# taz.de -- Ukrainegespräche in St. Petersburg: „Momentum für die Beendigung des Krieges“
> Der US-Sondergesandte Witkoff sieht gute Voraussetzungen für ein Ende des
> Ukrainekrieges. Die Ukraine erklärt sich zur Anerkennung der derzeitigen
> Frontlinie bereit.
(IMG) Bild: Bestens vorbereitet: Steve Witkoff, der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, wartet am Mittwochvormittag auf Wladimir Putin
Kreml-Chef Wladimir Putin spielt auf Zeit: Er sei zu einer Wiederaufnahme
der Gespräche mit der Ukraine und den USA im kommenden Monat bereit. Dies
erklärte sein außenpolitischer Berater Juri Uschakow nach dem Treffen
Putins mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff. Dabei solle es vor allem
um den „Aufbau eines Sicherheitssystems für Russland und die Ukraine nach
Ende des Konflikts“ gehen. Es gebe derzeit ein Momentum für die Beendigung
des Krieges, sagte Witkoff.
Parallel bereitet Moskau indes auch ein trilaterales Treffen zwischen den
USA, Russland und China vor. „Von drei Seiten gibt es die Auffassung, dass
es gut wäre, sich zu treffen“, hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bereits
vor dem Gespräch im Konstantinpalast in St. Petersburg gesagt. Die
russische Führung strebe ein solches Treffen am Rande des Gipfels der
Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen
Shenzhen im November an.
Am Dienstag hatte sich Witkoff, der Sondergesandte des US-Präsidenten
Donald Trump, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und
europäischen Verbündeten in Oslo getroffen. Am Mittwochmorgen war er zu
einem dreistündigen Gespräch mit Putin an der Newa gekommen. Am Abend
wollte er erneut Selenskyj in Oslo treffen.
„Putin spielt auf Zeit. Er setzt auf den Sieg der Rechtsextremen in
Frankreich bei den Wahlen im April und geht dann von einem Ende der
europäischen Ukraineunterstützung aus“, sagte ein hochrangiger europäischer
Diplomat der taz unter der Bedingung, nicht namentlich zitiert zu werden.
„Putin will aktuell keinen Frieden, wir müssen ihn massiv dazu drängen.“
Trump hatte kurz vor Witkoffs Eintreffen in St. Petersburg zum wiederholten
Male behauptet, Selenskyj „will keinen Frieden“. Der ukrainische Präsident
indes sagte parallel zum dreistündigen Gespräch Putin–Witkoff dem US-Sender
Fox: Die Ukraine sei bereit zu einem Friedensabkommen, das den Krieg
entlang der derzeitigen Frontlinie einfriert.
„Ich halte das für einen realistischen Weg, diesem Krieg ein Ende zu
setzen. Wir erklären einen Waffenstillstand bzw. beenden das Töten, wie es
Präsident Trump genannt hat“, sagte der Präsident der Ukraine. Das sei „das
Mindeste, was wir heute von Russland erwarten“.
## Musk drosselt Satelliteninternet Starlink für die Ukraine
Vor allem die Drosselung des Satelliteninternets Starlink des exzentrischen
US-Milliardärs Elon Musk für die ukrainische Armee und das Zurückhalten
bereits von EU-Staaten bezahlter US-Waffen für die Ukraine bauen heftigen
Druck auf Selenskyj auf. „Wenn es keine US-Waffen mehr gibt inklusive der
Interzeptoren für Luftabwehrsysteme wie Patriot, dann hat die Ukraine ein
echtes Problem“, sagte Stefan Meister, Russland-Experte der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik, der taz.
## Erfolge der Ukraine an der Front
Die Verhandlungen spielten sich vor dem Hintergrund der Kriegshandlungen an
der Front im Osten der Ukraine ab: Dort hat die Ukraine weitgehend
unbemerkt von der Öffentlichkeit signifikante Erfolge erzielt. Die
„Operation Vivaldi“ der ukrainischen Armee, deren Details erst jetzt – nach
ihrem Ende – öffentlich werden, hat [1][nach Einschätzung des
US-amerikanischen Institute for the Study of War] das russische Kriegsziel,
den gesamten Donbass zu erobern, vorerst vereitelt.
