# taz.de -- Rot-Rot-Grün im Bund: Früher war mehr Signalwirkung
       
       > Bei den Landtagswahlen gewinnt zwei Mal Rot-Rot-Grün. Ein Vorbild für den
       > Bund nach der Wahl 2029? Für die Verantwortlichen: eher nicht.
       
 (IMG) Bild: Wohin soll es denn gehen? Pressekonferenz der SPD nach den Landtagswahlen
       
       Es gab Zeiten, in denen rot-rot-grüne Wahlerfolge in den Ländern zu Träumen
       im Bund führten. Googelt man zum Beispiel nach „rot rot grün signal für
       bund“, kommt als erster Treffer ein Interview, das der Deutschlandfunk 2016
       [1][mit dem damaligen taz-Chefredakteur Georg Löwisch führte.] Die damals
       in Berlin geschmiedete rot-rot-grüne Landesregierung nannte er im Radio,
       genau, „ein Signal für den Bund“.
       
       Scrollt man ein bisschen weiter, finden sich aus dieser Zeit ähnliche
       Stimmen aus dem politischen Raum. Sogar von einem, den im Rückblick die
       Wenigsten als Vordenker eines Linksrucks in Erinnerung haben dürften:
       Sigmar Gabriel [2][schrieb im gleichen Jahr als SPD-Chef] in einem
       Spiegel-Gastbeitrag, „progressive Parteien und Bewegungen“ müssten
       „füreinander bündnisbereit und miteinander regierungsfähig“ sein.
       Linksgrüne Zustimmung erhielt er von Leuten wie Dietmar Bartsch und Anton
       Hofreiter.
       
       Zehn Jahre später ist trotz [3][des Doppelerfolgs von Mitte-Links] in
       Mecklenburg-Vorpommern und Berlin von solchen Visionen wenig zu spüren. Im
       Nordosten ist Rot-Rot-Grün ja auch mehr Notlösung als Projekt, und in der
       Bundeshauptstadt dämpfen linke Antisemitismusprobleme schon vor dem ersten
       Sondierungsgespräch die Aufbruchstimmung.
       
       Nachfrage bei den Bundesparteien links der Mitte: Könnte Rot-Rot-Grün jetzt
       nicht auch zur Machtoption nach der Bundestagswahl 2029 werden? Die
       Umfragen geben dafür im Moment zwar keine Mehrheit her, greift man sich
       aber gezielt diejenige aus, in der es am wenigsten schlecht aussieht, ist
       der Rückstand auch nicht uneinholbar: Bei Forsa standen Grüne, SPD und
       Linke zuletzt bei zusammen 42 Prozent – während 45 Prozent für eine
       Mehrheit im Bundestag reichen würden.
       
       ## Schwerdtner will erst zur Demo
       
       Aber es müsste eben erst mal jemand machen wollen. Linken-Chefin Ines
       Schwerdtner wehrt die Frage am Montag auf einer Pressekonferenz zur
       Wahlnachlese ab. „Ich brauche gar nicht über was anderes nachdenken,
       solange sich die SPD weiter an eine sterbende CDU kettet“, sagt sie. So
       lange „diese Bundesregierung weiter so verwaltet wird“, sei es Aufgabe der
       Linken, für Proteste zu sorgen. Und deswegen rufe man jetzt erst mal zu
       Protesten auf.
       
       Von Signalwirkung will eine Stunde später bei einer Pressekonferenz der
       Grünen auch deren Bundesvorsitzender Felix Banaszak nichts wissen: „Wenn
       ich das richtig gesehen habe, waren gestern zwei Landtagswahlen mit einem
       Ergebnis und nächstes Jahr werden andere Landtagswahlen stattfinden.“ Die
       gingen wohl wieder anders aus.
       
       Damit demonstrieren die Grünen immerhin eine gewisse Konstanz, denn so wie
       der Parteichef aus dem linken Flügel klang 2016 schon einer seiner
       Vorgänger, der Realo Cem Özdemir. „Wir regieren in den Ländern in
       verschiedenen Konstellationen. Da kann man nicht jedes Mal von einem Signal
       sprechen“, [4][sagte er nach dem damaligen rot-rot-grünen Wahlsieg in
       Berlin.]
       
       ## Pressekonferenz schnell beendet
       
       Die letzten Hoffnungen auf ein Mitte-Links-Bündnis im Bund liegen somit zum
       einen auf den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas. Sie beendeten
       ihre Pressekonferenz am Montag so schnell, dass die taz ihre
       Rot-Rot-Grün-Frage gar nicht erst stellen konnte.
       
       Zum anderen gibt es zum Glück auch noch die Grüne Jugend. Deren
       Co-Vorsitzende Henriette Held nahm den Begriff „Rot-Rot-Grün“ am Montag
       zumindest in seiner Kurzform in den Mund und sagte der taz: „Damit R2G 2029
       im Bund eine echte Option sein kann, müssen die linken Parteien jetzt vor
       allem eines zeigen: dass es sich lohnt, sie zu wählen, und dass es einen
       echten Unterschied macht, wenn sie regieren.“
       
       Dafür müsse sich nur die SPD „raffen und verstehen, dass man erfolgreiche
       Kompromisse nicht nur mit einer Union schließen kann“. Die Linke müsse ihr
       „Antisemitismusproblem in den Griff bekommen“ und ihre eigene Partei
       anfangen, „Verteilungsfragen klar zu benennen und in den Mittelpunkt ihrer
       Politik zu stellen“.
       
       So viel fehlt zu Rot-Rot-Grün im Bund also vielleicht doch nicht mehr.
       
       22 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/neue-landesregierung-rot-rot-gruen-in-berlin-zeigt-es-geht-100.html
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/spiegel/vorab/gabriel-wirft-merkel-entkernung-der-union-vor-a-1098169.html
 (DIR) [3] /Berlin-und-Mecklenburg-Vorpommern/!6214911
 (DIR) [4] https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/cem-oezdemir-wir-wollen-regieren-weil-wir-veraendern-wollen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
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