasst, deutet eh darauf
       hin, dass sie der Meinung ist, sie gebe der schweigenden Mehrheit des
       deutschen Sports endlich eine Stimme.
       
       Muss sie das nicht sogar denken? Der deutsche Sport hat sich längst neu
       formiert und steht in Treue fest hinter seinen Sportlern. DOSB-Präsident
       Thomas Bach hält es tatsächlich für möglich, dass die Bluttherapie, die
       Pechstein in Erfurt hat vornehmen lassen, vielleicht doch nicht verboten
       war, statt Sportler zu ermahnen, jegliche Blutexperimente zu unterlassen.
       
       Sportminister Hans-Peter Friedrich beobachtet den Leistungssport immer noch
       mit "gewissen Grundvertrauen", wie er der SZ verraten hat, und lässt die
       Bundesmittel für die Nada stagnieren. Die Verwicklungen der Freiburger
       Universtätsmedizin in ein westdeutsches Dopingsystem werden gerade
       erforscht, da schlägt sich der Thüringer Sportärztebund auf die Seite von
       Blutbestrahler Andreas Franke, statt zu fragen, wie viel sportbetrügerische
       Energie hinter der UV-Behandlung des Bluts steckt.
       
       Es geht im Fall Pechstein längst um mehr als die Legalität gewisser
       Behandlungsmethoden. Es geht um den Verfolgungswillen des deutschen Sports.
       Wenn es diesen einmal gegeben haben sollte, so scheint er jetzt nicht mehr
       vorhanden zu sein. Das klare Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs
       im Fall Alberto Contador zeigt aber, dass man sich mit einer derart laxen -
       Einstellung im Anti-Doping-Kampf - international nur blamieren kann.
       Gottlob!
       
       7 Feb 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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