Die Operation Vivaldi, begonnen im Mai, hat erst die russischen Truppen aus
dem Umland von Lyman zurückgedrängt und dann das gesamte Gebiet westlich
des Flusses Scherebez von russischen Truppen geräumt. Mit Vorstößen von
teilweise über 20 Kilometern und präzisen Schlägen gegen die russische
Logistik im Hinterland. Die [2][Befreiung von bis zu 300 Quadratkilometern]
und zahlreicher weitgehend zerstörter Dörfer fällt von der Fläche her wenig
ins Gewicht. Aber das Zurückdrängen der Russen hinter den Fluss und damit
der Stopp einer ihrer zentralen Offensivlinien ist von immenser
strategischer Bedeutung.
Die Rückeroberungen sind ein nicht unerheblicher Teil bei möglichen
Waffenstillstandsverhandlungen. Denn Russland behauptet seinerseits
vorzurücken, was vor allem Trump beeindrucken soll. Die Ukraine versucht
nun, die zunehmend fiktiven russischen Angaben über ihre Stärke und
territoriale Kontrolle durch mehr Öffentlichkeit zu widerlegen. Inzwischen
[3][konnten sich auch Journalisten] von den Erfolgen der Operation Vivaldi
vor Ort überzeugen. Seit September erobert die Ukraine konstant mehr
Gebiete zurück, als sie an Russland verliert.
Parallel schickt Russland nach einer Vereinbarung mit Trump am Donnerstag
den ersten Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel in die USA. Dies kündigte der
stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak an.
Bereits kurz nach Witkoffs Landung ließ Russland zudem den 74 Jahre alten
US-Staatsbürger Steven Hubbard frei. Der war zuvor zu über sechseinhalb
Jahren Lagerhaft wegen angeblichen Söldnereinsatzes für die Ukraine
verurteilt worden. Parallel indes hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB
nach eigenen Angaben einen deutschen Staatsbürger, Jahrgang 1976,
festgenommen. Er soll „aktives Mitglied der ukrainischen Streitkräfte“
gewesen sein.
21 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/ukraine-disrupts-russias-donetsk-offensive/
(DIR) [2] https://understandingwar.org/map/settlements-liberated-as-part-of-the-ukrainian-3rd-army-corps-operation-vivaldi-as-of-october-14-2026/
(DIR) [3] https://www.welt.de/videos/video6ad6fc98199dc15f1abda05e/krieg-in-der-ukraine-wir-haben-das-dorf-zurueckerobert-operation-vivaldi-traegt-fruechte.html
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Söldner
(DIR) FSB
(DIR) Steve Witkoff
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ukraine als Ziel russischer „Humanisten“: Trotz angeblicher Verhandlungsbereitschaft greift Moskau an
Kaum sind die Gespräche von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff im
russischen St. Petersburg vorbei, feuert der Kreml wieder Raketen auf die
Ukraine.
(DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Sieben Tote nach russischem Beschuss
Trotz neuer diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des Krieges geht der
gegenseitige Beschuss weiter. Trump verteidigt Aufschub neuer
Russland-Sanktionen.
(DIR) Ukrainische Gegenoffensive im Donbass: „Operation Vivaldi“ bringt Russland aus dem Takt
Die Ukraine befreit gerade wieder mehr Territorium, als sie verliert. Ein
wichtiger russischer Vorstoß konnte gestoppt und zurückgedrängt werden.
(DIR) „Friedensverhandlungen“ in Oslo: Selenskyjs Abwehrkampf gegen Trump
Washingtons maßlose Forderungen belasten Verhandlungen über einen möglichen
Waffenstillstand. Kremlchef Putin lockt mit lukrativen Wirtschaftsdeals.
(DIR) Russische Propaganda nach Angriff: Eigene Schäden sind im Staatsfernsehen kaum ein Thema
Erstmals wird Russlands zweitgrößte Stadt von ukrainischen Drohnen gleich
mehrfach getroffen. Dem Staatsfernsehen ist dies kaum Sendezeit wert.