# taz.de -- Tempelhofer Feld: „Es gibt da noch Klärungsbedarf“
> Die schwarz-rote Koalition mag im Umweltausschuss doch nicht auf die
> Schnelle eine Änderung des Feld-Gesetzes für Flüchtlingsunterkünfte
> durchdrücken.
(IMG) Bild: Neue Container, aber keine Häuser sollen am Tempelhofer Feld solche alten Container ersetzen, kündigte Senatorin Kiziltepe an
Ganz schnell und ohne viel Beratung hat die schwarz-rote Koalition eine
geplante Änderung am Tempelhofer-Feld-Gesetz im Umweltausschuss des
Abgeordnetenhauses durchwinken wollen. Schon nächste Woche wäre dann die
Schlussabstimmung in der Plenarsitzung des Parlaments möglich gewesen. Erst
auf den letzten Drücker nahm die Koalition am Donnerstagmorgen davon
Abstand. Auf der Fläche am Ex-Flughafen nahe dem Columbiadamms, so stellte
es Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) später im Integrationsausschuss
dar, sollen neue und bessere Container die jetzigen ablösen. Dort Wohnungen
zu errichten, sei nicht geplant.
„Wir wollen die Tagesordnung an diesem Punkt nicht ergänzen“, meldete sich
morgens gleich zu Sitzungsbeginn des Umweltausschuss die SPD-Abgeordnete
Linda Vierecke namens der Koalition. „Es gibt da noch Klärungsbedarf“,
erklärte sie, ohne das weiter auszuführen oder explizit von „Tempelhofer
Feld“ und „Änderung“ zu sprechen und damit den Rückzieher noch mehr publik
zu machen. Schon in der Vergangenheit war jede Änderung des seit 2014
geltenden Gesetzes umstritten, das Bebauung auf dem Feld untersagt.
Tags zuvor hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da hatte das
Ausschussbüro die Oppositionsfraktionen darüber informiert, dass CDU und
SPD keine 24 Stunden später [1][über die Drucksache 19/2659 abstimmen
wollten], die überschrieben ist mit „Gesetz zu Errichtung und Erhalt von
Anlagen für geflüchtete Menschen und Asylbegehrende auf dem Tempelhofer
Feld“. Das sollte ohne Debatte geschehen: „Eine ausführliche Aussprache ist
von Seiten der Koalitionsfraktionen hierzu nicht erforderlich“, hieß es in
der Mitteilung, die der taz vorliegt.
Dem widersprachen vehement die Fraktionen von Grünen und Linkspartei. Denn
zuvor hatte es noch gar keine Beratung darüber gegeben, auch nicht [2][in
der ersten Lesung im Plenum des Parlaments] Ende September 2025 oder in dem
mitberatenden Integrationsausschuss. Üblicherweise fällt der federführende
Ausschuss – in diesem Fall der für Umwelt – seine Entscheidung erst,
nachdem der mitberatende Auschuss Stellung genommen hat. Dabei handele es
sich um ein Gesetz, mit dem sich das Abgeordnetenhaus besonders gründlich
befassen müsse, kritisierten die Grünen.
## Wohncontainer mit bis zu 1.100 Plätzen
Der schwarz-rote Senat [3][hatte sich schon Ende Juni 2025 dafür
ausgesprochen], an der Nordseite des Tempelhofer Felds am Columbiadamm eine
neue Wohncontaineranlage für Geflüchtete entstehen zu lassen. Die Anlage
solle im zweiten Halbjahr 2028 in Betrieb gehen und 1.000 bis 1.100
Flüchtlingen Platz bieten, informierte Senatorin Kiziltepe damals.
Am Donnerstagnachmittag bestätigte sie im Integrationsausschuss diese
Zahlen und die Containerunterbringung nach einer Frage der
Linken-Abgeordneten Katina Schubert nach dem aktuellen Stand. „Es ist nicht
geplant, Wohnungen zu errichten“, sagte Kiziltepe. Sie wies auch den zuvor
zu hörenden Vorwurf zurück, die Gesetzesänderung sei ein „Einfallstor für
eine weitere Bebauung“. Der Linkspartei-Abgeordneten Michael Efler etwa
hatte zu Jahresbeginn [4][von einer „eventuellen Salamitaktik“ des Senats
gesprochen], die angeblich darauf abzielte, die Bevölkerung an Gebäude auf
dem Feld gewöhnen.
Die Abgeordnete Schubert hakte am Donnerstag im Ausschuss nochmal nach:
„Sehe ich das so richtig? Die alten Container werden abgebaut, es kommen
gute Cointainer oder bessere Container, und die Hangars, wo wirklich
unsägliche Zustände herrschen, werden geräumt?“ Kiziltepe bestätigte das:
„Das ist der Weg, den wir gehen wollen.“ Ziel sei es, die Notunterkunft in
den Hangars zu beenden und „die genannten weiteren Plätze in einem
Containersystem, im besten Fall in Holzbauweise, zu realisieren“.
Jede Veränderung am Schutz des Tempelhofer Felds ist besonders umstritten,
weil das entsprechende Gesetz 2014 durch einen Volksentscheid zustande kam.
Doch auch ein solches Gesetz kann das Abgeordnetenhaus mit einfacher
Mehrheit ändern, auch wenn wiederholt Stimmen zu hören sind, wonach das nur
mit einem erneuten Volksentscheid möglich ist. „Rechtlich ist ein
Volksentscheid nicht gewichtiger als ein vom Parlament beschlossenes
Gesetz“, [5][sagte der frühere Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD)
bereits 2021 der taz], „das Berliner Verfassungsgericht hat eindeutig
erklärt, dass beide auf Augenhöhe nebeneinander stehen.“
30 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2659.pdf
(DIR) [2] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/protokoll/plen19-071-pp.pdf
(DIR) [3] /Fluechtlingsheim/!6092970&s=senat+fl%C3%BCchtlinge+tempelhofer+feld/
(DIR) [4] /Weitere-Gefluechtetenunterkunft-geplant/!6153795
(DIR) [5] /Parlamentspraesident-hoert-auf/!5804483
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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