# taz.de -- Proteste in Berlin und Brandenburg: Auch Handwerker auf den Barrikaden
       
       > An den Bauernprotesten gegen die Regierung nehmen in Berlin und
       > Brandenburg auffällig viele Handwerker teil. Der Unmut über „die da oben“
       > ist groß.
       
 (IMG) Bild: Wohl mehr LKW und Kleintransporter als Traktoren: Bauernproteste in Berlin am 8. Januar
       
       Berlin taz | Auf der Karl-Marx-Allee geht es an diesem sonnig-eisigen
       Montagmorgen nur sehr langsam voran. Der Grund dafür sind weder Blockaden
       von Klimaaktivisten noch wütende Landwirte auf ihren Traktoren. Es
       ist ein Konvoi von Handwerkern aus dem östlichen Berliner Umland, der im
       Schritttempo durch Friedrichshain Richtung Alexanderplatz fährt. Wie die
       Bauern fordern sie den Rücktritt der Regierung.
       
       „Die Ampel muss weg“, heißt es auf einem Banner auf der Ladefläche eines
       Transporters, der die Kolonne anführt. Auf der Rückseite des weißen Lakens
       steht: „Keine Handwerker, keine Dienstleistung, keine Heizung, kein
       Wasser!“ Dahinter rollen etwa zehn Kleinlaster und Minibusse von
       Handwerksunternehmen – Malerfirmen, Heizungs- und Sanitärbetriebe – aus den
       Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree.
       
       Die Gruppe ist unterwegs zum Brandenburger Tor, wo am Montag [1][zum
       Auftakt einer bundesweiten Aktionswoche Bauern gegen geplante
       Subventionskürzungen für die Landwirtschaft protestierten]. Aufgerufen zu
       den Protesten hatte der Deutsche Bauernverband. Für die Kundgebung in
       Berlin waren 300 Teilnehmende angemeldet, die Polizei sprach schon am
       Mittag von rund 1.300 Demonstrierenden und knapp 700 Fahrzeugen.
       
       Auf der Straße des 17. Juni sind dann neben Traktoren auch auffällig viele
       Lastwagen und Kleintransporter zu sehen, die nicht zu landwirtschaftlichen
       Betrieben gehören, sondern zu Speditionsfirmen oder eben
       Handwerksunternehmen. Das Mobilisierungspotenzial einer Demonstration gegen
       „die da oben“ und „das System“ ist offenkundig groß – trotz [2][Warnungen,
       dass Rechtsextreme maßgeblich an den Protesten beteiligt sind].
       
       ## Handwerker „Seite an Seite“ mit Bauern
       
       „Es kann so nicht weitergehen“, sagt ein Handwerker, der an der
       Schleichfahrt über die Karl-Marx-Allee teilgenommen hat, zur taz. Er will
       lieber anonym bleiben. In Deutschland liege vieles im Argen, steigende
       Preise, Steuererhöhungen und Lieferengpässe machten ihm und seinen
       Angestellten zu schaffen. Deshalb hätten er und andere mittelständische
       Unternehmen sich mit den Bauern solidarisiert.
       
       Norbert Band, Landesinnungsmeister des Fachverbands Sanitär, Heizung,
       Klempner Klima, Land Brandenburg, erklärt gegenüber der taz, die Innung
       habe zwar nicht zu den Protesten aufgerufen, unterstütze die Anliegen der
       Bauern aber. Man stehe „Seite an Seite“ mit den Landwirten, sagt Band.
       
       Die Politik, die in Berlin gemacht werde, sei nicht im Interesse seiner
       Branche, kritisiert Band weiter. Die Wärmewende habe zwar zu vollen
       Auftragsbüchern, aber auch viel Verunsicherung in der Bevölkerung geführt –
       die die Heizungstechniker oft zu spüren bekämen. Außerdem fehle es an
       Möglichkeiten zur Mitsprache.
       
       Der Forderung, die Ampel zu stürzen, will Band sich nicht anschließen.
       Gleichwohl betont der Landesinnungsmeister: „Ich hoffe, dass es genügend
       zähe Politiker gibt, die eine andere Richtung einschlagen.“
       
       ## Mittelstand protestiert auch in Cottbus
       
       Auch der branchenübergreifende Handwerkskammertag Brandenburg solidarisiert
       sich mit den Bauernprotesten: „Handwerk und Mittelstand verdienen mehr
       Wertschätzung und Unterstützung“, sagt dessen Präsident Robert Wüst. Durch
       das „Hin und Her der Politik“ sei „die Zuversicht für die künftige
       Entwicklung verloren gegangen“, so Wüst weiter.
       
       Dass die bundesweite Aktionswoche anschlussfähig in weiteren
       Wirtschaftszweigen ist, zeigt sich am Montag auch in Cottbus: Hier
       [3][hatte die „Mittelstandsinitiative Brandenburg“ zu einer Sternfahrt
       aufgerufen]. Laut Polizeiangaben kamen mehr als 1.000 Fahrzeuge.
       
       Die Cottbuser Grünen-Kommunalpolitikerin Barbara Domke [4][schrieb bei X]
       (ehemals Twitter), an der Demonstration hätten auch der
       AfD-Landtagsabgeordnete Lars Schieske sowie die Geschäftsführerin des
       Kreisbauernverbands Spree-Neiße, Viktoria Hänelt, teilgenommen. Hänelt soll
       in der Cottbuser Hooligan- und Naziszene aktiv sein.
       
       Insgesamt waren in Brandenburg am Montag 134 Veranstaltungen angemeldet; es
       habe nach Angaben der Polizei aber auch unangemeldete Protest- und
       Blockadeaktionen gegeben. Bis zum Mittag seien landesweit mehr als 100
       Autobahnauffahrten blockiert worden.
       
       8 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Start-der-Bauernproteste/!5982195
 (DIR) [2] /Extremisten-wollen-Agrarproteste-kapern/!5981385
 (DIR) [3] https://www.mittelstandsinitiative-brandenburg.de/veranstaltungshinweise.html
 (DIR) [4] https://twitter.com/BarbaraDomke/status/1744288384296575008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
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