# taz.de -- Sinn und Zweck der Bauernproteste: Nichtiger Anlass
       
       > Die Proteste sind unangemessen und leisten Rechtsextremisten Vorschub.
       > Dabei geht es eigentlich um Peanuts – und um Prestige.
       
 (IMG) Bild: Aufgebrachte Demonstranten auf dem Münchner Odeonsplatz
       
       Die [1][aktuellen Bauernproteste] sind unangemessen. Der durchschnittliche
       Hof verliert nur etwa 1.700 Euro pro Jahr, wenn die Bundesregierung den
       Rabatt bei der Energiesteuer auf Agrardiesel streicht. Bei zuletzt im
       Schnitt 115.000 Euro Gewinn der Haupterwerbsbetriebe steht fest: Diese
       kleine Einbuße wird keinen Hof in die Pleite treiben.
       
       Das Höfesterben hat schon in den 1960er Jahren begonnen. Schon daran lässt
       sich erkennen, dass seine wichtigste Ursache nicht Subventionsstreichungen
       oder strengere Umwelt- und Tierschutzvorschriften sind. Denn all das war
       damals noch kein Thema. Der Grund ist vielmehr, dass die Landwirtschaft vor
       allem dank neuer Technik so produktiv geworden ist, dass sie mehr
       Lebensmittel auf den Markt wirft, als die Verbraucher essen können.
       
       Deshalb sind die Preise langfristig gesunken. Um trotzdem noch etwas zu
       verdienen, senken viele Landwirte ihre Stückkosten, indem sie noch mehr
       produzieren. Betriebe, die da nicht mithalten können, geben auf – und
       werden von Konkurrenten geschluckt. Der größte Feind des Bauern ist sein
       Nachbar, nicht die Bundesregierung.
       
       Um so unverantwortlicher ist, dass Organisationen wie der Bauernverband nun
       die Wut vieler Landwirte auf die Ampelkoalition schüren. Die Agrarlobby hat
       aus einem vergleichsweise nichtigen Anlass – den 1.700 Euro jährlich – eine
       Protestwelle entfacht, die leicht ausufern kann. [2][Rechtsextreme nutzen
       sie fleißig aus]. An mehreren Orten wurden entsprechende Plakate gesichtet
       – in Wiesbaden zum Beispiel „Tötet Özdemir“, in Berlin „Eure Demokratie ist
       unser Volkstod“.
       
       Die Extremisten wollen aus dem Protest gegen Subventionskürzungen einen
       Kampf gegen die Ampel und die liberale Demokratie machen. Der Bauernverband
       hat solche Ausfälle nicht konsequent verhindert, die Organisation Freie
       Bauern zeigte sich auf taz-Anfrage sogar ziemlich gleichgültig gegenüber
       solchen Parolen.
       
       Ihre Kompromisslosigkeit leistet den Rechtsextremen noch weiter Vorschub.
       Die Ampel will bereits auf rund die Hälfte der ursprünglich geplanten
       Einsparungen in der Landwirtschaft verzichten. Die Agrardieselsubventionen
       sollen erst in zwei Jahren ganz wegfallen. Diesen Zuschuss zu streichen ist
       richtig, weil er dem Klima schadet.
       
       ## Eigentlich geht es den Organisationen um sich selbst
       
       Doch die Organisationen nutzen die Proteste vor allem für sich selbst. Der
       Bauernverband will wieder an der Spitze einer Protestbewegung der Branche
       stehen, diese Rolle hatte er in den letzten Jahren an Gruppen wie „Land
       schafft Verbindung“ verloren. Die Splitterorganisation der Freien Bauern
       will Unterstützer gewinnen. Im Interesse der Landwirte ist das alles nicht.
       
       8 Jan 2024
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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