# taz.de -- Vegetarische Wurst: Lecker Ersatz
       
       > Fleischproduzenten verkaufen auf einmal vegetarische Alternativen zur
       > Wurst. Nicht weil sie bekehrt wurden. Weil es ein gutes Geschäft ist.
       
 (IMG) Bild: Bäh, Wurst aus Wurst
       
       Keine Frage – sie sind böse. Fleischkonzerne sind das letzte Element einer
       Kette, in der Tiere meist ohne Licht und Platz gehalten, mit Medikamenten
       vollgestopft, in einen Lkw gepfercht und zum Schlachthof gefahren werden,
       um schließlich äußerst unsanft zu sterben.
       
       Und nun machen die Hersteller auf einmal einen auf „gut“. Produzieren
       vegetarische Alternativen. Vegetarisch. Ohne Fleisch. Und was passiert? Die
       Leute reißen ihnen die Produkte aus den Händen. Der Wursthersteller
       Rügenwalder Mühle verkauft mittlerweile vier- bis fünfmal so viel
       vegetarische Mortadella wie von der gleichen Sorte aus Fleisch. Was ist da
       los?
       
       Für die Konzerne sind die Ersatzprodukte eine super Sache: Fleisch ist
       teuer, der Weg vom Tier zum Produkt aufwendig und lang, und das Produkt
       liegt hinterher trotzdem zum Dumpingpreis beim Discounter in der Kühltruhe.
       Ganz anders die Ersatzprodukte: Eier, Öl, Wasser, ein paar Zusatzstoffe –
       das kostet fast nichts. Und der Brotbelag liegt hinterher im Spezialregal.
       Dort also, wo ihn Kunden in den Einkaufswagen legen, die auf ihre Ernährung
       achten und gerne bereit sind, dafür etwas mehr zu zahlen. Auch dafür, dass
       die fleischessenden Freunde nicht so schräg gucken, wenn man sich das Brot
       mit Gemüse belegt.
       
       Den Herstellern kommt dabei gelegen, dass Menschen aus so unzähligen
       Gründen auf tierische Produkte verzichten, wie es Vegetarier und Veganer
       gibt. Manche mögen einfach den Geschmack von Fleisch nicht, andere nicht
       die Konsistenz. Wieder andere wollen nicht, dass Tiere getötet werden. Den
       Vierten ist das Töten eher egal, ihnen geht es um artgerechte Haltung. Und
       manchen ist der Umweltaspekt wichtig: Sie achten auf den ökologischen
       Fußabdruck.
       
       Da stehen Fleischprodukte ganz oben, ihre Herstellung verbraucht am meisten
       Ressourcen wie Wasser und Energie. Es gibt also genug Menschen, die kein
       Fleisch essen, obwohl sie den Geschmack mögen oder nicht missen wollen. Für
       sie gibt es die Ersatzprodukte. Frikadellen ohne Hackfleisch, Schinken ohne
       Schwein, Schnitzel ohne Kalb.
       
       Der Markt wächst: Auch wenn die Daten über Vegetarier und Veganer eher
       grobe Schätzungen sind als harte Statistik – es gibt genügend Indizien:
       Vegetarische und auch vegane Restaurants sind nicht mehr nur ein
       Großstadtphänomen, vegane Supermärkte melden Millionenumsätze, und
       mittlerweile sind auch im Standarddiscounter explizit als vegan
       etikettierte Produkte zu finden. Dort allerdings meist unter dem Label
       „pflanzlich“ – man will ja die Fleischesser nicht abschrecken.
       
       ## Essbare Fasern
       
       Natürlich ist das, was die vegetarische Ersatzwurst zur Wurst macht,
       Geschmacksache. Verdickungsdmittel, Sojaproteinisolat, Anthocyane – das
       klingt eher nach Laborprodukt als nach Lebensmittel. Doch auch Fleischesser
       bleiben nicht vom Laborprodukt verschont: Imitatfleisch auf Pizza, das nur
       etwa zur Hälfte aus Tier besteht. Und – sobald die Produktion sich rechnet
       – Analogfleisch. Essbare Fasern, im Labor gewonnen aus Zellen statt von
       Tieren aus dem Stall.
       
       Abgesehen von der Frage, ob das dann noch Fleisch ist, kommt es letztlich
       nur auf eines an: die Vermarktung. Was passiert, wenn ein Unternehmen das
       nicht erkennt, bekam vor einiger Zeit der Discounter Netto zu spüren: Er
       hatte Hackfleisch mit Eiweiß, Mehl und gefärbtem Wasser gestreckt – und so
       mal eben unter dem Label einer angeblich fettarmen Ernährung die
       Gewinnspanne erhöht.
       
       Dabei wäre es ganz einfach gewesen: Er hätte den Fleischanteil komplett
       weglassen und das Produkt als vegetarisches Hackfleisch vermarkten müssen.
       Ganz sicher: Es wäre sofort ausverkauft gewesen.
       
       8 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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