# taz.de -- Ukraine als Ziel russischer „Humanisten“: Trotz angeblicher Verhandlungsbereitschaft greift Moskau an
       
       > Kaum sind die Gespräche von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff im
       > russischen St. Petersburg vorbei, feuert der Kreml wieder Raketen auf die
       > Ukraine.
       
 (IMG) Bild: Mitarbeiter des ukranischen Rettungsdienstes telefoniert in einem von russischen Raketen getroffenen Einkaufszentrum in Kyjiw
       
       Inzwischen wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zynisch:
       Russlands „Humanisten“ hätten in der Nacht in drei Wellen mit ballistischen
       Raketen die Hauptstadt der Ukraine angegriffen, schrieb Selenskyj am
       Donnerstagmorgen in sozialen Netzwerken.
       
       Vor den [1][Verhandlungen seines Unterhändlers Steve Witkoff] mit Kremlchef
       Wladimir Putin hatte US-Präsident Donald Trump gesagt, „Russland hat sich,
       offen gesagt, in der Ukraine-Frage gut verhalten“. Witkoff hatte den
       russischen Autokraten Putin wegen der Freilassung eines in Russland zu mehr
       als sechs Jahren Lagerhaft verurteilten 74-jährigen Amerikaners einen
       „Menschenfreund“ genannt.
       
       Selenskyj prangerte indes an, dass „praktisch unmittelbar nach den jüngsten
       Verhandlungen Russland einen demonstrativen Schlag ausgeführt hat. Das
       bedeutet, dass es keine wirklichen Veränderungen in seiner Haltung [in dem
       Krieg] gibt.“ Am Vortag waren Putin und Witkoff in St. Petersburg
       zusammengekommen. Dabei hatte Moskau Gespräche zwischen Russland, den USA
       und der Ukraine für Mitte November angedeutet – über Sicherheitsgarantien
       für beide Kriegsparteien.
       
       In der Nacht zu Donnerstag hatte Russland [2][erneut die Ukraine massiv mit
       Raketen und Drohnen angegriffen], diesmal sogar in einem Dutzend
       ukrainischer Regionen. Dabei waren nach widersprüchlichen Angaben
       mindestens zwei Menschen getötet und 34 verletzt worden, darunter fünf
       Kinder – eines erst ein Jahr alt. Auch ein Kloster in Kyjiw war getroffen
       worden und ein Markt im Gebiet Charkiw.
       
       ## Gegenseitige Angriffe
       
       Die Ukraine ihrerseits hat die russische Hauptstadt in der Nacht massiv
       angegriffen und dabei das Munitions- und Rüstungswerk in Serpuchow bei
       Moskau getroffen, wie der Telegram-Kanal Astra anhand von Aufnahmen von
       Augenzeugen belegte. Das Werk „75 Arsenal“ untersteht der Hauptverwaltung
       für Raketen und Artillerie (GRAU). Es produziert Waffen und Munition und
       repariert militärische Ausrüstung und Waffen, darunter Artilleriesysteme
       und Luftabwehrkomplexe (PVO).
       
       Trump will auf dem G20-Gipfel in Miami Anfang Dezember ein Friedensabkommen
       erreichen, hatte er in der Nacht zum Donnerstag erklärt. Seine
       Verbalattacken auf Selenskyj und sein Lob für Putin bringen aber inzwischen
       auch republikanische Parteifreunde gegen ihn auf: „Unser Präsident ist in
       Bezug auf diesen Krieg moralisch blind. Er hat sich mit einem Diktator und
       Kriegsverbrecher verbündet“, sagte der republikanische Abgeordnete Don
       Bacon aus Nebraska bei CNN.
       
       „Trump kriecht Putin in den Hintern“, so Bacon. Gegen [3][Trumps
       Diesel-Deal mit Putin] protestierten zwölf Senatoren – je sechs
       Republikaner und Demokraten – mit einem Protestbrief ans Weiße Haus. Trumps
       Übereinkunft sei ein „Verrat am ukrainischen Volk“. Der republikanische
       Mitunterzeichner Thom Tillis nannte Trumps jüngste Schritte in Sachen
       Ukraine „mehr als unverantwortlich“. Der Präsident habe vor Putin
       kapituliert.
       
       Eine Empörungswelle löste auch der Bericht des Wall Street Journal aus, dem
       zufolge SpaceX-Gründer Elon Musk nach Rücksprache mit Trump persönlich
       seinen Satelliteninternetzugang Starlink für die Ukraine gedrosselt hatte.
       Dadurch kann Kyjiw deutlich schlechter russische Drohnen abschießen.
       
       22 Oct 2026
       
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